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Bomag

"Konnten auf stabilem Niveau weiterarbeiten"

Bei beengten Verhältnissen spielt der BF 200 seine Stärken aus. Jetzt bekommt er ein zweistufiges Plattform-Konzept, das die Arbeit mit dem Fertiger noch sicherer macht.

Nach einem vielversprechenden Start ist auch bei Bomag die Geschäftsentwicklung in diesem Jahr vom Coronavirus geprägt. Im Interview sprach ABZ-Chefredakteur Robert Bachmann mit Ralf Junker, Präsident der Bomag, und Heiko Krautkremer, Leiter Vertrieb und Service Deutschland, über die nationalen und internationalen Geschäftsentwicklungen des Unternehmens inmitten der Covid-19-Pandemie und darüber, welche Neuerungen Interessierte in der nächsten Zeit erwarten dürfen.

ABZ: Herr Junker, seit März dieses Jahres beherrscht das Coronavirus das Weltgeschehen. Wie ist die Pandemie bei Bomag eingeschlagen?

Junker: Wir sind sehr vielversprechend in das aktuelle Geschäftsjahr gestartet. Nach den sehr guten Monaten Oktober, November und Dezember 2019 deutete alles zunächst auf ein Rekordergebnis für die Bomag hin. Dass die weitere Entwicklung dann einen anderen Kurs einschlagen sollte, war uns sehr früh bewusst. Unter anderem, weil wir in sehr engem Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen in China stehen. Richtig an Bedeutung gewonnen hat das Pandemie-Thema für uns dann, als wir Mitte März auf der ConExpo in Las Vegas waren, von der wir wegen der plötzlichen Reisebeschränkungen frühzeitig abreisen mussten. Danach haben wir in Boppard alles in die Wege geleitet, um auf die Situation vorbereitet zu sein.

ABZ: Welche Maßnahmen haben Sie in Ihrem Unternehmen umgesetzt?

Junker: Wir haben unter anderem eine TaskForce in der Geschäftsleitung gegründet. Drei Personen kümmern sich im Zuge dessen um das Thema, treffen sich täglich und stimmen sich untereinander ab. Sie koordinieren unseren größten Standort in Boppard, geben aber auch auf internationaler Ebene Anweisungen und unterstützen die Mitarbeitenden.

ABZ: Wie hat sich das Geschäft unter diesen Umständen entwickelt?

Junker: Die Entwicklung war in den ersten Monaten sehr positiv. Im April mussten wir dann allerdings stark eingreifen und gerade in Bezug auf die Zuliefervolumina deutlich bremsen. Im April und Mai gab es einen stärkeren Einbruch. Danach hat sich die Situation bereits wieder schrittweise verbessert. Der erste Markt, der sich wieder stark erholt hatte, war China. Bereits im Juni waren die Chinesen wieder auf dem vorherigen Niveau. Das allerdings hat in Europa und vor allem auch in Nordamerika deutlich länger gedauert. Nordamerika hat sich nach wie vor nicht gänzlich erholt. Hier verzeichnen wir immer noch deutlich weniger Umsatz als im Vorjahr. Anders ist das in Deutschland: Trotz Covid-19 haben wir hierzulande einen neuen Umsatzrekord eingefahren, ebenso in Italien und Polen. In Summe liegen wir 8 Prozent unter dem Umsatz von 2019. Meiner Auffassung nach sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen und haben die Krise mit unseren Mitarbeitenden weltweit gut gemeistert.

ABZ: Geholfen hat dabei sicherlich, dass die Baustellen in Deutschland im Jahresverlauf zum großen Teil offen gehalten werden konnten . . .

Krautkremer: Das ist in der Tat ein sehr wichtiger Punkt. Deutschland war in dieser Hinsicht ja kaum betroffen – zumindest, was den Bauablauf betrifft. Natürlich gab es eine Phase, in der beispielsweise die Arbeiter aus angrenzenden Ländern nicht mehr nach Deutschland kommen konnten oder es kleinere Versorgungsprobleme gegeben hat. Aber in Summe ist das Baugeschehen stabil weitergelaufen. Daher konnten wir über das Jahr hinweg kontinuierlich und auf einem sehr stabilen Niveau weiterarbeiten. Natürlich sind die Unternehmen etwas vorsichtiger, was den Kontakt in den Standorten vor Ort angeht. Dadurch hat die Besuchsfrequenz merklich abgenommen. Daher haben wir die Gelegenheit genutzt, uns zunehmend in Richtung Baustellen zu orientieren, um dort Präsenz zu zeigen – selbstverständlich unter den geltenden Abstands- und Hygieneregeln.

