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Bundesfachtagung Gerüstbau 2018

Maritimes Flair zog Teilnehmer zum Jubiläum an

Von Martina Monsees

Mehr als 500 Teilnehmer haben sich anlässlich beider Jubiläen in Rostock versammelt.

Rostock-Warnemünde. – Die diesjährige Bundesfachtagung fand kürzlich in Rostock-Warnemünde mit einer Rekordteilnehmerzahl von mehr als 500 Personen statt und stand unter dem Zeichen zweier Jubiläen: Der Bundesverband Gerüstbau e. V. feiert in diesem Jahr das 70-jährige und die Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk das 20-jährige Bestehen. Die Bundesfachtagung der Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk und des Bundesverbandes Gerüstbau e. V. hat bereits 2014 in der Yachthafenresidenz "Hohe Düne" stattgefunden und weil dies den Teilnehmern sehr gut gefallen hat, entschied sich der Verband, die aktuelle Bundesfachtagung erneut an diesem Tagungsort auszurichten. Für die diesjährigen Feierlichkeiten bot die Residenz am Yachthafen eine großartige Kulisse: Im Rahmen eines Festaktes blickte Marcus Nachbauer, Bundesinnungsmeister der Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk und Präsident des Bundesverbandes Gerüstbau, auf die Verbands- und Innungsgeschichte zurück. Dabei zeichnete er den Aufbau der Verbandslandschaft mit der Entwicklung vom Holzleitergerüst zum Stahlgerüst nach und sprach u. a. über die Erlangung der Tarifautonomie sowie über das Erstarken des Handwerks zum Ausbildungsberuf und Vollhandwerk. Vor diesem Hintergrund stellte Nachbauer fest: "Der Faktor Mensch kann nicht komplett ersetzt werden – auch nicht im Zeitalter der Digitalisierung."

Bei seinem Ausblick auf die Zukunft zeigte er sich davon überzeugt, dass das Gerüstbauer-Handwerk als Gewerk, das sich durch Flexibilität und Schnelligkeit sowie hohe Ingenieurskunst auszeichne, auch im neuen Zeitalter weiterhin seine Berechtigung haben werde. Dabei sei es das Ziel von Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau, die Wahrnehmung der qualifizierten Gerüstbauleistungen in der Öffentlichkeit zu verbessern. Als Gastredner für den Festakt begrüßte er im Anschluss Frank Sitta (stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion), Holger Schwannecke (Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks e. V.) und Klaus-Richard Bergmann (Hauptgeschäftsführer der BG Bau). Sitta versprach den Anwesenden und der Branche, sich bei den Gesprächen und Entscheidungen zum Thema Dieselfahrverboten auch weiterhin für das Handwerk und mittelständische Unternehmen einsetzen zu wollen. Schwannecke berichtete von der aktuellen Lage im politischen Berlin und machte deutlich, dass der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung insgesamt hinter den Erwartungen des Handwerks zurückbleibe. Bergmann richtete die Aufmerksamkeit der Teilnehmer insbesondere auf das Thema Arbeitsschutz und das neue Präventionsprogramm der BG Bau "Bau auf Sicherheit. Bau auf Dich". Neun Antworten auf Gefahrensituationen aus dem Programm sollen Mitarbeiter auf dem Bau dafür sensibilisieren, ihr Verhalten im Arbeitsalltag zu ändern und dafür sorgen, dass Auszubildende z. B. nicht allein auf ein Gerüst bzw. Dach steigen. Der Appell laute, aufmerksam für sich und seinen Nächsten zu sein.

