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Cramo

Full-Service auf der Baustelle

Hartwig Finger vor dem Cramo-Messestand auf der bauma. Der Vorstandsvorsitzende der Cramo AG blickt positiv in die Zukunft.

Mit dem Zusatz "– dein Mietpartner" hat die Cramo AG eine Neuorientierung vorgenommen und positioniert sich weiter als Komplett-Anbieter am deutschen Vermiet-Markt. Über die Neuausrichtung des Unternehmens, erste Pilotprojekte sowie die großen Themen Digitalisierung und Fachkräftemangel sprach ABZ-Redakteurin Jennifer Schüller mit Hartwig Finger, Vorstandsvorsitzender der Cramo AG, auf der bauma in München.

ABZ: Herr Finger, Sie sind seit Mitte vergangenen Jahres der neue Vorstandsvorsitzende der Cramo AG. Welche Schwerpunkte haben Sie für die Zukunft und die Entwicklung des Unternehmens gesetzt?

Finger: Unsere Ausrichtung ist relativ einfach daran zu erkennen, wie wir auch unseren Messeauftritt auf der bauma gestaltet haben. Im Juni/Juli vergangenen Jahres haben wir angefangen intern zu evaluieren wohin die Reise gehen soll. Dabei haben wir uns angesehen, was gut läuft, wo wir noch Potential haben und wie wir mit verschiedenen Themen umgehen wollen. Wir hatten kurz zuvor im Februar 2018 die KBS Baulogistik gekauft und zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, wie der neue gemeinsame Marktauftritt gestaltet werden soll. Wir haben dann im Spätsommer sehr stark daran gearbeitet, wie wir uns aufstellen und präsentieren können und jetzt können wir darüber auch offen sprechen. Wir haben ein relativ flaches Re-Branding gemacht. Denn Cramo ist weiterhin unser Marken-Name. Aber wir haben nun den Zusatz "Dein Mietpartner".

ABZ: Warum genau dieser Zusatz?

Finger: "Dein Mietpartner" drückt in sehr vereinfachter Form aus, was wir als Strategie verfolgen. "Dein" steht für eine sehr offene und sehr persönliche Kultur sowohl innerhalb der Firma, als auch zu unseren Kunden. Soll heißen, wir wollen sehr nah am Kunden sein und auf Augenhöhe kommunizieren. "Partner" steht dafür, dass wir vom Werkzeug bis zur Arbeitsbühne als Cramo der Partner der Wahl sein wollen. Im Idealfall möchten wir den ganzen Baustellenverlauf begleiten. Dazu zählt am Anfang die Einrichtung der Baustelle und das Aufbauen der Bauzäune, später aber auch die Sicherung der Baustelle sowie das Aufstellen von Containern. Außerdem können wir den Baustellenstrom liefern und natürlich auch die gesamte Erdbewegungstechnik wie bspw. Bagger bereitstellen. Des Weiteren können wir auch die Logistik auf der Baustelle organisieren. Wir koordinieren die Gewerke und helfen dabei, Produkte von A nach B zu transportieren. Und schlussendlich können wir uns auch um das Abfallmanagement kümmern. Um es kurz zu machen: Egal in welchen Servicebereich man hineingeht und welche Bedürfnisse der Kunde hat, wir werden auf der Baustelle für ihn eine Lösung finden. Wir stehen dem Kunden als ganzheitlicher Partner gegenüber.

ABZ: Das beinhaltet noch einmal eine deutlich stärkere Service-orientierte Komponente?

Finger: Genau in diese Richtung geht es. Um abzuschließen, wie wir uns positionieren: Wir wollen uns wirklich als "Partner deiner Wahl" am Markt etablieren und die komplette Bandbreite der Baustelle Service-orientiert anbieten. Wir werden natürlich weiterhin Maschinen und Geräte vermieten. Aber nun kommen auch verstärkt Services hinzu.

ABZ: Da haben Sie sich eine Menge vorgenommen . . .

