"Brückenabbruch durch Sprengen"

Für Praxis-Erfahrungen gesorgt

Andreas Hecke (mit Mikrofon) von der Autobahndirektion Nordbayern begrüßte die Workshop-Teilnehmer am Info-Point der Brückenbaustelle "Heidingsfeld".

Berlin (ABZ). – Auch in diesem Jahr bot der Fachausschuss Sprengtechnik im Deutschen Abbruchverband (DA) wieder einen Workshop zum Sprengabbruch von Brücken an. Der Vortrag "Potential im Brückenabbruch durch bundesweiten Sanierungsbedarf" im Rahmen der vorangegangen Fachtagung Abbruch 2017 stellte die Veranstaltung vor einen besonders aktuellen Hintergrund. Viele Brücken des deutschen Straßennetzes sind in die Jahre gekommen und bedürfen einer Sanierung oder sogar eines kompletten Neubaus. Fällt die Entscheidung für den Neubau einer Brücke, bedeutet dies fast ausnahmslos auch den Abbruch des alten Bauwerks. Anlässlich der Fachtagung Abbruch in Berlin hatte Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, mit seinem Vortrag hierzu einen ausführlichen Ausblick gegeben, was die Aktualität des Workshops besonders unterstrich.

Während der eintägigen Veranstaltung in Würzburg informierten Experten aus den Reihen des DA darüber, wie sich alte Brücken effektiv und sicher mit Hilfe moderner Sprengtechnik abbrechen lassen, und welche Aspekte bei der Abbruchplanung und -durchführung besonders wichtig sind. Mit insgesamt 60 Anmeldungen war der Workshop wieder so gut besucht wie die gleichlautende Veranstaltung im Mai 2016 in Limburg, trotzt des erneuten Verzichts auf Besuch einer "Live"-Sprengung.

Zu Beginn begrüßte Martin Hopfe, Vorsitzender des Fachausschusses Sprengtechnik die Teilnehmer, und DA-Referent Kirste stellte die Mitglieder dieses Ausschusses, auf deren Bemühungen hin der Workshop stattfand, einzeln vor. Im anschließend ersten Vortrag stellte Dr. Rainer Melzer die Überlegungen dar, die zur Entscheidung pro Sprengabbruch bzw. pro Maschinenabbruch führen können. Ebenso erläuterte er das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie hinsichtlich des Abbruchs der im weiteren Workshop-Verlauf besichtigten Autobahnbrücke "Heidingsfeld".

Daran anknüpfend präsentierte Hopfe das Praxisbeispiel "Sprengung der 770 m langen Sinntalbrücke der Autobahn A 7" vom Juni 2013.

Nach den ersten Vorträgen wurden die Teilnehmer mit einem Bus zur nahegelegenen Autobahnbrücke "Heidingsfeld" der A 3 gebracht. Wenige Kilometer südlich von Würzburg überspannt die Brücke ein Tal zwischen dem Nonnenberg und dem Katzenberg, und führt damit u. a. über die Bahnstrecke Würzburg-Stuttgart und die Stuttgarter Straße. Das Bauwerk ist 664 m lang und liegt bis zu 65 m über dem Talgrund. Im Rahmen des 6-streifigen Ausbaus der Autobahn A 3 wird die Brücke durch einen tiefer liegenden Neubau ersetzt. Seit 2014 wird an der neuen Talquerung gebaut, die alte Autobahnbrücke soll nach Inbetriebnahme der neuen Brücke abgebrochen werden. Vor Ort begrüßte Andreas Hecke von der Autobahndirektion Nordbayern die Gäste und bot einige Details zur Heidingsfeldbrücke. Hopfe und Melzer ergänzten die Ausführungen und berichteten über bereits angestellte Überlegungen hinsichtlich des Abbruchs. Dabei spielten die Frage "maschineller oder Spreng-Abbruch?" sowie das Für und Wider einer Kombination unterschiedlicher Abbruchverfahren eine besondere Rolle. Nach der Rückkehr in das Tagungshotel diskutierten Teilnehmer und Referenten die Vor- und Nachteile eines Sprengabbruchs am Beispiel des besuchten Objektes.

Weitere Redner des Workshops waren Dr. Ulf Lichte vom Sachverständigen- und Ingenieurbüro Dr. Ulf und Peter Lichte GbR aus Leipzig sowie Jens Appelt von der BG BAU in Böblingen. Dr. Lichte erläuterte, wie sich bei Sprengungen insbesondere Erschütterungen in den Griff bekommen lassen. In einer zweiten Präsentation ging er auf die Aspekte einer qualifizierten Beweissicherung im Vorfeld von Bauwerkssprengungen ein. Appelt bot einen Überblick zu den bei Sprengarbeiten relevanten Gefährdungen und wies auf die von der BG BAU kostenfrei zur Verfügung gestellten Hilfsmittel zur Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen hin.

Abgerundet wurde der Workshop durch eine Podiumsdiskussion, bei dem das Auditorium die Möglichkeit hatte, die Referenten ausführlich zu einzelnen Punkten ihrer Ausführungen zu befragen. Da sich die Zuhörerschaft gleichermaßen aus Straßenbetreibern, Behördenvertretern, Sachverständigen und ausführenden Unternehmen zusammensetzte, ergab sich eine facettenreiche Diskussion zum Pro und Contra der Anwendung des Verfahrens Sprengen beim Brückenabbruch.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 24/2017.

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