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Deutsche Ziegelindustrie

Weg zur Klimaneutralität vorgestellt

"Der gewaltige Transformationsprozess bedarf geeigneter Rahmenbedingungen, die jetzt auf den Weg gebracht werden müssen. Die notwendigen und immens hohen Investitionen für eine treibhausgasneutrale Ziegelproduktion benötigen zwingend eine Förderkulisse mit wirksamen Anreizen", fasst Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Ziegelindustrie, zusammen.

Berlin (ABZ). – Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß in Europa um 55 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden. 2050 werden Europa und damit auch Deutschland klimaneutral sein. Der Weg dorthin gleicht einem Marathon, der dafür notwendige Transformationsprozess ist gewaltig und komplex. Die deutsche Ziegelindustrie bekennt sich zu ihrer Verantwortung. In der kürzlich veröffentlichten Roadmap für eine treibhausgasneutrale Ziegelindustrie in Deutschland beschreibt die Branche ihren Weg zur Klimaneutralität bis 2050 sowie die damit verbundenen Herausforderungen.

"Die deutschen Mauer- und Dachziegelhersteller sind bereit, ihren Beitrag zu leisten", unterstreicht Johannes Edmüller, Mitglied des Präsidiums des Bundesverbandes der Deutschen Ziegelindustrie. "Schon jetzt hat unsere Branche den Energieverbrauch von 10 Terawattstunden im Jahr 1990 auf aktuell 5,4 Terawattstunden nahezu halbiert. Im gleichen Zeitraum wurden zudem die Emissionen um etwa 40 Prozent auf 1,74 Millionen Tonnen CO2 /a erheblich reduziert." Zurückzuführen sei dies auf erhebliche Effizienzsteigerungen im Produktionsprozess, den gewachsenen Anteil an erneuerbaren Energien und die Einführung verbesserter Technologien. Wie die Dekarbonisierung der Ziegelherstellung bis 2050 gelingen kann und welche Rahmenbedingungen die vorwiegend mittelständisch geprägte Branche benötigt, veranschaulicht die Roadmap, die in Zusammenarbeit mit der FutureCamp Climate GmbH erarbeitet wurde, auf Basis aktueller Zahlen und Daten.

Dargestellt werden drei unterschiedliche Pfade zur Minderung der Treibhausgasemissionen. Auf dem sogenannten Referenzpfad ("business as usual") sind durch konventionelle Maßnahmen unter aktuellen Rahmenbedingungen bereits spürbare Emissionsrückgänge auf 1,3 Millionen Tonnen CO2 /a bis 2050 zu verzeichnen.

Im ambitionierten Technologiepfad lassen sich die Emissionen – durch Verdoppelung der jährlichen Klimaschutzinvestitionen – sogar auf 0,5 Millionen Tonnen CO2 reduzieren. Das Ziel der Treibhausgasneutralität wird schließlich mit dem sogenannten Klimaneutralitätspfad erreicht. Hier wird die Minderung der Emissionen auf Null erzwungen und bestimmt, welches jährliche Investitionsbudget dafür notwendig wäre.

Johannes Edmüller, Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Ziegelindustrie e. V. (BVZi), zeigt sich zuversichtlich: "Wir Ziegler sind bereit, unseren Beitrag zu leisten."

Für den ehrgeizigen Minderungskurs geht die Branche von erforderlichen Gesamtinvestitionen in den Klimaschutz in Höhe von rund 2,3 Milliarden Euro bis 2050 aus. Maßgeblich für das Gelingen der Transformation ist der Wechsel zu emissionsfreien Energieträgern und energetischen Optimierungen des Produktionsprozesses. Die Entkopplung des Ofen-Trockner-Verbundes und der Einsatz von Hochtemperaturwärmepumpen an den Trocknern reduzieren den Energieeinsatz erheblich. Mit Wasserstoff oder Grünstrom betriebene Tunnelöfen sowie die komplette Elektrifizierung des weiteren Herstellungsprozesses beim Einsatz von Strom aus regenerativen Quellen senken die Emissionen deutlich. Eine weitere CO2-Minderung wird durch den Wechsel auf Zuschlagstoffe ohne fossilen Kohlenstoffgehalt erreicht. Darüber hinaus führen etwa die Verringerung des Materialbedarfs sowie eine sukzessive Erhöhung des Einsatzes von Recyclingmaterial zu relevanten Einsparungen. Der Einsatz von alternativen Tonen ohne fossilen Kohlenstoff würde letztlich die vollständige Reduktion der restlichen Prozessemissionen ermöglichen.

Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Ziegelindustrie, fasst zusammen: "Mit der Roadmap 2050 legen wir ein transparentes, mit konkreten Maßnahmen und Kosten adressiertes Programm vor. Die notwendigen Investitionen sind beziffert. Damit spielen wir Ziegler den Ball zurück an die Politik. Wir brauchen jetzt wirksame Förderinstrumente, um die Transformation unserer Branche voranzutreiben und deren Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland langfristig zu sichern." Entscheidend dafür sei die Verfügbarkeit von grüner Energie, eine Infrastruktur für deren ausreichende Bereitstellung etwa von grünem Wasserstoff zu Kosten, die wirtschaftlich darstellbar sind.

Benötigt würden zudem ein wirksamer Carbon-Leakage-Schutz sowie beschleunigte Genehmigungsverfahren. Nur so könne eine verlässliche Planbarkeit für die Einführung neuer Technologien garantiert werden.

Mit den beschriebenen Maßnahmen lässt sich der Energiebedarf der deutschen Ziegelindustrie bis 2050 auf2,6 Terawattstunden nahezu halbieren, davon 1 Terawattstunde aus grünem Wasserstoff, 1,4 Terawattstunden aus grünem Strom sowie 0,2 Terawattstunden aus biogenen Festbrennstoffen.

Johannes Edmüller zeigt sich optimistisch: "Wir Ziegler machen uns mit Zuversicht auf den Weg. Die Emissionen für Brennen, Trocknen und Porosierung auf Null zu bringen ist möglich – sofern die Rahmenbedingungen stimmen."

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 13/2021.

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