Finger: Ja, wenn Sie mich im September vergangenen Jahres angesprochen hätten, hätte ich Ihnen gesagt, dass wir uns da wirklich etwas Großes vorgenommen haben. Mittlerweile kann ich sagen: Ja, wir haben uns viel vorgenommen, aber wir haben schon verschiedene Projekte akquiriert, wo es so läuft. Mittlerweile ist KBS auch voll integriert. Eine Integration muss ja nicht immer nur legal erfolgen, sondern es geht auch um die Abläufe, wie man miteinander harmoniert und wie man die Baustellenakquise gestaltet. Wir haben verschiedene Vertriebskanäle, die wir nutzen. Einmal über die Cramo-Außendienstler und einmal über die Ausschreibungen von KBS, wie wir unsere Produkte gemeinsam darstellen wollen. Und wir haben jetzt auch schon die ersten gemeinsamen Projekte akquirieren können, die auch repräsentativ sind.

ABZ: Können Sie schon über die Projekte sprechen?

Finger: Das repräsentativste Projekt, haben wir gemeinsam mit KBS akquiriert. Es geht dabei um den Bau eines Forschungszentrums für einen namhaften Automobilhersteller. Das Projekt hat KBS über eine Ausschreibung ganz klassisch gewonnen. Wir hatten dort die Möglichkeit, unser Gesamtpaket zu präsentieren und es wurde als sehr gut bewertet. Bei diesem Projekt regeln wir die gesamte Baustellenlogistik, Containerbestellung aber auch die Zugangstechnik. Das heißt, wir sorgen dafür, dass nur die Personen auf die Baustelle kommen, die auch dort sein dürfen. Des Weiteren werden wir dort noch Dienstleistungen wie Abfallmanagement und Shuttle-Service anbieten oder ggf. auch einen Food-Truck aufstellen.

Ein weiteres Projekt betreuen wir in Norddeutschland. In diesem Fall hatte ein Cramo-Mitarbeiter die Baustelle akquiriert. Dort haben wir es so gemacht, dass wir gemeinsam mit KBS eine Niederlassung bezogen haben. Bei dem Projekt waren wir zu Beginn der Baustellen-Phase dabei, um die Container für das Baustellenbüro der Gewerke zu planen und zu stellen, wurden dann aber auch Partner der Wahl für das gesamte Baustellen-Equipment.

Aus diesen Projekten lernen wir gerade, haben aber natürlich den heroischen Ansatz, dass dann auch zu multiplizieren. Aber ich muss sagen, da wir heute – beim Marken-Relaunch auf der bauma – bereits die ersten validen Referenzprojekte vorzeigen können, bin ich sehr optimistisch.

ABZ: Wie beurteilen Sie vor diesem Hintergrund die Geschäftsentwicklung für das gesamte Unternehmen, auch in Bezug auf diese leichte Neuausrichtung und Ihre Ziele?

Finger: Wir haben das ganz klare Ziel: Wir wollen wachsen. Wir wollen uns entwickeln. Wir haben das noch nicht in konkreten Zahlen, Daten und Fakten festgehalten. Das würde ich auch nicht tun wollen. Aber natürlich ist das Ziel, sich unternehmerisch auch daran messen zu lassen. Das Konzept, ganzheitlich aufzutreten, verfolgt natürlich auch das Ziel, Einzelkomponenten nicht mehr in den Vordergrund zu rücken. Wenn für den Kunden das Gesamtkonzept passt, dann sind die Einzelpreise eigentlich unerheblich.

ABZ: Ein großes Thema in der Baubranche ist aktuell die Digitalisierung. Welche Rolle spielt sie für Cramo – vielleicht auch gerade in Bezug auf die Neuausrichtung?

