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Bauaussichten 2019

Der Maschinen-Bediener wird zum Beobachter

Von Joachim Schmid, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Baumaschinen und Baustoffanlagen, Frankfurt am Main

Die Aussichten für die Baumaschinenbranche sind gut. Der weltweite Markt boomt, vor allem weil die Schwellenländer nach schwierigen Jahren wieder präsent sind. Deutsche Hersteller profitieren am Produktionsstandort Deutschland durch den starken inländischen und europäischen Markt, insgesamt auch durch lokale Produktion vor Ort in den Wachstumsmärkten.

Deutschland befindet sich als Absatzmarkt auf Rekordniveau und wird 2019 einen leichten Rückgang erleben. Ebenso wie der europäische Markt insgesamt, auch wenn Süd- und Mittelosteuropa sich derzeit erholen. 2018 war das umsatzstärkste Jahr weltweit mit Baumaschinen. Für die deutschen Hersteller rechnet der VDMA beim Branchenumsatz mit einem Plus von 8 %. Die USA und Frankreich sind weiterhin die stärksten Exportmärkte für die deutschen Baumaschinenhersteller. Das weltweite Absatzvolumen von Baumaschinen sollte 2019 bei einem Plus von ca. 5 % liegen. Der Geschäftsklimaindex des europäischen Baumaschinenverbandes CECE hält sich mit leichten Schwankungen stabil auf dem seit Jahren höchsten Stand.

Hochbaumaschinen verbuchten 2018 eine leichte Erholung beim Ordereingang wie beim Umsatz. Erd- und Tiefbaumaschinen konnten im Vergleich zu den letzten zehn Jahren Spitzenwerte erreichen. Straßenbaumaschinen erhielten neue Orderimpulse nach dem Sommer, über die Jahre ist ein kontinuierlich leichter Anstieg zu beobachten.

Optimismus ist an dieser Stelle berechtigt, vor allem ist die Situation eine gute Basis, um sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Die zunehmende Digitalisierung ist auch im Bereich Baumaschinen eine Tatsache, einen Weg zurück gibt es nicht. Eine der Herausforderungen liegt in den noch wenig vorhandenen systemübergreifenden Lösungen. Zwar liefern die modernen Baumaschinen bereits eine erhebliche Zahl an unterschiedlichen Maschinendaten, doch diese sind von Hersteller zu Hersteller oft sehr unterschiedlich. Proprietäre Lösungen stellen die Anwender nicht zufrieden. Hier gilt es, entsprechende Vernetzungen durch einheitliche Maschinensprachen zu gewährleisten. Dies ist auch ein Ansatz für neue Geschäftsmodelle. Mit der Bedeutung von Daten nimmt gleichzeitig ihr finanzieller Wert zu. Kunde und Lieferant müssen sich über längere Zeiträume enger miteinander verbinden, Verlässlichkeit und Vertrauen sind einmal mehr die Geschäftsgrundlage.

Maschinenhersteller und Bauunternehmen verständigen sich derzeit im VDMA auf eine gemeinsame Basis, zusammen mit weiteren Akteuren in der Wertschöpfungskette des Bauprozesses, bei der die Daten unabhängig vom Maschinentyp und Hersteller eine vergleichbare Aussagekraft haben.

Auswirkungen hat die Digitalisierung auch auf die zukünftige Arbeitsweise des Menschen und damit auf zukünftige Berufsbilder. Physische Aktionen werden zukünftig nicht mehr benötigt, das Beobachten von Touchscreens und das entsprechende Eingeben von Daten stehen im Vordergrund. Der Bediener wird zum Beobachter, die Qualifikationen und erforderlichen Fähigkeiten von Mitarbeitern werden sich verändern – mit Konsequenzen für die Nachwuchsförderung und -ausbildung. Auch Hochschulen zeigen bereits Ansätze für neue Lösungen bei Maschinen oder Verfahren und werben um Ingenieurnachwuchs.

Natürlich greift auch die bauma 2019 die Digitalisierung mit ihren unterschiedlichen Aspekten als Megatrend-Thema auf. Die Branche blickt jetzt schon nach München, wo die Fachbesucher vom 8.-14. April ein ausgebuchtes Messegelände erwartet. Weitere Kernthemen sind Effizienz und Nachhaltigkeit. Ob vernetzte Baustelle oder smarte Maschinen, die autonom fahren, z. B. ohne Menschen in gefährlichen Bereichen oder bei der sensorgestützten automatisierten Aufbereitung von Baurohstoffen – die bauma ist weltweit Innovationstreiber für alle Aussteller.

An die Jugend richtet sich die "Think Big!" Initiative. Aussteller und VDMA werben gemeinsam für technische Berufe in der Bau- und Bergbaumaschinenbranche. Bereits zum dritten Mal findet die Veranstaltung für Schüler statt.

Besonderes Highlight auf der bauma ist in diesem Jahr das Partnerland Kanada. Das Land ist der siebtgrößte Baumaschinenmarkt der Welt. Die Bauindustrie mit einem Volumen von 153 Mrd. CAD und der Bergbausektor mit 173 Mrd. CAD machen 15 % des Bruttoinlandsprodukts aus. CETA, das von der EU und Kanada kürzlich unterzeichnete Freihandelsabkommen, wird dem bilateralen Handel neuen Schwung verleihen.

Mit dem bauma Innovationspreis 2019 wird in diesem Jahr zum zwölften Mal jeweils ein Sieger in einer der fünf Kategorien Maschine, Komponente/digitale Systeme, Bauwerk/ Bauverfahren/Bauprozesse, Forschung und Design geehrt. Die Preisverleihung findet am 7. April vor der offiziellen Eröffnung der bauma statt.

Auch wegen der anstehenden Europawahlen am 26. Mai ist 2019 für die Baubranche ein besonderes Jahr. Für die deutsche wie für die europäische Baumaschinenindustrie sind Freihandel und uneingeschränkter Zutritt zu internationalen Märkten für einen fairen Wettbewerb und eine wirtschaftlich aussichtsreiche Zukunft von grundlegender Bedeutung. Handelsabkommen werden vorwiegend auf europäischer Ebene geschlossen. Der europäische Branchenverband "Committee for European Construction Equipment" in Brüssel (CECE), wird sich daher im Vorfeld der Wahlen mit einem öffentlichen "Appell" am 7. Februar in Brüssel direkt an das Europäische Parlament wenden, designierte Kandidaten für die Europäische Kommission nur dann zu unterstützen, wenn sie eine entsprechende Industriepolitik vertreten. Der Wähler entscheidet am 26. Mai, welche Parlamentarier über die Auswahl der Kandidaten mitbestimmen.

Alles in allem wird 2019 für die Baumaschinen- und Baustoffanlagenindustrie ein ereignisreiches Jahr mit zahlreichen Herausforderungen werden. Man darf jetzt schon gespannt sein auf den kommenden Jahresrückblick.

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