Der Elefant unter den Lkw

Schmitz Cargobull feiert 125-jähriges Jubiläum

Von Jennifer Schüller

Auf dem Werksgelände hatte Schmitz Cargobull auch eine Vielzahl an Oldtimer-Lkw ausgestellt, die Nostalgie versprühten.

Vom Pferd zum Auto und schließlich zum Lkw – 1892 hat für Schmitz Cargobull alles in einer kleinen Schmiede im Münsterland begonnen, heute ist das damalige kleine Familienunternehmen zu Europas größtem und bekanntesten Nutzfahrzeughersteller herangewachsen. Jetzt wurde der 125. Geburtstag mit Werksführungen und großer Gala mit Artistik- und Musik-Show ausgiebig gefeiert.

Altenberge. – Bei den Feierlichkeiten wandte Schmitz Cargobull den Blick keineswegs nur in die Vergangenheit und besann sich auf seine Wurzeln und Geschichte, sondern entwarf auch ein Bild der Zukunft. Zur Gratulation angereist waren Gäste aus der ganzen Welt: darunter Geschäftspartner, Presse und Politik. In einer aufwendigen Bühnenshow mit Artistik, Musik und Schauspiel feierte sich das nordrhein-westfälische Familienunternehmen nicht nur selbst, sondern zeichnete auch den Werdegang von Schmitz Cargobull nach, bei dem es auch einige Höhen und Tiefen zu bewältigen gab.

Ein Blick zurück: In den Anfangsjahren ist die Schmiede ein Mischbetrieb, die sich mit Hufbeschlag, Reparaturen, aber auch mit dem Handel von landwirtschaftlichen Maschinen und Eisenwaren befasst. Mit der Motorisierung des Güterverkehrs in den 20er-Jahren beginnt die Herstellung von Fahrzeugen. Entsprechend wird 1932 die Firmierung in "Heinrich Schmitz, Maschinen- und Fahrzeugbau" geändert. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigt das Unternehmen bereits rd. 75 Mitarbeiter.

Josef und August Schmitz, die zwei ältesten Söhne des Gründers, führen das Unternehmen ab 1943 weiter, ab 1948 als "Schmitz-Anhänger Fahrzeugbaugesellschaft". Unter dem Motto "Schmitz-Anhänger vollenden jeden Zug" erlangt der Fahrzeugbauer aus dem Münsterland in den 50er- und 60er-Jahren mit seinem vielfältigen Programm und Patenten wie dem "Schmitz-Spuraggregat" deutschlandweite Bekanntschaft.

Auch im Export sind die Anhänger, Sattelanhänger, Kofferaufbauten, Kipper, Tankfahrzeuge und Spuraggregate aus Altenberge erfolgreich. Im Jahr 1961 bauen die rd. 300 Mitarbeiter über 300 Fahrzeuge und erwirtschaften bereits einen Umsatz von mehr als 10 Mio. DM. Bald ist die Fertigungskapazität im Ort Altenberge ausgereizt und weitere Werke in Berlin (1967), und Vreden (1969) kommen hinzu.

Die Herren des Abends: Boris Billich, zuständig für den Vorstandsbereich Vertrieb (v. l. n. r.), Aufsichtsratsmitglied Dirk Hoffmann, Gesellschafter und Deputy General Manager Purchasing Bernhard Schmitz und CEO Andreas Schmitz.

Anfang der 70er-Jahre übernimmt die dritte Generation mit Dr. Heinz Schmitz und Peter Schmitz die Führung, ab 1974 ergänzt Bernd Hoffmann das Team. In dieser Phase wächst das Unternehmen durch Projektgeschäfte mit den Erdölländern von Libyen bis zum Irak in eine neue Größenordnung: 1977 beschäftigt Schmitz-Anhänger erstmals mehr als 500 Mitarbeiter, 1986 mehr als 1000, und bereits 1992 mehr als 2000 Mitarbeiter. Von 1970 bis 1990 verzehnfacht sich der Umsatz auf über 250 Mio. DM – bereits zu diesem Zeitpunkt steigt das Unternehmen zum größten deutschen Anhängerhersteller auf.

Das Auslaufen der Projektgeschäfte mit den Ölländern, die deutsche Wiedervereinigung 1990 und der Start des Europäischen Binnenmarktes 1993 verändern den Markt grundlegend, so dass die Unternehmensleitung einen radikalen Kurswechsel verordnet: "Wachstum durch Verzicht". 1994 wird daher das Projekt "Genesis" umgesetzt, und Schmitz-Anhänger baut künftig nur noch Auflieger mit Pritsche und Plane, Kofferaufbau, Kippmulden oder als Container-Chassis. Durch die prozessgesteuerte, industrielle Produktion sinkt die Lieferzeit pro Fahrzeug von fünf Wochen auf fünf Tage, die Fertigungsstunden werden von 190 auf 35 reduziert. Das Konzept geht auf: Im Geschäftsjahr 1992/93 werden 5100 Fahrzeuge produziert, 1998/99 bereits 17 000, und der Umsatz beläuft sich auf fast 1 Mrd. DM (944,3 Mio. DM). Ende 1998 wird das Unternehmen in die Schmitz Cargobull AG umgewandelt, deren Unternehmensanteile sich zu gleichen Teilen in den Händen der drei Familien Peter Schmitz, Dr. Heinz Schmitz und Bernd Hoffmann befinden.

