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Deira Island

Neue Inseln vor der Küste Dubais aufgeschüttet

Von Christian Brensing

Projektentwickler Nakheel schüttet seit 2015 in unmittelbarer Nähe zur Hafeneinfahrt des Creeks vier künstliche Inseln mit einer Fläche von 15,3 km² auf.

Dubai/VAE. – Die Geschichte Dubais nahm am Creek, einem 14 km langen natürlichen Meeresarm, als Hafen von Fischern und Perlentauchern seinen Anfang. Der am Creek gelegene historische Stadtteil Deira mit seinen arabischen Märkten (Souks) geriet hinsichtlich der städtebaulichen Entwicklung allerdings ins Hintertreffen. Die Projektentwicklungen der vergangenen Jahrzehnte orientierten sich immer weiter weg vom Creek an der Küste entlang in Richtung Abu Dhabi. Mit der Schaffung von Deira Island kehrte der staatseigene Projektentwickler Nakheel diesen Trend jetzt um. Nakheel, vor allem bekannt durch die Entwicklung und Realisation der spektakulären Insellandschaft Palm Jumeirah (2001-2008) und der gescheiterten The World (2003-2011) Inselgruppe, schüttet seit 2015 in unmittelbarer Nähe zur Hafeneinfahrt des Creeks, vier künstliche Inseln mit einer Fläche von 15,3 km² auf. Das direkt an der Grenze zum Nachbaremirat Sharjah befindliche Archipel liegt verkehrstechnisch sehr günstig. Es ist nur durch einen Wasserarm vom traditionellen Stadtkern Deiras getrennt und zudem über neugebaute Verkehrswege in weniger als einer 30 Minuten vom Dubai International Airport zu erreichen.

Der märchenhafte Aufstieg der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), seit der Entdeckung und Ausbeutung von großen Erdöl und -gas Feldern nach dem Zweiten Weltkrieg, ist legendär. In kaum einer Weltregion entwickelte sich innerhalb weniger Jahre ein derartiger Reichtum und Wohlstand. Seit die Vorkommen zu Neige gehen, stellt sich der Föderation der sieben Emirate verstärkt die Frage der wirtschaftlichen Zukunft. So baut, insbesondere Dubai, konsequent seine Stellung als internationales Luftverkehrsdrehkreuz und Umschlaghafen sowie im Tourismus und sonstiger Wirtschaftsfelder aus. Symbolträchtig für den Tourismus ist das segelförmige Burj al Arab Hotel, welches als eines der teuersten und luxuriösesten der Welt gilt. Nur für den Massentourismus sind dergleichen 5-Sterne Hotelanlagen nicht brauchbar. Um die Besucherzahlen auf jährlich mehr als 20 Mio. zu steigern, setzt Dubai deswegen seit neustem auf den Sektor Pauschalreisen. Nakheel hat für diesen Wirtschaftszweig das nahezu perfekte Produkt entwickelt: Deira Island.

Der größte Nachtmarkt (Night-Souk) der Welt hat eine Länge von 2 km und liegt mit 5300 Läden und 96 Cafés und Restaurants an einer Hafenpromenade mit Blick auf Deira.

Auf der jährlich im November stattfindenden größten Baumesse des Mittleren Ostens, der BIG 5 Dubai, stellte Nakheel seine Pläne vor und gewährte einer kleinen Schar von Journalisten Einblicke in sein neustes Großprojekt. Deira Island soll ausschließlich dem Budget-Tourismus im 3 bis 4-Sterne Bereich vorbehalten sein. Für dieses Eldorado der sonnen- und sandhungrigen Urlauber musste man, in Ermangelung von weiteren entwicklungsfähigen Stränden kurzum neue schaffen. So hat sich die Küstenlänge von Dubai mit Deira Island um weitere 40 km verlängert, wovon in den nächsten Jahren ca. 20 km zu blütenweißen und mit Palmen gesäumten Sandstränden ausgebaut werden. Auf zwei der vier Inseln sind die Bautätigkeiten im vollen Gang und die ersten Bauten sind fast fertiggestellt oder befinden sich im Rohbau. Der Nakheel CEO Sanjay Manchanda beschreibt sein Vorhaben wie folgt: "Auf Deira Island realisieren wir zzt. zwei Familienhotels der 3-4- Sterne Kategorie mit insgesamt 1400 Zimmern. Der spezielle Höhepunkt wird aber der Night-Souk sein, der Größte seiner Art weltweit. Unser Ziel ist, dass dort eine junge Generation von Gründern aus den Emiraten ihre Geschäfte betreibt. Der Night-Souk wird seine Tore im Lauf von 2019 öffnen."

