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Bauaussichten 2021

Die Perspektive bleibt insgesamt aufwärts gerichtet

Von Reinhard Quast, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe, Berlin

Das Glas ist halbvoll – und nicht halbleer. Damit könnte man die Situation der deutschen Baubranche in diesem Corona-Winter beschreiben. Denn wir schauen vergleichsweise positiv auf das vor uns liegende Jahr 2021, das hoffentlich als das Jahr in die Geschichte eingehen wird, in dem wir die Corona-Pandemie überwunden haben werden. Die Bauwirtschaft ist aufgrund der hohen Auftragsbestände zu Jahresbeginn glimpflich durch das Jahr 2020 gekommen. Daher erwarten wir noch ein leichtes Umsatzplus im Jahr 2020, allerdings dürfte sich dieses 2021 in ein leichtes Umsatzminus drehen. Der Wohnungsbau wird die Baukonjunktur weiter stabilisieren und gegenüber 2020 weiter im Plus bleiben. Die Perspektive für das Jahr 2021 bleibt insgesamt aufwärts gerichtet. Dafür sprechen die anhaltend hohe Nachfrage sowie ein ohnehin hoher Genehmigungsüberhang. Auch 2021 werden wir wieder rund 300 000 Wohnungen neu errichten.

Die auf dem Wohnungsgipfel umgesetzten Maßnahmen zu Sonderabschreibungen im Mietwohnungsbau sowie zum Baukindergeld haben sich positiv auf die Nachfrage ausgewirkt. Wir plädieren hier für eine Fortführung beider Maßnahmen. Im Wirtschaftsbau sehen wir im Gegensatz zum Wohnungsbau, wie deutlich sich die Corona-Auswirkungen niedergeschlagen haben. Seit März liegt die Nachfrage in jedem Monat unterhalb des Vorjahresniveaus. Insbesondere der Wirtschaftshochbau hat im Jahresverlauf deutlich nachgelassen. Die Umsatzeinbrüche bei Industrie und Dienstleistung schlagen sich fast schon erwartungsgemäß in der zurückhaltenden Investitionsbereitschaft nieder.

Vor diesem Hintergrund ist die öffentliche Hand jetzt besonders gefordert, ihre Bauherrenfunktion aktiv wahrzunehmen. Von hier muss ein teilweiser Ausgleich der Einbußen im Wirtschaftsbau erfolgen. Der kommunale Investitionsstau in Schulen, Kitas und kommunale Straßen steht seit Jahren bei fast 100 Milliarden Euro fest. Wir begrüßen es daher, dass der Bund gemeinsam mit den Ländern die Corona-bedingten Einnahmeausfälle der Kommunen des Jahres 2020 in Höhe von in etwa 12 Milliarden Euro ausgleicht. Das sollte den Kommunen helfen, ihre Investitionen wie geplant umzusetzen. Wichtig ist nun, dass die Mittel zügig die Kommunen erreichen und diese Aufträge dann auch auf dem Markt ankommen.

Die Infrastruktur des Bundes in Straße, Schiene und Wasserstraße braucht dringend den eingeleiteten Investitionshochlauf. Das Festhalten daran in der laufenden Haushaltsplanung ist gut und richtig. Gerade vor dem Hintergrund der Pandemie ist dieses ein wichtiges und gutes Signal. Allerdings kommen derzeit zu wenige Aufträge im Straßenbau auf den Markt. Der Transformationsprozess der Auftragsverwaltung bei den Autobahnen von den Ländern zum Bund, der in diesem Jahr abgeschlossen werden soll, läuft nicht problemlos. Bund und Länder sind hier gemeinsam in der Verantwortung, die vorgesehenen Investitionsmittel auch auf die Straße zu bringen. Die Bauunternehmen haben im Vertrauen auf die planmäßige Umsetzung des Investitionshochlaufes ihre Kapazitäten ausgebaut. Investitionshochlauf auf der einen Seite und weniger Aufträge auf der anderen Seite – das passt nicht zusammen!

Vor zehn Jahren hatten wir im Bauhauptgewerbe etwa 716 000 Beschäftigte. Ende des Jahres 2020 werden es 880 000 sein. Das ist ein Zuwachs um mehr als 20 Prozent. Diese Zahlen belegen eindrucksvoll, dass die nachhaltige Baunachfrage den Unternehmen Zuversicht gibt, verstärkt in neue Mitarbeiter zu investieren und diese auch selbst auszubilden. Auch für das laufende Jahr ist mit weiteren Einstellungen zu rechnen. Einer Unternehmensbefragung des Verbandes zufolge planen 20 Prozent der Unternehmen, die Zahl der Beschäftigten zu erhöhen. Die Bauwirtschaft bleibt ein Ausbildungsmotor. Die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge lag im Jahr 2019 wiederum bei mehr als13 000 – Tendenz steigend!

Die Bauwirtschaft ist ein starker Partner für die Umsetzung der Klimawende. Dabei müssen nachhaltiges, wertbeständiges und sozialverträgliches Bauen zusammengebracht werden. Auf der einen Seite sollen wir kostengünstig bauen, auf der anderen Seite wird die ökologische Messlatte so hoch gehängt, dass sich das Bauen zwangsläufig verteuert. Das betrifft auch das Thema der energetischen Gebäudesanierung. Hier haben wir eine Sanierungsquote von einem knappen Prozent. Um die ambitionierten Klimaschutzziele zu erreichen, müsste diese aber mindestens verdoppelt werden. Dafür braucht es starke Anreize.

Wir können und wollen gerne alles bauen, was die Kunden wünschen, egal ob sie aus dem Bereich der öffentlichen Hand, der privaten Häuslebauer oder der Wirtschaft kommen. Aber wir brauchen dafür die Aufträge. Aufträge, Wohnungen, Schulen, Kindergärten, Straßen, Kanäle und Häuser zu sanieren und zu bauen. Wenn nicht nur die öffentliche Hand ihre notwendigen Investitionen in die Tat umsetzt, sondern auch private Investoren wird die Bauwirtschaft auch 2021 die Konjunkturlokomotive der deutschen Wirtschaft bleiben.

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