Finger: Digitalisierung ist für uns als Gesamtgruppe ein sehr umfassendes und ganzheitliches Thema. Sie ist für uns als Konzern der Schlüssel für den Erfolg der Zukunft. Dementsprechend werden wir auch gruppenweit sehr viele Ressourcen investieren, um uns dort weiter zu entwickeln. Es gibt viele Projekte, die bereits gestartet sind. Wir haben z. B. eine E-Commerce-Plattform sowie eine digitale Möglichkeit, beim Scannen des Barcodes einer Maschine abzurufen, was alles in ihr verbaut ist und welche Zertifikate vorliegen. Sprich: Es ist möglich, sehr schnell eine digitale Akte über die individuelle Maschine zu bekommen. Außerdem bieten wir eine Maschinenverwaltung an, damit größere Kunden wissen, welche Maschinen von Cramo auf welcher Baustelle eingesetzt werden. All diese Tools kommen jetzt nach und nach in den Roll-out. In der Zukunft soll es aber auch um digitale Technik, die Intelligenz der Maschinen gehen und bspw. auch darum, die Auslese der ganzen Datenanalyse für uns nutzbar zu machen – da wird noch Einiges kommen.

ABZ: Wird es dann in Bezug auf die Neuausrichtung auch noch einmal eine spezielle App geben?

Finger: Das ist erst einmal nicht angedacht, weil wir mit den drei Apps, die wir bereits haben und dem E-Tool, welches wir launchen werden, recht gut abgedeckt sind. Wir müssen auch nicht alles digitalisieren. Am Ende des Tages sind digitale Themen wichtig und wir müssen auch an allen wichtigen Themen mitarbeiten, aber letztendlich wird der Service durch Menschen geliefert. Von daher ist es mir im ersten Schritt wichtiger, die richtigen Menschen zu finden, die es auch liefern können. Mir ist eigentlich wichtiger, dass wir uns an unseren Kunden als Treiber unserer Digitalisierung orientieren. Denn wenn es dem Kunden nicht hilft, warum soll ich es dann digitalisieren?

ABZ: Neben der Digitalisierung treibt die Bau-Branche außerdem das Thema Fachkräftemangel um. Sie haben die Cramo School. Wie sind da die Erfahrungen? Ist die Nachfrage gestiegen? Gibt es neue Ansätze?

Finger: Bei der Cramo School muss man vorab differenzieren. Wir haben die Cramo School extern für Kunden, bei der wir Sicherheitstrainings und Bedienerscheine anbieten, aber natürlich gibt es auch die Cramo School intern. Am stärksten ist der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter bei den Technikern. Deshalb haben wir zum einen unsere Recruiting-Modelle, zum anderen aber auch unsere Einarbeitungs- und Ausbildungsmodelle angepasst. Denn wir wollen und können auch mit Quereinsteigern sprechen. Wenn der Mensch zu uns passt, dann können wir alles andere schulen und beibringen. Deshalb glaube ich, dass wir recht gut aufgestellt sind, was das Thema Fachkräftemangel betrifft und können uns als attraktiver Arbeitgeber präsentieren.

Und in den Bereichen, wo es uns besonders betrifft, versuchen wir das Arbeiten attraktiver zu gestalten. Es geht nicht immer nur ums Geld, sondern auch das Drumherum. Deshalb haben wir für Service-Monteure bspw. ein individuelles Arbeitszeitmodell eingeführt. Außerdem haben wir Vertrauensarbeitszeit, weil wir sagen, ein Arbeitsverhältnis ist ein Vertrauensverhältnis und dieses bildet die absolute Voraussetzung für alles weitere. Beim Thema Recruiting ist das wirklich wie eine Blackbox, wo wir alles probieren, wo wir alle Wege gehen, wo wir uns auch ständig in Frage stellen und immer wieder Erfolge feiern und dann im gleichen Atemzug auch Verluste einstecken müssen. Das Schlimmste für mich ist immer, wenn wir einen Mitarbeiter verlieren, weil er woanders 100 Euro mehr verdient. Da geht es mir gar nicht ums Geld, da geht es mir einfach darum, dass er uns verlässt, weil er uns an der Stelle auf das Geld reduziert hat und das der Wert, den wir gemeinsam gestalten wollten, nicht gegeben ist.

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