Ralf Junker, Präsident der Bomag.

Heiko Krautkremer, Leiter Vertrieb und Service Deutschland bei Bomag.

ABZ: Herr Krautkremer, wie beurteilen Sie die Stimmung in der Straßenbaubranche? Zuletzt gab es vermehrt Meldungen, dass die Auftragslage zurückgeht. Auch der Start der neuen Autobahn GmbH gestaltet sich holprig . . .

Krautkremer: Die Stimmung innerhalb der Branche ist etwas durchwachsen. Auf der einen Seite haben viele Unternehmen einen guten Auftragsbestand. Auf der anderen Seite sind Kommunen nun vermehrt zur Sparsamkeit aufgerufen und müssen schauen, wie sie mit ihren Finanzen haushalten. Auch der Aufbau der Autobahn GmbH gestaltet sich derzeit nicht so einfach. Daraus resultiert die Frage, wie sich diese Situation auf das Volumen an Submissionen und Ausschreibungen im neuen Jahr auswirken wird.

ABZ: Die Pandemie hat vor allem den zwischenmenschlichen Kontakt auf Eis gelegt beziehungsweise in den digitalen Raum verbannt. Wie geht Bomag mit der zwangsläufigen Distanz zu Kunden und Geschäftspartnern um?

Junker: Ich denke, wir lernen auf jeden Fall derzeit alle täglich – gezwungen durch das Covid-Thema – anders miteinander zu kommunizieren. So hat sich unter anderem die Frequenz, mit der wir sowohl geschäftsintern als auch mit Kunden oder Händlern kommunizieren, stark erhöht. Informationen können untereinander auch ausgetauscht werden, ohne dass man vor Ort ist. Ich denke, das ist ein wichtiger Faktor. Natürlich können digitale Lösungen den persönlichen Austausch nicht ersetzen, das werden sie auch nie. Dennoch haben wir gemerkt, dass man die ein oder andere Dienstreise durchaus in einen Videocall verlegen kann. Auch ist inner- und außerhalb der Bomag deutlich geworden, dass alle Parteien in einer solchen Krise sorgfältig und häufig miteinander kommunizieren müssen und sollten.

Krautkremer: Ich kann mich dem nur anschließen. Klar hat die Corona-Krise ihre schlechten Seiten, aber sie bringt zum Beispiel in Sachen Kommunikation via Video-Konferenzen auch Chancen mit sich. Wir haben unseren Informationsfluss zwischen den Standorten verbessert und besprechen beziehungsweise diskutieren Themen nun deutlich häufiger. Das sehen wir für die Zukunft auch als Bereicherung. Nichtsdestotrotz, gerade für den Vertrieb ist die derzeitige Situation eine "Strafe". Viele Dinge, das Zwischenmenschliche, die Emotionen – gehen über digitale Konferenzen etwas verloren und sind nicht eins zu eins transportierbar.

ABZ: 2021 stehen turnusgemäß die Innovation Days bei Bomag, Ihre eigene Hausmesse, wieder auf dem Plan. Wie sieht Ihre Planung dahingehend aus?

Junker: Derzeit befinden wir uns in der Planung für Mitte September 2021. Wir gehen aktuell davon aus, dass das Event stattfinden kann und wird. Genaueres werden wir jedoch erst im Frühjahr entscheiden können. Wir freuen uns natürlich, wenn die Veranstaltung wie geplant stattfinden kann, denn wir haben viele Neuigkeiten zu zeigen. Darüber hinaus möchten wir das Event gerne nutzen, um unser neues Schulungszentrum hier am Standort, die neue "Clément FAYAT Academy" offiziell einzuweihen. In dem vierstöckigen Neubau, dessen Auditorium Platz für 440 Personen bietet, wollen wir zukünftig unsere Kunden empfangen und Produkte vorstellen.

ABZ: Welche Neuheiten beziehungsweise Innovationen stehen bei Bomag im Produkt- und Dienstleistungsbereich derzeit im Fokus?

