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Deutsche Bauindustrie auf der bautec

"Wohnbaupolitik neu ausrichten"

Baubetrieb, bautec Berlin

bautec Pressegespräch 2018 – Baustellenbesichtigung der geplanten Mehrzweckhalle "hub27" auf dem Berliner Messegelände (v. l.): Dr. Heiko Stiepelmann, Pressesprecher und stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie; Andreas Schuh, Obermeister der Innung SHK Berlin; Regula Lüscher, Senatsbaudirektorin und Staatssekretärin in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen; Esther Piehl, Projektleitung bautec, Messe Berlin GmbH und Karel Heijs, Geschäftsbereichsleiter der bautec, Messe Berlin GmbH.

Berlin (rb). – Die Bauindustrie in Deutschland befindet sich ungebrochen im Aufwind. Treiber ist nach wie vor der Wohnungsbau. Um jedoch die enormen Herausforderungen in diesem Bereich nachhaltig zu bewältigen, müssen sich Politik und Industrie neu ausrichten. Das erklärte Dr. Heiko Stiepelmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), zur Auftaktpressekonferenz der Fachmesse bautec in Berlin.

Das konjunkturelle Umfeld könne für eine Baufachmesse wie die bautec kaum besser sein, erklärte Stiepelmann und verwies damit auf das aktuelle Zahlenbild des Verbandes: Nach einem starken Jahr 2017 mit einem Umsatzplus von 6 % rechnet der HDB für 2018 mit einer nochmaligen Steigerung von 4 %. Gleichwohl würden alle Indikatoren derzeit darauf hinweisen, "dass das Umsatzplus in 2018 noch deutlich höher ausfallen kann". Treiber des Bauaufschwungs sei nach wie vor der Wohnungsbau. Der nach aktuellen Studien extrem hohe Bedarf von jährlich 350 000 bis 400 000 Wohnungen bis zum Jahr 2020 sei zum einen maßgeblich für die ausgesprochen positive Konjunkturentwicklung, bringe bekanntlich aber auch schwierige Herausforderungen mit sich. Nach wie vor gelte es, Produktivitätshemmnisse wie den Fachkräftemangel, fehlendes Bauland oder noch nicht ausgeschöpfte Effizienzpotenziale in der Industrie zu beseitigen. Zwar rechne man damit, die Fertigungszahlen im laufenden Jahr steigern zu können, die Bedarfsuntergrenze von 350 000 Wohneinheiten werde wohl jedoch auch in diesem Jahr verfehlt.

Bund, Länder und Gemeinden stünden jetzt in der Pflicht, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass der überwiegende Bedarf im Bereich des sozialen Wohnungsbaus bestehe. Einfach nur bauen reiche nicht aus, es müssen "die richtigen Wohnungen am richtigen Standort zu angemessenen Mieten errichtet werden", erklärte Stiepelmann. Der HDB sieht daher die Notwendigkeit eines Strukturwandels im Wohnungsneubau: U. a. gelte es, den Geschosswohnungsbau zu forcieren sowie sich stärker auf die prosperierenden Ballungszentren und attraktive Schwarmstädte zu konzentrieren. Zudem sei es notwendig, sich vom alleinigen Leitbild der Einzelfertigung zu verabschieden und sich für eine Industrialisierung des Wohnungsbaus zu öffnen.

Eine wichtige Voraussetzung dafür sei, "die traditionelle Trennung von Planen und Bauen zu überwinden", so Stiepelmann. Die erforderlichen Kosteneffekte ließen sich nur erzielen, wenn Planungs- und Bauleistung gemeinsam ausgeschrieben würden. "Hilfreich wäre darüber hinaus sicher auch, wenn sich Bund und Länder auf die Harmonisierung der Landesbauordnung und Förderbedingungen für den seriellen Wohnungsbau verständigen würden."

"Wer mehr bauen will, braucht aber auch mehr Arbeitskräfte", betonte Stiepelmann das zweite, aktuell dringliche Handlungsfeld der Branche. Die ungünstige Altersstruktur der Belegschaften auf der einen Seite und das schwindende Angebot an Fach- und Nachwuchskräften auf der anderen Seite machen der Industrie zunehmend zu schaffen. Zwar sei es der Branche bislang gut gelungen, die bestehenden Engpässe bspw. durch eine Intensivierung der Nachwuchswerbung, die Integration fremdländischer Fachkräfte sowie durch Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung zu kompensieren, dennoch gestalte sich der Arbeitsmarkt zunehmend schwieriger für die Unternehmen der Branche. Zwar seien die Ausbauziele im Infrastruktur- und Wohnungsbau – anders als in einer aktuellen McKinsey-Untersuchung behauptet – nicht in Gefahr, so Stiepelmann, dennoch müsse sich die Branche für die künftigen Herausforderungen wappnen. Dazu gehöre insbesondere die weitere Intensivierung der Nachwuchswerbung.

Entsprechend froh zeigte sich der HDB über das breite Angebot der bautec, die sich u. a. mit der Nachwuchs- und Fachkräfteplattform "Karriecenter Bau" sowie der "Sonderschau Wohnungsbau" den aktuellen Brennpunktthemen der Branche angenommen hat.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 09/2018.

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