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Dachdeckerhandwerk

Steuerbonus sorgt für gute Stimmung

Von Ulrich Marx

Ulrich Marx, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks.

Köln. – Die Lage "ganz oben" ist momentan sehr gut. Nicht nur, weil man von hoch oben auf den Dächern einen guten Überblick hat – was manches Mal den Blick für das Wesentliche schärft. Nein, auch weil die Dachdecker ein sehr erfolgreiches Jahr hinter sich gebracht haben und zudem einem durchaus positiven Jahr entgegensehen. Nun ist es kein Geheimnis, dass das Baugewerbe insgesamt brummt. Das war nicht nur an dieser Stelle, sondern eigentlich in allen Zeitungen querbeet zu lesen. Doch hat das Dachdeckerhandwerk lange Zeit nicht in dem Maße davon profitiert wie andere Gewerke. Ein Grund war, dass Sanierungsmaßnahmen eine Zeitlang an Bedeutung verloren hatten, aber auch die Fokussierung auf Geschosswohnungsbau – und damit weniger Dachfläche pro Wohneinheit – sorgte für geringere Umsätze. Im Dachdeckerhandwerk stagnierten diese sechs Jahre lang in Folge; erst 2017 hat sich das Blatt gewendet. Nach einem außergewöhnlichen Jahr 2018 mit einem Umsatzplus von 8,2 Prozent ist die wirtschaftliche Entwicklung 2019 weiterhin positiv, wenngleich die Zuwachsraten erwartungsgemäß abnehmen. Laut amtlicher Handwerksberichterstattung haben die Dachdeckerbetriebe in Deutschland das dritte Quartal 2019 mit einem Umsatzwachstum von 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr abgeschlossen, nach einem Plus von 5,6 Prozent im ersten Quartal 2019. Insgesamt rechnet der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) 2019 mit einem Umsatzplus von 4 Prozent.

Trotzdem verzeichneten Dachdeckerarbeiten in diesen guten Zeiten laut Statistischem Bundesamt im zentralen Geschäftsfeld Instandhaltung und Sanierung von Wohngebäuden von allen baunahen Handwerksleistungen die geringsten Preissteigerungen. Und das, obwohl Dachdeckerleistungen nach wie vor in hohem Maß nachgefragt werden. Aber auch hier zeigt sich mittlerweile eine Veränderung: Im Durchschnitt konnte über die Hälfte der Betriebe ihre Preise im letzten Jahr anheben. Die gemittelten Stundenverrechnungssätze legten in diesem Zeitraum um 2,2 Prozent zu. Der deutliche Anstieg der Material-, aber auch der Arbeitskosten konnte in der Vergangenheit größtenteils an die Bauherren weitergegeben werden. Die Preise bei Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten steigen zwar weiter an, jedoch im Gegensatz zu 2017 und 2018 bei weitem nicht so stark wie die Leistungen anderer Baugewerke.

Im Bereich Sanierungen liegt der gegenwärtige Auftragsbestand für zwei Drittel der Dachdeckerbetriebe bei bis zu drei Monaten, 17 Prozent vermelden sogar einen Vorlauf von bis zu sechs Monaten. Im November 2019 lag der durchschnittliche Auftragsbestand im Dachdeckerhandwerk bei 4,9 Monaten, das ist der höchste gemessene Wert zu einem vergleichbaren Zeitpunkt seitdem der ZVDH verbandsintern Umfragen bei seinen rund 7000 Mitgliedsbetrieben durchführt (seit Mitte der 90er). Für Rückenwind sorgt auch der momentan vergleichsweise hohe Investitionsbedarf im Bereich Mehrfamilienhaus-Bau sowie bei der Gebäudesanierung. Um aber diese Situation zur vollen Blüte treiben zu können, müsste der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel behoben werden. Und der ist ja nicht nur für die Betriebe, sondern auch für die gesamte Dachbau-Branche ein begrenzender Faktor. Dazu kommt fehlendes qualifiziertes Personal zur Bearbeitung der Bauaufträge in den Verwaltungen.