Es bedurfte fünf Jahre, von September 2003 bis Dezember 2008, für die Aufschüttung der künstlichen Inselwelt. Nakheel hatte aufgrund von Palm Jumeirah und The World bereits einschlägige Erfahrungen hinsichtlich der Konzeption und Gründung gemacht. So erhielten auch dieselben holländischen Unternehmen – Van Oord, ein Spezialist für u. a. Nassbaggerei und Landgewinnung und das Ingenieurbüro Royal HaskoningDHV – den Zuschlag, die schon an den bisherigen Nakheel Inselprojekten beteiligt waren. 400 Mio. m³ Geröll bedurfte es für die Aufschüttung der 15,3 km² großen Inseln, das ist eine Menge vergleichbar mit 164 Großen Pyramiden von Gizeh. Zur Befestigung der Küstenlinie schaffte man 38 Mio. t Gestein aus dem Gebirge der nördlichen Emirate heran. Zudem wurde zeitgleich mit der Aufschüttung die Vibro-Verdichtung des Meerbodens, bzw. -sands, vorgenommen, denn umso tiefer die Gründung, desto umfangreicher die Notwendigkeit der Verdichtung. Mehrere 10 000 Maßnahmen dieser Art bis auf den Meeresgrund waren notwendig, um dem Baugrund seine benötigte Festigkeit zu verleihen. Der Nakheel CEO bezifferte den Umfang wie folgt: "Wir investierten bisher fast 2,45 Mrd. US Dollar in diese Baumaßnahmen einschließlich der Infrastruktur und der ersten Hochbauprojekte. Zzt. arbeiten mehr als 8000 Arbeiter an der Realisation dieser Bauvorhaben, die den Night-Souk, die Einkaufspassage "Deira Mall" und das RIU-Hotel wie auch das Centara-Resort umfassen."

Zzt. arbeiten mehr als 8000 Arbeiter an der Realisation dieser Bauvorhaben, die den Night-Souk, die Einkaufspassage "Deira Mall" und das RIU-Hotel wie auch das Centara-Resort (Abb.) umfassen.

Der größte Nachtmarkt (Night-Souk) der Welt hat eine Länge von 2 km und liegt mit 5300 Läden und 96 Cafés und Restaurants an einer Hafenpromenade mit Blick auf Deira. Die 70 einzelnen Markthallen des Nachtmarkts wurden als einfache "shell & core"-Konstruktion realisiert. Wie Hangars auf einem Flughafen für Sportflugzeuge reihen sich die mit blauen Blechdächern gedeckten Markthallen nahezu baugleich aneinander. Der Innenraum ist von rechteckigen Wabenwänden unterteilt, die Flächen der künftigen Marktstände. Darüber wölbt sich das Blechdach unter dem sichtbar die Haustechnikaggregate hängen. Die 28 zweigeschossigen Café- und Restaurantbauten an der Kai Promenade offenbaren einen dergleichen einfachen und standardisierten Ausbau. Es obliegt den zukünftigen Mietern den Bauten den nötigen Charm sowie die Farbigkeit und Lebendigkeit eines arabischen Markts einzuhauchen.

Auf der Mitte der Insel, inmitten der "mixed-use master community" mit Namen Deira Central, entsteht die fast schon für diese Weltgegend obligatorische Einkaufsmeile. Zzt. werden allerdings noch die Fundamente des 450 000 m² großen Einkaufsparadieses gegossen, welches 2021 eröffnen soll. Nakheel investiert insgesamt 1.66 Mrd. US Dollar in die Errichtung der 450 000 m² großen Shopping Mall mit 1000 Geschäften, Cafés, Restaurants etc., einschließlich eines Parkhauses für 8400 Fahrzeuge. Der Entwurf stammt von den amerikanischen Architekten RSP. Als baulicher Höhepunkt der Deira Mall können die zu öffnenden Überdachungen der Passagen angesehen werden. Die auf dergleichen Skylights spezialisierte kanadische Firma Open Aire entwarf und konstruierte die transluzente Bedachung. Ein jedes der zu öffnenden Dachelemente ist 300 m lang und 54 m breit, die auf diese Weise überdachte Fläche beträgt 16 200 m².

Hinsichtlich der Entwicklung von Hotels und Resorts läuft die Nakheel Strategie auf eine Zusammenarbeit mit internationalen Hotelketten hinaus. In Gänze werden auf Deira Island 18 Hotels und Resorts mit mehr als 6000 Zimmern errichtet, wobei der Standard mit vier Sternen deklariert ist. Die spanische Hotelkette RIU wird mit einer Investition von 182 Mio USD die erste sein, die ein 800 Bettenhaus mit drei Schwimmbecken 2020 eröffnen wird. Vergleichbares plant der thailändische Resort-Betreiber Centara.

Zzt. bedürfen jedoch all diese Intentionen noch einer gehörigen Portion Imagination, um auf den Baustellen und Stränden bis zu den ersten Eröffnungen 2019/20 die neue Zukunft Dubais zu erkennen. Zweifelsfrei ist aber, dass die Vereinigten Arabischen Emirate dringend zusätzlicher und alternativer Einnahmequellen bedürfen, um langfristig ihre Zukunft zu sichern.


Der Autor ist Fachjournalist und Unternehmensberater aus Berlin/London.

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