Im Rahmen der Bundesfachtagung wurde einerseits zur Ordentlichen Mitgliederversammlung des Güteschutzverbandes Stahlgerüstbau e. V. und andererseits zur Ordentlichen Mitgliederversammlung der Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk und des Bundesverbandes Gerüstbau e. V. aufgerufen. Ein Thema beider Mitgliederversammlungen war – neben Regularien – die Zusammenführung des Güteschutzverbandes Stahlgerüstbau e. V. mit dem Bundesverband Gerüstbau e. V. Hierbei fasste die Mitgliederversammlung des Güteschutzverbandes Stahlgerüstbau e. V. den Beschluss, dass die Vorbereitungen hierfür fortgesetzt und auf der nächsten Mitgliederversammlung 2019 die Zusammenführung vollzogen werden soll. Nach dem Bericht über die Jahresabrechnung 2017 wurde der Vorstand – bestehend aus Josef Teupe (Vorstandsvorsitzender), Alf Pytlik (2. Vorsitzender) und Udo Roth (Obmann) – sowie Sabrina Luther als Geschäftsführerin des Güteschutzverbandes Stahlgerüstbau e. V. einstimmig entlastet. Darüber hinaus wurden Rainer Pust und Bernd Werdermann als erster bzw. zweiter Kassenprüfer gewählt.

Die Arbeit und die Position des Bundesverband Gerüstbau e. V. sollen laut Präsident Marcus Nachbauer künftig noch besser sichtbar werden.

Im Rahmen der Mitgliederversammlungen der Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk und des Bundesverbandes Gerüstbau berichteten Präsidium bzw. Vorstand und Geschäftsführung – zusammengesetzt aus Marcus Nachbauer (Bundesinnungsmeister/Präsident), Frank Dostmann (stellvertretender Bundesinnungsmeister/Vizepräsident für den Bereich Wirtschaft und Recht), Holger Budroweit (stellvertretender Bundesinnungsmeister/Vizepräsident für den Bereich Technik) und Sabrina Luther (Geschäftsführerin) – zu den aktuellen Entwicklungen in den Fachbereichen Technik, Wirtschaft und Recht sowie zu aktuellen zentralen Verbandsanliegen. Dabei wurde u. a. über die Aktivitäten der Arbeitskreise, die Arbeit in den technischen Normungsausschüssen und die aktuellen Entwicklungen im Arbeitsschutz, die Situation in der überbetrieblichen Ausbildung und den aktuellen Stand des Ausbaus der Öffentlichkeitsarbeit gesprochen. Ein erstes Ergebnis dieser Maßnahmen wurde den Teilnehmern in Form der neuen Internetpräsenz präsentiert. Nachdem in den vergangenen Jahren eine Neuauflage der seit 2003 bestehenden Berufskleidung entwickelt worden ist, habe nun auch ein neuer Rahmenvertrag mit dem Hersteller abgeschlossen werden können. Die Bundesinnung Gerüstbau hat die Entwicklung der neuen Kleidung (Jacke, Bund-/Latzhose, Weste und Shorts) begleitet und vorangetrieben, wie Marina Kammerer-Röckl von Gerüstbau Kammerer erläuterte. Die Innungskollektion sei für die industrielle Wäsche geeignet und könne bei der Firma Rofa-Bekleidungswerk GmbH & Co. KG gekauft oder über die Firma Mewa Textil-Service AG & Co. Management OHG geleast werden. Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde die neue Berufskleidung mit einer "Modenschau" präsentiert.

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung ehrte Holger Budroweit, stellvertretender Bundesinnungsmeister der Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk und Vizepräsident Technik des Bundesverbandes e. V., die anwesenden besten Jungmeister. Für ihre Leistungen wurden in diesem Jahr Andreas Fischer (HWK Berlin) und Martin Noack (HWK Dresden) vor Ort ausgezeichnet. Robin James Hartsoe aus dem Ausbildungsbetrieb Odendahl GmbH in Köln wurde als Bundessieger des Leistungswettbewerbs des deutschen Handwerks im Gerüstbauer-Handwerk geehrt. Wie in den Vorjahren lobte die Stiftung zur Förderung des Gerüstbauer-Handwerks auch in diesem Jahr einen Preis für die jahrgangsbesten Jungmeister und den Sieger des Bundesleistungswettbewerbs aus. Über den Abschluss als "Fachfrau für das Gerüstbauer-Handwerk" freuten sich in diesem Jahr sieben Teilnehmerinnen: Lioba Bitsch, Isabelle Mallok-Schütze, Marilyn Mohn, Carmen Nissen, Peggy Siol, Alexandra Urek und Diana Wolf wurden im festlichen Rahmen der Bundesfachtagung durch Frank Dostmann, den stellvertretenden Bundesinnungsmeister der Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk und Vizepräsident Wirtschaft, Recht und Ausbildung des Bundesverbandes e. V., geehrt.

