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Branche erwartet in diesem Jahr leichten Rückgang

Von Joachim Schmid, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Baumaschinen und Baustoffanlagen, Frankfurt am Main

Im Jahr 2019 erreichte der Branchenumsatz am Produktionsstandort Deutschland noch einmal das Allzeithoch des Vorjahres. Überraschend war, dass der deutsche Markt erneut gewachsen ist, weil die Bauindustrie boomt und andere Segmente zugelegt haben, wie der Garten- und Landschaftsbau oder die Gewinnungsbranche. Investitionen in die Mietflotten wurden auch 2019 getätigt.

Ein Lieferstau zuvor in den Jahren 2017/2018 hat dazu beigetragen. So wurde 2019 stärker ausgeliefert als angenommen. Der Boom hätte noch größer ausfallen können. Es fehlen Maschinenbediener, daher zogen sich Nachfrage und Auslieferung in die Länge.

Das Potenzial wurde und wird nie ganz ausgereizt, weil den Unternehmen das Personal fehlt.

Diese Aussagen gelten für Deutschland wie auch für Nord- und Westeuropa. Süd- und Mittelosteuropa setzten die Erholung fort, blieben aber hinter den Erwartungen zurück. Die Türkei bleibt weiterhin abgeschlagen. Insgesamt wurde in Europa 2019 noch einmal mehr verkauft als 2018. Weltweit liegt der Markt 2019 minimal über dem starken Jahr 2018.

Bereits 2019 sind die Auftragseingänge am Produktionsstandort Deutschland zweistellig zurückgegangen. Das deutet darauf hin, dass die Umsätze 2020 folgen werden. Bei den Straßenbaumaschinen gingen bereits Anfang 2019 die Auftragseingänge um mehr als 20 Prozent signifikant zurück, bei Hochbaumaschinen und Erdbaumaschinen drehte der Auftragseingang im Laufe des Jahres ins Minus. Gleichwohl deutet die Entwicklung nicht auf einen Zusammenbruch hin wie 2009, sondern auf das Ende des Booms.

Für Deutschland, Europa insgesamt und den Weltmarkt sind von Rekordniveaus kommend moderate Rückgänge im Baumaschinenumsatz und -absatz zu erwarten. Daran zeigt sich, dass die Abnehmerbranchen robust und solide aufgestellt sind. Die Unsicherheiten sind extrem hoch und es ist nicht abzusehen, wie sich die ökonomischen und politischen Unwägbarkeiten in einzelnen Regionen auswirken werden. Die Baumaschinen- und die Bauindustrie zeigen sich bislang unbeeindruckt von den Ereignissen.

Automatisierung und Digitalisierung bleiben die drängenden Zukunftsthemen, schon wegen des Fachkräftemangels. Der VDMA und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie gingen daher im April 2019 auf der bauma den nächsten Schritt und gründeten die Arbeitsgemeinschaft MiC 4.0, die offen ist für Baumaschinenhersteller, Anbaugerätehersteller, Anwender, Telematik-Experten, Vermieter, Softwarehersteller sowie alle weiteren interessierten Kreise, die gemeinsam Lösungen und Standards erarbeiten wollen.

Erstes Ziel ist es, alle Daten in der ISO 15143-3 (Erdbaumaschinen und mobile Straßenbaumaschinen – Baustellen-Datenaustausch – Teil 3: Telematikdaten), wo nötig, zu konkretisieren und auf nahezu alle gebräuchlichen Baumaschinentypen anzuwenden. Seit Gründung der MiC 4.0 fanden bereits über 30 Sitzungen der aktuell sieben Maschinencluster statt, um sich auf herstellerübergreifende Daten und ein einheitliches Verständnis dieser zu verständigen.

Auch geht es um die Frage der dafür erforderlichen "Systemarchitekturen" rund um die Baumaschinen, die später eine Kommunikation der Maschinen untereinander und mit anderen Plattformen der Anwender ermöglichen sollen. Ein weiteres zentrales Thema ist die einheitliche Bediensymbolik. Das Cluster HMI (Human Machine Interface) ist mittlerweile ein fester Bestandteil der Arbeitsgemeinschaft MiC 4.0 geworden und arbeitet ebenfalls im Netzwerk mit Herstellern und Anwendern an den notwendigen Lösungen.

80 Unternehmen sind derzeit beteiligt, Tendenz steigend. Vier davon sind Hochschulen, die ein wichtiges Bindeglied für die Gemeinschaftsforschung rund um die Digitalisierung darstellen. Beim unterstützenden 9-Millionen-Euro-Forschungsprojekt "Bauen 4.0" ist der Startschuss im August 2019 gefallen.

Wir laden jedes interessierte Unternehmen ein, der Arbeitsgemeinschaft MiC 4.0 beizutreten und mitzuarbeiten. Hier werden momentan die Weichen für die Zukunft der Branche gestellt!

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