Nach Peter Schmitz, Vorstandsvorsitzender von 1999 bis 2003, übernimmt Bernd Hoffmann diese Position bis 2008. Anschließend führt der langjährige Manager Ulrich Schümer den Vorstandsvorsitz der Schmitz Cargobull AG, bis 2016 mit Andreas Schmitz wieder ein Mitglied der Inhaberfamilien die Leitung übernimmt. Gemeinsam mit vier weiteren Vorständen, stellt er mit der "Strategie 2025" die Weichen für die weitere Entwicklung des Konzerns im Zeitalter der Digitalisierung und Globalisierung.

125 Jahre nach seiner Gründung verfügt Schmitz Cargobull über sechs Werke in Deutschland sowie je ein Werk in Spanien, Litauen, Russland, China und in der Türkei. Konzernweit stellen die etwa 5700 Mitarbeiter im Geschäftsjahr 2016/17 über 57 000 Fahrzeuge her und erwirtschaften einen Umsatz von über 2 Mrd. Euro.

In verschiedenen Themen-Pavillons hatten die Gäste die Gelegenheit, sich über die Unternehmensgeschichte mit zahlreichen persönlichen Devotionalien zu informieren.

Zweifelsohne, hinter dem Familienbetrieb liegt eine aufregende Geschichte. Eine Geschichte, die zwei Weltkriege überstanden hat. Und dabei galt immer, wie auch Dirk Hoffmann, der im Aufsichtsrat bei Schmitz Cargobull sitzt, in seiner Rede betonte, und mehrfach wiederholte: Egal welches Weltereignis auch versuchte dem Unternehmen den Wind aus den Segeln zu nehmen, "Schmitz Cargobull steht!"

Und das tut das Münsterländer Unternehmen auch heute – fest und sicher, mit Niederlassungen rd. um die ganze Welt und mehr als 5700 Mitarbeitern weltweit. Am Veranstaltungsort und etwa 350 000 m² großen Werk in Altenberge bei Münster etwa, sind rd. 1800 Menschen beschäftigt. Sie arbeiten im Dreischichtbetrieb und fertigen in der Woche um die 770 Lkw-Chassis.

Bereits am Nachmittag vor der großen Geburtstagsgala hatte Schmitz Cargobull Pressevertreter und Partner zu Führungen durch das Werk sowie zu Fachvorträgen zu den unterschiedlichsten Themenbereichen eingeladen. In mehreren Zelten konnten sich die Besucher Interessen spezifisch informieren – vom Kühl-Lkw bis hin zum Sattelkipper mit Thermo-Vollisolierung gab es für das Fachpublikum eine Menge zu entdecken.

Besonders spannend war dabei auch das Zelt gestaltet, in dem die Besucher die Unternehmensgeschichte anhand ausgewählter Ausstellungsobjekte wie z. B. alter Rechnungsbücher, Zeitungsausschnitte oder Fotos nachempfinden konnten. Besonders bei der Betrachtung der Entwicklung von einer kleinen Schmiede hin zum weltweit agierenden Unternehmen wurde deutlich was für eine enorme Wachstums- und Erfolgsgeschichte Schmitz Cargobull in den vergangenen mehr als 100 Jahren geschrieben hat. Doch zu einer Zeitreise durch vergangene Jahrzehnte und ein Jahrhundert lud nicht nur die Ausstellung ein, ebenfalls hatte man eine Vielzahl an Oldtimern aus dem Nutzfahrzeug-Bereich auf dem riesigen Werksgelände aufgefahren.

Für die Zukunft setzt Schmitz Cargobull auf internationale Präsenz, weitere Innovationen in der Fahrzeugentwicklung, nachhaltige Kostenführerschaft, große Flexibilität in der Produktion und Kundennähe. Zum 1. April 2017 hat Schmitz Cargobull ein neues Werk in Adapazari/Türkei in Betrieb genommen und produziert dort Sattelcurtainsider und Sattelkoffer. Die Montage erfolgt in modernen Fertigungsanlagen in der die KIT-Bausätze montiert werden. Eine weitere Montagelinie für Kipperfahrzeuge ist geplant. Auch hier gelten die hohen Qualitätsstandards aus den bewährten Schmitz Cargobull Produktlinien.

Der jüngste Schritt in einen weiteren Markt ist die Beteiligung an dem südafrikanischen Hersteller GRW.

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