Die neue Berufskleidung wurde erstmals gezeigt und wird als Imagekleidung für alle Gerüstbaubetriebe angeboten.

Beim "Talk im Gerüst" ging es um ein Thema, das das Gerüstbauer-Handwerk wie auch andere Branchen derzeit nachhaltig beschäftigt – das Gewinnen und Halten von Nachwuchs und Fachkräften. Dazu unterhielten sich Gäste aus Politik bzw. Wirtschaft unter der Moderation von Holger Budroweit und Josef Teupe mit Gerüstbauunternehmern darüber, wie Mitarbeiter gewonnen und motiviert werden können. Stefano Battaglia (Gerüstbau-Meisterbetrieb Kolb), Mirko Mank (Gerüstbau Mank GmbH) und Sandro Rende (Gebr. Rende Gerüstbau GmbH) berichteten vom täglichen Kampf um neue Mitarbeiter und Nachwuchs. Es wurde diskutiert, welche Maßnahmen zur Motivation bereits eingesetzt werden, damit Mitarbeiter dem steigenden Arbeits- und Leistungsdruck standhalten können, und, wie und womit die Mitarbeiter unterstützt und gefördert werden können.

Ralf Metternich von der Unternehmensberatung Metternich Consulting berichtete hierzu von unterstützenden Coachings, Moderationen und Trainings zur Befähigung von Führungskräften und Mitarbeitern. Zur Sprache kam aber auch, welche Möglichkeiten gesehen werden, wenn Mitarbeiter aus Alters- oder Gesundheitsgründen keine volle Leistungskraft mehr besitzen, um einen ganzen Tag auf dem Gerüst eingesetzt werden zu können.

Diskutiert wurde zudem über die Frage, wie man insbesondere junge Menschen für das Gerüstbauer-Handwerk und eine Ausbildung gewinnen kann. Stefan Koenen, Mitverantwortlicher der Imagekampagne des Deutschen Handwerks, gab in Sachen Marketing Hinweise. Peter Kahl vom Bildungszentrum der Handwerkskammer Dortmund berichtete von eigenen Erfahrungen im Umgang mit Auszubildenden. Einig waren sich die Diskutanten darüber, dass sich die Zeiten gewandelt haben und die Betriebe auf der Suche nach Nachwuchs aktiver vorgehen müssen als früher.

Laura Wegewitz von der Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk und Bundesverband Gerüstbau informierte über die Angebote der Innung, die Betriebe bei der Akquise von Auszubildenden zu unterstützen. Hierzu hat die Innung 2012 eine Nachwuchskampagne ins Leben gerufen und stellt Betrieben für ihre Aktivitäten in Schule oder Messen Werbematerial (Flyer, Kugelschreiber, Sticker und Display-Cleaner) zur Verfügung. Künftig will sich die Innung im Bereich Öffentlichkeitsarbeit noch stärker auf die Verbesserung des Images des Gerüstbauer-Handwerks konzentrieren. An vielen Stellen beteiligte sich das Publikum mit Wortmeldungen.

Im Anschluss führte der traditionelle Ausflug die Teilnehmer mit einem Großsegler über die zumeist sonnige Ostsee. Als nächste Veranstaltung ist das Groß-Seminar "Erfolgsfaktor Mensch – Fachkräftesicherung heute und morgen" vom 9. bis 10. November 2018 in Hannover geplant. Anmeldungen dazu werden noch bis 30. Juni 2018 entgegen genommen. Die nächste Bundesfachtagung findet vom 15. bis 19. Mai 2019 in Dresden statt.

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