Deutscher Abbruchverband

Ein Büro in Berlin und weitere Vorhaben im Visier

Von Martina Monsees

Die Vorstandsmitglieder des Deutschen Abbruchverbandes sehen sich für die Zukunft gut gerüstet (v. l. n. r.): Kai Wist, Johann Ettengruber (Vorstandsvorsitzender), Andreas Pocha (Geschäftsführer), Martin Hopfe, Michael Pfeiffer und Thomas Lück.

Der Einladung zum Jahreskongress 2017 des Deutschen Abbruchverbandes e. V. (DA) folgten kürzlich 248 Mitglieder nach Erfurt. Zu den dort vermeldeten Neuerungen gehörte, dass es künftig auch ein Büro in Berlin geben soll. Durch die Nähe zur Politik und zu anderen Verbänden erhofft sich der DA, politisch festgelegte Verordnungs-Vorgaben zum Wohle seiner Mitglieder auf ein erträgliches Maß reduzieren zu können.

Erfurt. – "Wir sind ein Verband für ordentliche Mitglieder sowie Fördermitglieder und sehen – bei insgesamt rd. 675 Mitgliedern derzeit – weiterhin einer positiven Entwicklung entgegen" – mit diesen Worten hießen Johann Ettengruber, Vorstandsvorsitzender des DA, und Andreas Pocha, Geschäftsführer des DA, die Teilnehmer der ordentlichen Mitgliederversammlung in der thüringischen Landeshauptstadt willkommen. Allein zwischen Januar und Ende August 2017 wurden 47 neue Mitglieder gewonnen. Zu erwarten steht nach Angaben von Ettengruber jedoch, dass die zu leistende politische Arbeit künftig nicht weniger wird. Daher gehört es zu den Zielen des DA für die kommenden Jahre, neben der bestehen bleibenden Geschäftsstelle in Köln zusätzlich ein Büro in Berlin zu eröffnen. "Von dort aus kann sich der DA noch stärker mit anderen Branchenverbänden vernetzen und hinsichtlich Themen wie z. B. Mantelverordnung verstärkt eine Stimme erheben", sagte Pocha. Noch mehr Gewicht würde Fingerzeigen gegenüber Politikern wohl beigemessen, wenn die Verbände unter dem Bürogemeinschaftsnamen "Fachunion Abbruch und Recycling" auftreten – wobei der Name noch zur Abstimmung auf dem Tisch liegt.

Z. B. konnte die übereilte Verabschiedung der Mantelverordnung für den Umgang mit mineralischen Bau- und Abbruchabfällen in Zusammenarbeit mit dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und der Bundesgütegemeinschaft Recycling-Baustoffe (BGRB) erfolgreich verhindert werden. Gemeinsam hatten die Partner vor einer Verabschiedung der Verordnung in der Kabinettsfassung durch den Bundesrat ohne Berücksichtigung notwendiger Änderungen gewarnt. Bislang werden von den ca. 200 Mio. t jährlich anfallenden mineralischen Bau- und Abbruchabfällen noch 90 % durch Recycling und Verwertung im Kreislauf gehalten. Es braucht eine bundeseinheitliche Regelung für den Umgang mit mineralischen Bau- und Abbruchabfällen, doch das Regelwerk ist aus Sicht von Ettengruber noch zu unausgewogen und würde zu einer Zunahme von mineralischen Bau- und Abbruchabfällen führen: "Wir schätzen die Menge zusätzlich zu deponierender Abfälle auf etwa 50 Mio. t jährlich ein." Verknappt sich der Deponieraum weiter und führt zu größeren Transportentfernungen, passt das nicht dazu, Umweltbilanzen optimieren zu wollen. Es wird daher die Entscheidung des Bundesrates begrüßt, sich mit der Verordnung in der neuen Legislaturperiode auseinandersetzen zu wollen.

In der Mitgliederversammlung informierte der Vorstand zudem über Aktivitäten der einzelnen Gremien, Landesverbände und Fachausschüsse seit Oktober 2016: Vorstandsmitglied Kai Wist erläuterte, dass es dem Fachausschuss Abbruchtechnik gelungen ist, mit der BG Bau die im Juli 2017 veröffentlichte Handlungsanleitung "Staub bei Abbruch- und Rückbauarbeiten" zu erarbeiten.