Dachdeckerbetriebe benötigen dringend Personal, um all die Aufträge abzuarbeiten. Umfragen bestätigen eine Personalauslastung, die Ende letzten Jahres so hoch war wie nie zuvor: Sie lag bei kaum mehr zu steigernden 96 Prozent. Erfreulicherweise gibt es bei den gewerblich Beschäftigten positive Zahlen. Das Dachdeckerhandwerk steuert – wenn auch nur mit sehr leichten Erhöhungsschritten aufgrund der leer gefegten Fachkräftemärkte – in diesem Jahr auf den höchsten Stand an Mitarbeitern seit 2001 zu. Auch selbst beim umkämpften Nachwuchs konnte der Trend einer langjährigen Talfahrt gedreht werden. Schon im letzten Jahr stieg die Zahl der Ausbildungswilligen im ersten Lehrjahr um fast 7 Prozent. Und in diesem Jahr haben wir erneut ein deutliches Plus zu vermelden: Über alle drei Lehrjahre hinweg lassen sich derzeit 7228 (Vorjahr 6767) junge Menschen im Dachdeckerhandwerk ausbilden. Auch erfreulich ist der Anstieg bei den weiblichen Auszubildenden: von 116 im letzten Jahr begrüßen wir aktuell 147 junge Frauen im Dachdeckerhandwerk.

Rekordwerte wurden bei der Bewertung der Geschäftslage als auch bei den Geschäftserwartungen erreicht, wobei sich die Beurteilung mit zunehmender Betriebsgröße verbessert. In Schulnoten ausgedrückt bewerteten im November 2019 85 Prozent der Dachdeckerbetriebe ihre aktuelle Geschäftslage mit sehr gut bis gut, und auch beim Blick in die Zukunft halten sich bei rund 80 Prozent die positiven Bewertungen. Auch der am Jahresende 2019 beschlossene Steuerbonus für energetische Sanierungen wird für weiteren Auftrieb im Dachdeckerhandwerk sorgen. Für Hausbesitzer bedeutet das Steuer-Erleichterungen für zahlreiche Sanierungsmaßnahmen und Dachdecker wiederum können sich zum Erfüller des Klimaschutzprogramms machen. Das Dachdeckerhandwerk rechnet dank des Steuerbonus und auch durch die Erhöhung der KfW-Mittel für 2020 erneut mit einem Umsatzplus von 4 Prozent. Die Beschäftigtenzahlen dürften sich aufgrund des Fachkräftemangels nicht nennenswert erhöhen. Die Ertragslage bleibt – angesichts der anhaltend guten Baukonjunktur – auch 2020 zufriedenstellend.

Ganz aktuell zeigt sich die ganze Bandbreite des Dachdeckerhandwerks auf der DACH+HOLZ International. Auf der Messe wird mit mehr als 600 Ausstellern aus 29 Ländern auf 71 000 Quadratmetern so ziemlich alles aufgefahren, was in der Welt der Dachdecker, Zimmerer und Klempner Bedeutung hat. Eine besondere Wertschätzung erfährt die Messe in diesem Jahr durch die Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Baden-Württemberg). Und wir sind stolz darauf, mehr denn je sagen zu können, dass sich die DACH+HOLZ zu einer Weltleitmesse etabliert hat, die international eine enorme Bedeutung hat. Das zeigen auch eindrucksvoll die Besucherzahlen aus China und den USA. In diesem Jahr gibt es zudem ein außerordentlich vielfältiges Rahmenprogramm: eine Sonderschau von Start-Up-Unternehmen, eine Sonderfläche "Green Mobility – Nutzfahrzeuge der Zukunft", Live-Werkstätten und ein Forum nur für den Nachwuchs. Außerdem können die Besucher digitale Werkzeuge auf der Sonderschau Digitalisierung testen. Fazit: Auf der DACH+HOLZ International findet man alle neuen Trends und Produkte rund um die Gebäudehülle.

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