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Die technische Zukunft des Gerüstbaus

"Wir setzen auf simple Effizienz"

Jochen Gebauer, Technischer Leiter bei Scafom-rux Deutschland, ist der Meinung, dass auch in Zukunft die Entwicklung der Gerüstbautechnik Kompromisse erfordern wird.

ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga sprach kürzlich mit Jochen Gebauer, Leiter der Technischen Abteilung bei Scafom-rux Deutschland, über die Rolle modularer Fassaden-gerüste in Bezug auf die TRBS-2121.

ABZ: Seit einigen Jahren präsentieren Gerüsthersteller verschiedene Ansätze zu TRBS-konformen Produkten. Man gewinnt schnell den Eindruck, dass die optimale Lösung noch nicht gefunden wurde. Herr Gebauer, was ist Ihre Einschätzung dazu?

Gebauer: Es gibt ein breites Spektrum an Produkten zur TRBS 2121, die ja die Arbeitssicherheit im Blick hat. Es gibt minimalistische Lösungen, wie zum Beispiel Konsole und Pfosten, aber auch Komplettlösungen wie sie in Frankreich schon seit Jahrzehnten verkauft werden. Also komplette, starre Sicherheitsgeländersysteme, die nicht mehr ausgebaut werden können. Und dann je nach Hersteller große Rahmenkonstruktionen oder einteilige Pfosten, die man ans Gerüst setzen und von Lage zu Lage mit hochnehmen kann, oder alternativ permanent am Gerüst verbleibende Pfosten. Die Produktvielfalt ist sicherlich gegeben, weil jeder Hersteller eine andere Vorstellung und unterschiedliche Ansätze hat.

ABZ: Und die Vielfalt wird nun noch ergänzt durch die relativ jungen "Modularen Fassadengerüste" am Markt.

Gebauer: Die grundsätzliche Entscheidung für den Anwender ist, möchte er sein bewährtes System mit Zusatzlösungen vital halten, oder bevorzugt er ein System mit integrierter vorlaufender Sicherheit? Wir bieten mit unseren Produkten für beide Varianten die optimalen Lösungen.

ABZ: Wie ordnen Sie die "Modularen Fassadengerüste" ein?

Gebauer: Das Modulare Fassadengerüst ist ein logische, konsequente Weiterentwicklung des Modulgerüstes. Wenn wir in die Vergangenheit schauen, haben wir irgendwann mal mit Holzleitergerüst angefangen, dann kam Rohrkupplung, dann kamen das Rahmengerüst und dann das Modulgerüst. Seit dessen Entwicklung hat sich jahrzehntelang eigentlich wenig verändert – abgesehen von Gewicht und Stabilität. Aber das Grundprinzip ist gleich geblieben. Unverändert ist auch die Tatsache, dass das klassische Modulgerüst zwar unverzichtbar in der Industrie ist, sich aber nur bedingt als Fassadengerüst eignet. Nicht zuletzt, weil es zu schwer ist und für diesen Zweck auch zu teuer. Unsere Aufgabe war nun, das Modulgerüst so weit abzuspecken, dass wir in den Bereich der Fassadengerüste kommen. Ergebnis ist das Super-RS.

ABZ: Gibt Scafom-rux mit diesem System den Gedanken auf, Produkte des Material-Parks des Kunden weiterzuverwenden, beziehungsweise muss sich der Kunde von seinem Bestandsmaterial verabschieden?

Gebauer: Definitiv nein. Scafom-rux geht genau in die andere Richtung. Wir möchten bei unserem Modularen Fassadengerüst Super-RS möglichst viele "alte" Bauteile aus dem Fassadengerüstsystem mit hinüber retten, so dass der Kunde überschaubares Neuinvestitionsvolumen hat und seine Komponenten weiterverwenden kann.

ABZ: Warum entscheidet sich ein Kunde für ein Modulares Fassadengerüst?

Gebauer: Punkt Eins ist natürlich die integrierte Konformität mit der TRBS 2121, was bedeutet, dass automatisch ein vorlaufendes Geländer gebaut wird. Man kann also nicht die oberste Lage ohne Seitenschutz betreten. Punkt Zwei ist die wirtschaftlichere Nutzung der Ladefläche auf dem Lkw, da die Ständer platzgünstiger zu stapeln sind als die starren Rahmen herkömmlicher Fassadengerüstsysteme. Also kleinere Teile. Und drittens ist der Kunde im Bereich von stark zerklüfteten Fassaden deutlich flexibler als mit einem reinen Rahmengerüst, bei dem er eine Rohrkupplung einsetzen müsste. Hier kann man nun viele Fälle mit dem System selbst abdecken, da es über Modulfertigkeiten verfügt. Darüber hinaus kann das Super-RS mit den meisten Modulgerüsten, die es zumindest am deutschen Markt gibt, kombiniert werden – nicht zuletzt durch den Standard-Gerüstrohrdurchmesser 48,3 mm. Außerdem bringt das System durch die Wahl der Diagonalen eine extrem hohe Steifigkeit mit.

ABZ: Was ist das Besondere an den Diagonalen?