Nicht nur fachlich, sondern einmal mehr auch festlich ging es beim Jahreskongress des Abbruchverbandes am Abend im Kaisersaal Erfurt zu.

Rechtliche Regelungen beschäftigten auch Michael Pfeiffer, im Vorstand für den Fachausschuss Recycling und Entsorgung zuständig, und Umweltreferentin Walburga Sodermanns-Peschel: Beide schilderten, dass die im Juni in Kraft getretene Entsorgungsfachbetriebeverordnung (EfbV), mit der die Überwachung und Zertifizierung von Entsorgungsfachbetrieben neu geregelt wird, viele Betriebe im DA überrollt hat. U. a. muss danach nun alle drei Jahre bei einem Vor-Ort-Termin ein weiterer Sachverständiger bzw. ein geeigneter Mitarbeiter der technischen Überwachungsorganisation oder der Entsorgergemeinschaft hinzugezogen werden. Als nennenswert ist auch die "Handlungshilfe zur Umsetzung der Gewerbeabfallverordnung bei Bau- und Abbruchmaßnahmen" einzustufen. Die sog. GewAbfV ist im August 2017 in Kraft getreten. Daraufhin hat der DA die Handlungshilfe entwickelt, in der auch ein Leitfaden für die Dokumentationspflicht von Unternehmen enthalten ist.

Martin Hopfe, verantwortlich für den Fachausschuss Sprengtechnik, wies auf Workshops unter dem Titel "Brückenabbruch durch Sprengen" als geeignetes Mittel der Wahl hin, um das Verfahren auch in Zukunft gerade bei den Entscheidungsträgern in Behörden bekannt zu machen. In Anbetracht der Tatsache, dass eine Reihe von Brückenabbrüchen ansteht, ist darüber hinaus geplant, eine Handlungshilfe für alle Beteiligten zum Thema "Erschütterungen bei Abbrucharbeiten" zu entwickeln.

Arbeitsschwerpunkte des Fachausschusses Schadstoffe bestanden nach Angaben von Umweltreferentin Sodermanns-Peschel vor allem darin, Anregungen zum Maßnahmenpaket "Nationaler Asbestdialog" zu liefern und das Asbest-Sondierungstreffen am 23. Oktober 2017 vorzubereiten. Des Weiteren wird an der Erarbeitung DIN 18448 Schadstoffsanierungsarbeiten mitgewirkt. Vorstandsmitglied Thomas Lück, der sich für den Arbeitskreis Aus- und Weiterbildung engagiert, ließ Kooperationen mit dem Ausbildungszentrum Hamm – etwa bei der Ausbildung zum Bauwerksmechaniker – und Kooperationen mit Fördermitgliedern nicht unerwähnt: Mit Kleemann wurde z. B. die Schulung "Geprüfter Bediener von Brechanlagen" durchgeführt, wozu noch ein Fortgeschrittenenlehrgang ausgearbeitet wird, und Kiesel hat bei Fahrertrainings an Kompaktmaschinen und Raupenbaggern im Abbruch bereits Unterstützung geleistet. Falls sich die Möglichkeit ergibt, ist auch denkbar, eine Verbands-Immobilie zu kaufen, um eigene Schulungen sowie Seminare – über Angebote mit anderen Anbietern hinaus – dort abhalten zu können. 2017 sind nach Informationen von Lück über 400 Teilnehmer z. B. hinsichtlich Aufgaben sowie Pflichten des Bauherrn im Abbruch oder Gefährdungsbeurteilung geschult worden – davon rd. 250 aus der Mitte des DA. Zur Gewinnung von Ingenieur-Nachwuchs organisiert der DA weiterhin Vorlesungen an der FH Aachen. Bis zum 12. Januar 2018 können Studenten sich mit ihrer Arbeit zum Thema Abbruch, Baustoffrecycling und/oder Schadstoffsanierung für den DA-Innovationspreis bewerben. Zudem soll die DA-Webseite zügig weiterentwickelt werden.

Die 23. Fachtagung Abbruch weckte in diesem Jahr das Interesse von mehr als 900 Teilnehmern aus mehr als 15 Ländern sowie 115 Ausstellern. Die 24. Fachtagung Abbruch wird vom 2. bis 3. März 2018 in Berlin und der nächste Jahreskongress soll vom 20. bis 21. September 2018 in Bremen stattfinden.

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