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Blitzumfragen zur Corona-Krise in der Bauwirtschaft

„Die Auswirkungen könnten immens sein“

Derzeit herrsche auf vielen Baustellen noch Normalbetrieb, erklärt der HDB. Aufgrund von materiellen und personellen Engpässen durch die Corona-Pandemie könnte sich das aber schnell ändern.

Berlin (ABZ). - Die weltweite Zunahme an Corona-Virus infizierten Personen wirkt sich zunehmend auch auf die Bauwirtschaft aus. Zwar würden die Baustellen bei einem Großteil der Bauunternehmen derzeit noch weitgehend im Normalbetrieb laufen, jedoch sei wegen personellen und materiellen Engpässen mit einer zunehmenden Beeinträchtigung der Bautätigkeit zu rechnen, heißt es in einem aktuellen Statement des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB). Das bestätigen auch kurzfristig durchgeführte Umfragen des HDB und des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

Baustellen seien in Deutschland bislang nur vereinzelt stillgelegt worden. Auch die Sorge vor einem Nachfragerückgang sieht der Branchenverband HDB bisher nicht bestätigt. Das Risiko bestehe vielmehr darin, dass die Produktion durch Probleme bei den Baustoff- und Baumaterialzulieferern, durch Erkrankungen in den Baubelegschaften oder durch behördliche Maßnahmen gebremst werde. Diese Anzeichen würden aktuell durch die Unternehmen bestätigt. Die Eintrittswahrscheinlichkeit sei weiterhin ungewiss, „die Auswirkungen könnten aber immens sein“, heißt es von Seiten des Verbandes.

Eine konkrete Prognose sei derzeit nicht möglich. In einer „vorsichtigen Trendaussage“ geht der HDB von einer Stagnation des baugewerblichen Umsatzes im Bauhauptgewerbe gegenüber dem Vorjahr aus. Mit einem realen Wachstum sei unter den aktuellen Umständen jedenfalls nicht zu rechnen.

Die Januarwerte zu Auftragseingang und Umsatz im Bauhauptgewerbe waren mit zweistelligen nominalen Zuwachsraten noch ausgesprochen positiv. Für den Februar erwartet der Verband eine ähnliche Entwicklung. Die März-Werte, bei denen sich die Epidemie eventuell schon bemerkbar gemacht habe, würden aber erst Ende Mai vorliegen. Bis dahin ist der HDB auf die Einschätzungen der Lage und Erwartungen aus Reihen der Baufirmen angewiesen. Wenn sich das dort aufgezeigte Stimmungsbild bestätige, werde sich auch die Bauwirtschaft vom aktuellen Abwärtstrend in der Wirtschaft nicht gänzlich abkoppeln können, teilte der Verband mit. Zumindest temporär sei mit einem Produktionsrückgang zu rechnen.

Der HDB hat vom 24. bis zum 31. März eine eigene Umfrage unter den Mitgliedsfirmen durchgeführt. Daran haben nach Angaben des Verbandes 409 Personen teilgenommen. Die Ergebnisse vermitteln eine Momentaufnahme über die Situation in der Bauindustrie: 56 Prozent der Befragten sehen sich durch die Auswirkungen des Corona-Virus in ihrer Leistungserbringung bereits heute behindert. Dabei sagten 62 Prozent, dass die Auswirkungen entweder neutral (20 Prozent) oder geringfügig (42 Prozent) seien. 33 Prozent melden eine starke und lediglich 4 Prozent eine sehr starke Einschränkung.

Die größten Einschränkungen kommen der Umfrage zufolge durch fehlende Materiallieferungen (39 Prozent), einen hohen Krankenstand (40 Prozent), behördliche Quarantäneauflagen (31 Prozent), weniger Nachfrage (26 Prozent) und Stornierungen (25 Prozent) zu Stande. 33 Prozent berichten von Personalmangel aufgrund von Grenzschließungen. Dies betraf besonders Mitarbeiter aus Polen.

Momentan noch positiv stimme, dass nur 10 Prozent der gesamten Umfrageteilnehmer angeben, Anzeichen wahrzunehmen, dass öffentliche Auftraggeber Rechnungen nicht mehr zahlen würden. Als Gründe wurden überwiegend genannt, dass sich die Rechnungsprüfung verzögert und dass es kein Personal in den Behörden gibt.

Auch der DIHK hat zwischen dem 24. und 26. März eine weitere Blitzumfrage zu den Auswirkungen der Epidemie durchgeführt an der 950 Baufirmen teilgenommen haben. Darin gaben 87 Prozent der befragten Baufirmen an, dass sie negative Auswirkungen auf ihre Geschäfte spüren. Allerdings steht das Baugewerbe immer noch an letzter Stelle unter den Wirtschaftsbereichen. An erster Stelle steht mit fast 100 Prozent das Gastgewerbe und die Reisewirtschaft. Der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt liegt bei 92 Prozent.

33 Prozent der befragten Bauunternehmen erwarten, dass ihr Umsatz im Gesamtjahr 2020 aufgrund der Pandemie zwischen 10 und 25 Prozent zurückgehen wird. 11 Prozent erwarten einen Rückgang von bis zu 10 Prozent, 20 Prozent einen Rückgang zwischen 25 und 50 Prozent und sogar 8 Prozent einen Rückgang von über 50 Prozent. Lediglich 5 Prozent erwarten keine Veränderung.

50 Prozent der befragten Bauunternehmen gaben an, weniger Nachfrage nach den eigenen Produkten und Dienstleistungen zu spüren. Im Durchschnitt aller Branchen gaben dies 63 Prozent an.

Die Unterschiede in den Umfragen könnten laut HDB darauf zurückzuführen sein, dass beim DIHK überwiegend Kleinbetriebe an den Umfragen teilnehmen. Beim Hauptverband dürften es vermutlich vor allem Mittelständler und große Baufirmen sein.

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