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Brückenbau im Freivorbau-Verfahren

Fahrbare Arbeitsplattform realisiert

Unterhalb der Überbauten war eine Arbeitsplattform notwendig, um abschnittsweise Stahlträger an der Brückenunterseite montieren zu können – in mehr als 50 m Höhe.

Limburg (ABZ). – An den Überbauten der neuen Lahntalbrücke mussten abschnittweise Stahlträger angebracht werden. Durch Einsatz des Allround Fachwerkträgers konnten die Verantwortlichen mit Serienbauteilen eine fahrbare Arbeitsplattform realisieren.

Brücken sind ein entscheidender Teil der Verkehrsinfrastruktur in Deutschland. Sind sie aber – wie viele Brücken in Deutschland – marode, können sie schnell zu Flaschenhälsen werden. So auch auf der A 3, der mit 769 km zweitlängsten Autobahn Deutschlands. Die Lahntalbrücke bei Limburg aus dem Jahr 1965 musste aufgrund steigender Verkehrsbelastung und des baulichen Zustands neu gebaut werden. Das Ergebnis eines Gestaltungswettbewerbs war eine siebenfeldrige Brücke mit 450 m Länge, die das Lahntal in mehr als 60 m Höhe überquert. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit kam bei diesem Projekt u. a. das Freivorbau-Verfahren zum Einsatz. Dabei wuchs der Überbau in 5-m-Schritten in jede Richtung. Ein Ansatz, der auch offiziell gewürdigt wurde – mit einer Nominierung für den deutschen Brückenbaupreis. "Der im klassischen Freivorbau hergestellte Ersatzneubau ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie traditionelle Ingenieurbaukunst gepaart mit neuen Ideen ästhetische Qualität mit kostengünstiger Herstellung verbinden kann", hieß es.

Auch bei verschiedenen temporären Konstruktionen lag der Fokus auf dem Thema Wirtschaftlichkeit. Unterhalb der Überbauten war bspw. eine Arbeitsplattform notwendig, um abschnittsweise Stahlträger an der Brückenunterseite montieren zu können – in mehr als 50 m Höhe. Dabei gab es einige Herausforderungen, wie Roland Hassert – Leiter der Layher Anwendungstechnik Bau – erklärt: "Die Arbeitsplattform sollte ein komfortables und sicheres Arbeiten in der Höhe ermöglichen und zugleich effizient im Aufbau sein. Dabei mussten wir berücksichtigen, dass eine Gerüstaufstellfläche aufgrund des Flusses nicht zur Verfügung stand und eine Verankerung am Bauwerk selbst nicht zulässig war. Ein Standgerüst bzw. ein über die gesamte Brückenfläche abgehängtes und verankertes Gerüst schieden also – auch aus Kostengründen – von vornherein aus. Die Alternative war ein fahrbares Gerüst, das im Spalt zwischen den zwei Überbauten an einem Fahrwagen aufgehängt und mit Baufortschritt verschoben wurde", berichtet der Dipl.-Bauingenieur.

"Lösen konnten wir diese Aufgabe mit einer fahrbaren Konstruktion aus dem Allround Fachwerkträger. Dieser besitzt eine hohe Tragfähigkeit und lässt sich mit anderen Serienbauteilen des AllroundGerüsts kombinieren. Auf diese Weise konnten wir die Aufhängung im hinteren Bereich der temporären Arbeitsplattform ansetzen und die eigentliche Arbeitsfläche 6 m nach vorne auskragen lassen. So war nach oben hin ein ungehindertes Arbeiten möglich. Die Aufhängung erfolgte mit baustellenüblichen Doppel-U-Trägern und Spannstäben. Für die Arbeitsebene ließen sich Layher Serienstahlböden problemlos in die Fachwerkträger-Konstruktion integrieren. Diese sorgen mit ihrer profilierten Oberfläche selbst bei Regen oder Schnee für Rutschsicherheit. Geländer aus Allround-Serienbauteilen schützten die Handwerker zudem vor Absturz. Interessantes Detail: Als Allround-Bauteil besitzen die Pfosten des Allround Fachwerkträgers ebenfalls Lochscheiben in einem Abstand von 50 cm. Im letzten Feld konnten die Stahlböden daher einfach 1 m tiefer als die der Arbeitsplattform eingehängt werden. So war für die Handwerker darüber hinaus ein bequemer Zutritt via Arbeitskorb möglich. Eine materialsparende und damit wirtschaftliche Lösung – aus Serienbauteilen", erklärt Hassert.

Mit nur drei Zusatzbauteilen – statisch und maßlich ins Allround-System integriert – lassen sich Überbrückungen und Lastabfangungen jetzt noch wirtschaftlicher realisieren. Zur hohen Tragfähigkeit tragen der Einsatz leistungsfähiger Stahlsorten und die Bauhöhe des Allround Fachwerkträgers bei, aber auch dessen Einbau im Allround-Systemrastermaß ohne seitlichen Versatz. Dadurch sei eine statisch vorteilhafte zentrische Krafteinleitung sichergestellt. Die Quer-Aussteifung erfolgt über die Serienteile des AllroundGerüsts. Leichte Einzelbauteile und die Bolzenverbindung gewährleistete eine schnelle Montage, der modulare Aufbau des Allround Fachwerkträgers erlaubt zudem flexible Höhen, Breiten und Längen für eine optimale Anpassung an objektspezifische Last- und Geometrievorgaben. Stehe kein Kran zur Verfügung, lasse sich der Allround Fachwerkträger selbst per Hand problemlos montieren – auch im Freivorbau aus gesicherter Lage.

Für die Planung nutzten die Anwendungsingenieure die Layher Gerüstplanungssoftware LayPlan CAD. "Damit lassen sich auch komplexe Konstruktionen schnell und einfach in 3D planen", erläutert eine Sprecherin des Unternehmens Layher. Die Daten der Brücke würden über BIM aufgespielt. Die Vorteile reichten von der einfacheren und schnelleren Planung über die reibungslosere Projektabwicklung bis hin zur Visualisierung von Gerüstbaulösungen – mit Planungssicherheit in Bezug auf Material, Personal, Kosten und Zeitplanung. Transparenz in allen Arbeitsschritten führe zur Reduzierung von Kosten und Erhöhung von Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Durch die Integration ins LayPlan-System könne die Grundplanung automatisiert im bewährten LayPlan Classic erfolgen – inkl. Materiallisten und Aufbauskizzen. Anschließend würden die Daten einfach ins Programm LayPlan CAD exportiert, welches weitere Möglichkeiten für die individuelle Detailplanung in 3D biete – bis hin zur visuellen Kollisionsprüfung mithilfe der realitätsnahen Volumendarstellung. Eine Übergabe an Visualisierungs- oder Animationssoftware sei ebenfalls möglich – z. B. zur Bauablaufsimulation. Auf diese Weise ließen sich Projekte nicht nur wirtschaftlich in 3D planen und zugleich genau an die Anforderungen anpassen, sondern auch bei Auftraggebern professionell präsentieren.

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