Brüttenertunnel

Pilotprojekt der SBB setzt Standards für die Zukunft

Bern/Schweiz (ABZ). – Die Schweizerische Bundesbahnen (SBB) sammelt aktuell erste Erfahrungen im Bereich des digitalen Planens und Bauens. Bei Immobilien soll die modellbasierte Arbeitsweise bis Ende dieses Jahres und bis 2025 außerdem im Infrastrukturbereich eingeführt werden. So sieht es der digitale Aktionsplan des Landes vor. Effizienzsteigerungen in den Projektzielen, Terminen und Kosten erwartet die SBB mittel- bis langfristig mit Building Information Modeling (BIM).
Bau digital
Das Modell zeigt eine Übersicht über das Portalgebiet in Dietlikon mit der Tagbaustrecke, dem Bahntechnikgebäude sowie den abgebauten Tunnelröhren in der Ferne. Abb.: SBB

Eines dieser ersten BIM-Projekte im Infrastrukturbau ist der zweite Bauabschnitt des Großprojekts "Mehrspur Zürich–Winterthur, Bahnausbau via Brüttenertunnel" mit einem Bauvolumen von mehr als 2 Milliarden Schweizer Franken (CHF). Das Projekt befindet sich aktuell in der Plangenehmigungsphase. Die Ausschreibungen sind voraussichtlich für das Jahr 2024 angesetzt. Verläuft alles planmäßig, soll der Bau ab 2026 beginnen. Insgesamt umfasst das Großprojekt fünf Abschnitte zwischen Zürich und Winterthur, die teilweise als BIM-Projekte in 3D abgewickelt werden sollen. Im Rahmen dieser Maßnahme entstehen bis 2035 neue Bahnstreckenabschnitte und Tunnelanlagen. Zudem baut die SBB vier Bahnhöfe aus.

Sechs große Planungsgesellschaften und viele weitere, verschiedene Subunternehmer, die die unterschiedlichen planerischen Fachdisziplinen verantworten, arbeiten im Rahmen der Plangenehmigungsphase für den Bauabschnitt 2 auf einer gemeinsamen Plattform am BIM-Modell. Gesteuert wird die Planung von der IG Brütt+, die sich aus den Planungsgesellschaften ILF Beratende Ingenieure AG (Federführung), Emch+Berger, Aegerter & Bosshardt AG, Amberg Engineering sowie Amstein – Walthert und Gysi, Leoni und Marder zusammensetzt. Die Leitung der Konstruktion obliegt Jonathan Dunn, BIM-Verantwortlicher bei ILF Beratende Ingenieure. "Nachdem wir das Vorprojekt 2019 mit der BIM-Kollaborationsplattform Bimsync Arena von Catenda erfolgreich zum Abschluss gebracht haben, fiel die Entscheidung auch für den weiteren Projektverlauf auf die Softwarelösung von Catenda", berichtet Dunn. Gleichzeitig steht die Plattform des norwegischen Softwareanbieters für alle weiteren Bauabschnitte des Großprojekts "MehrSpur Zürich–Winterthur" zur Verfügung, wie Luca Borio, Fachprojektleiter Tunnel für den Bauabschnitt 2 und Datenmanager für das Gesamtprojekt, bestätigt.

"Bei diesem Pilotprojekt war es besonders wichtig für uns, so viele Leute wie möglich unmittelbar an die BIM-Welt anzubinden", erläutert Dunn. "Aus diesem Grund haben wir eine Software gesucht, die die Modelle sehr gut darstellt, eine gute Performance bietet und insbesondere intuitiv in der Anwendung ist. In allen Punkten hat uns die Lösung von Catenda überzeugt."

Mit BIMsync können sämtliche Fachdisziplinen unmittelbar am BIM-Modell zusammenarbeiten und sich untereinander austauschen. Der Vorteil: Alle Partner sind stets auf dem gleichen Informationsstand. "Einige der Projektbeteiligten hatten noch überhaupt keine Modellierungserfahrung", erinnert sich Dunn. "Trotzdem sind sie allesamt relativ schnell mit BIMsync zurechtgekommen. Das bestätigt auch Borio, der sich in seiner Funktion bei der SBB selbst in einem sehr kurzen Zeitraum in die Lösung erfolgreich eingearbeitet und die wesentlichen Funktionen sehr schnell verinnerlicht hat. "Der Einstieg in BIMsync ist relativ einfach und es sind keine spezifischen Schulungen notwendig, um auf der Plattform effizient arbeiten zu können", betont er. Ein Vorteil liegt selbstverständlich auch bei der Präsentation des Projektstandes innerhalb des Konzerns. "Die Lösung von Catenda erlaubt es, sehr schnell in BIM-Modelle einzusteigen, darin zu navigieren und wichtige Punkte, etwa Konflikte, visuell und für alle verständlich aufzuzeigen. Wie sonst üblich, mit zahlreichen PDF-Plänen und Berichten hingegen stellt sich das eher schwierig dar", fügt er hinzu.

In diesem Pilotprojekt soll es den Verantwortlichen zufolge hauptsächlich darum gehen, den Weg von der 2D- in die 3D-Planung anhand eines Infrastrukturprojekts zu erkunden. Ziel sei es, am Ende eindeutige Standards zu setzen, die für neue BIM-Projekte umfassend gültig sind. "Es gibt keinen Parallelplan in 2D", so Dunn. Aus diesem Grund war eine IT-Lösung wichtig, die es erlaubt, eine Vielzahl von Modellen hochzuladen. Von Autodesk Revit, AutoCAD und Civil 3D über Navisworks, Archicad von Graphisoft und Vectorworks bis hin zu Microsoft Projekt kommt eine Vielzahl von Softwareprogrammen bei dieser Planungsaufgabe zum Einsatz. Ein grosser Vorteil von Bimsync Arena ist es, dass sich in nahezu jeder Autorensoftware – egal ob in 2D oder in 3D – sogenannte BCFs erstellen lassen, die anschließend mit den Projektpartnern geteilt werden können. Das BIM Collaboration Format (kurz BCF) ist, ebenso wie IFC, ein definiertes, international anerkanntes Format des buildingSMART für die Projektkommunikation. Die Projektbeteiligten haben die Möglichkeit, sämtliche BCF-Dateien in ihrer eigenen Software zu sichten und auch zu bearbeiten. Das gilt selbstverständlich auch für Software für die Kollisionsprüfung und Qualitätskontrolle.

Insgesamt sind es etwa 150 Modelle, die sich im Zuge des Bauabschnitts 2 Brüttenertunnel derzeit auf der BIMsync-Plattform befinden. Je weiter das Projekt fortschreitet, desto mehr kommen hinzu.

Die Verantwortlichen freuen sich, dass die Anzahl der Modelle nicht begrenzt ist, denn mit nur wenigen 3D-Modellen ließe sich ein Projekt in dieser Größenordnung nicht umfassend abbilden. Zudem sind gemeinsam mit den aufkommenden Fragestellungen aus dem Projekt Weiterentwicklungen im Programm möglich. Im Besonderen wird die Flexibilität des Herstellers sehr geschätzt. Denn es spielt keine Rolle, wie viele Personen während des Projektverlaufs zusätzlich auf die Plattform zugreifen. "Das ist ein sehr großer Vorteil für uns", fasst Datenmanager Borio zusammen. Planungsleiter Jonathan Dunn ergänzt: "Mit Catenda haben wir eine sehr schweizerische Lösung. Sie ist sehr ordentlich und dabei auch simpel."

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