Junker: Wir haben beispielsweise daran gearbeitet, unsere "BOMAP" weiter zu entwickeln. Die haben wir zwar schon auf der bauma 2019 vorgestellt, allerdings gibt es sie nun auch als erweiterte Version, als "BOMAP connect". Walzen-Fahrer können damit unter anderem aus der Maschine heraus Daten auslesen, archivieren und dokumentieren und somit auch den ganzen Baustellenprozess festhalten. Die App ist kostenfrei erhältlich. Auch Walzen-Fahrer, die keine Bomag-Maschine nutzen, können das System verwenden, um zu überprüfen, wie häufig sie schon über einen bestimmten Bereich gefahren sind. Damit wiederum ist die Gesamttransparenz der Baustelle möglich.

Krautkremer: Neu ist auch der Fertiger des Typs BF 200, den wir auf der bauma gezeigt haben. Kunden haben sich sehr zufrieden mit der Maschine gezeigt. Das liegt unter anderem auch an solchen Features wie der Einbaubreite, die lediglich 1,1 Meter beträgt. Gerade im Bereich der City-Fertiger spielt der BF 200 bei beengten Verhältnissen seine Stärken aus. Neu ist darüber hinaus ein zweistufiges Plattform-Konzept, das die Arbeit mit dem Fertiger sicherer macht, da der Fahrer von zwei Plattformen aus eine bessere Übersicht über sein Umfeld hat. Zudem haben wir unser Bohlenheizsystem "MAGMALIFE" in unseren kompakten BF 200 eingearbeitet, das wir bereits bei unseren größeren Maschinen erprobt haben: Die Heizstäbe sind in Aluminium gegossen, sodass keine Feuchtigkeit mehr eindringen kann und sich die Aufheizzeiten deutlich verkürzen. Ebenso verringert sich der Wartungsaufwand.

Junker: Im Hinblick auf unsere großen Fertiger gibt es weitere Neuerungen im Zusammenhang mit der neuen Advanced-Pave-Technologie. Hierbei handelt es sich um ein integriertes Bedienkonzept, das alle relevanten Funktionen im direkten Zugriffsbereich des Fahrers bereithält. Durch die flexible Sitzposition kann er bequem zwischen Maschinensteuerung und Kommunikation mit der Fertigermannschaft wechseln. Unter anderem ist der Fahrersitz mit einem Joystick ausgestattet – damit muss der Maschinenführer nicht mehr von links nach rechts springen, sondern fährt mitsamt dem Sitz, auch die Bedienelemente fahren mit. Das sorgt im Ganzen für stressfreieres Arbeiten.

Neben diesen Neuheiten arbeiten wir kontinuierlich an der Weiterentwicklung unserer Tandem-Walzen mit Hybrid-Technik, die es jetzt auch für die Kombi-Tandem-Walzen gibt. Das sind Themen, die uns auch zukünftig beschäftigen werden, ebenso wie die Aspekte Elektrifizierung, Automatisierung sowie die "vernetzte Baustelle".

Krautkremer: Auf der Serviceseite arbeiten wir beispielsweise mit unseren Partnern via Remote Service Assistant zusammen. So können bei möglichen Fehlern im Feld rasch Lösungen gefunden werden können. Darüber hinaus sind unsere Maschinen mit QR-Codes ausgestattet. Scannt der Anwender diese, kann er sich auf diese Weise hilfreiche Dokumente oder Videos per App auf dem Smartphone anzeigen lassen. Auch das Thema webbasierte Serviceschulungen wurde stark forciert. Das sind unserer Auffassung nach alles Schritte in die richtige Richtung, dennoch sind wir noch nicht am Ziel angekommen. Insofern wird es in diesen Bereichen auch in Zukunft weitere Neuerungen und entsprechende Entwicklungen geben.

ABZ: Auch wenn derzeit noch vieles im Ungewissen liegt: Welche Erwartungen haben Sie für das kommende Jahr?

Junker: Global betrachtet ist die Bomag verhalten optimistisch. Die Auftragseingänge der letzten zwei, drei Monate waren recht vielversprechend und wenn wir das Jahr 2021 auf dem Niveau abschließen, wie wir es im Jahr 2019 vor der Covid-Krise hatten, dann wären wir ganz zufrieden und das ist auch unser Ziel.

Krautkremer: Das Statement von Herrn Junker, verhalten optimistisch aufgestellt zu sein, kann ich für den Vertrieb Deutschland bei Bomag unterschreiben. Für den Moment sind wir recht stabil und solide ins neue Geschäftsjahr gestartet. In den ersten Monaten des nächsten Jahres wird sich sicherlich genauer herauskristallisieren, wo die Reise hingeht.

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