Gebauer: Wir haben uns für die Nutzung der bewährten Ringscaff-Diagonalen entschieden, das heißt einen Keilkopf statt der bei anderen Systemen verwendeten Kupplung. Und damit verbunden die automatische rechtwinklige Ausrichtung, ohne ständig nachnivellieren zu müssen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die dünnwandigeren Rohre des Systems zum verringerten Gewicht beitragen, was aber durch die höheren Streckgrenzen des Stahls ausgeglichen wird. Somit bleibt die Stabilität gleich oder erhöht sich stellenweise sogar. Ansonsten ist uns der Fokus auf den Punkt Wirtschaftlichkeit aus Kundensicht wichtig. Er braucht im Idealfall nur in die Stiele zu investieren, alles andere aus seinem System kann er weiter verwenden. Das System kann problemlos mit Super-Belägen, U-Auflage und auch Rohrauflage verwendet werden. Das gleiche gilt für vorhandene Konsolen. Wer bereits das Modulgerüst Ringscaff einsetzt, kann sogar statt der Basisständer des Super-RS alternativ die herkömmlichen Ringscaff-Anfangsstücke einsetzen und dann gleich die Super-RS-Folgeständer verwenden, so dass wieder ein Neuteil eingespart wird.

ABZ: Wo hat ihr Unternehmen den Schwerpunkt seiner Entwicklungsarbeit gesetzt?

Gebauer: Unser Ziel für den Kunden war ganz klar nachhaltige Verwertbarkeit von vorhandenen Beständen bei gleichzeitiger optimaler Sicherheit gemäß den geltenden und – soweit absehbar – zukünftigen Vorschriften. Dabei muss das System natürlich trotzdem einfach und logisch nachvollziehbar bleiben. Schließlich kommt noch die erhöhte Flexibilität hinzu, da die starren Rahmen wegfallen.

ABZ: Legen Sie in Ihrer technischen Abteilung den Fokus jetzt ausschließlich auf die Weiterentwicklung dieses Systems?

Gebauer: Nein, definitiv nicht. Es wäre völlig falsch, zu sagen, dieses System wird das einzige zukunftsfähige sein. Wir arbeiten weiter daran, auch die herkömmlichen Rahmengerüste zu optimieren. Denn seien wir ehrlich – für schnörkellose Standardfassaden gibt es nichts Wirtschaftlicheres als Rahmengerüste: Und es wäre fatal, wenn wir unsere Kunden nun zwingen würden, sich von funktionierenden und eingespielten Techniken zu verabschieden und komplett in neue Systeme zu investieren. Es ist immer auch eine Frage, in welchem Marktsegment sich der Gerüstanwender bewegt.

ABZ:Sie haben das Gerüstsystem unter Realbedingungen erprobt. Welche Erfahrungen haben Sie bei den Tests mit Anwendern gemacht?

Gebauer: Zunächst sind die Reaktionen natürlich immer etwas abwartend, weil es von der Logistik her etwas ganz Neues ist. Der Monteur muss erst einmal verinnerlichen, welcher Stiel wohin gehört. Hier ist nicht mehr alles gleich wie vorher bei den Rahmen, sondern folgt einer eigenen Logik. Aber nach einem kurzen Lernprozess hat man das drin. Zudem sind unsere Stiele farblich markiert, so dass man auf einen Blick sieht, was wohin gehört. Das hilft nicht nur beim Aufbau enorm, sondern bereits beim Beladen. Bei der Montage selbst zeigte sich, dass weiterhin in der sogenannten "Variante 1" vorgegangen werden kann, also vom äußeren Ende einer Lage ausgehend wieder zurück zum Aufgang arbeitend – allerdings bereits mit Seitenschutz gesichert und nicht wie früher frei auf der obersten Lage balancierend. Als weiterer Vorteil wurde bei den Tests gesehen, dass man sich entscheiden kann, ob man ausbaubare oder definitive Geländer verwendet. Beides ist möglich und somit ist man auch bei zukünftigen Verschärfungen seitens der Bau BG, die sich am Horizont durchaus abzeichnen, auf der sicheren Seite.

ABZ: Wie sehen Sie den Markt in Deutschland und Europa in zehn Jahren?

Gebauer: Der Markt wird sich dahingehend verändern, dass Sicherheit im Gerüst eine noch größere Rolle spielen wird. Stichwort "definitives Geländer" und absehbar der "definitive Knieholm". Auch das Thema Innengeländer wird früher oder später akut, um die Gefahren zum Beispiel bei Dämmarbeiten zu minimieren. Modulare Fassadengerüste werden sich weiter verbreiten, obwohl sie nicht zur kompletten Verdrängung herkömmlicher Gerüstsysteme führen werden. Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, die sich Scafom-rux aber ganz klar auf die Fahne geschrieben hat, ist es, auch diese Systeme durch kontinuierliche Weiterentwicklung und sicherheitstechnische Updates vital zu halten. Schließlich hat der Kunde nicht nur Geld in seine langjährig genutzten Gerüste, sondern auch Vertrauen in den Hersteller investiert und in die Nutzbarkeit auf lange Sicht. Das Super-RS punktet hier aber ganz klar mit der problemlosen Weiterverwendung eines Großteils der bereits beim Anwender vorhandenen Teile.

ABZ: Wird es Ihrer Meinung nach irgendwann mal "das eine" Gerüstsystem geben, mit dem man alle Aufgaben optimal bewältigen kann?

Gebauer: Der Weg zur eierlegenden Wollmilchsau ist auch im Bereich Gerüstentwicklung gepflastert mit Kompromissen. Je mehr Teile Sie an einen Gerüstständer anbaubar machen wollen, desto mehr Hindernisse kommen Ihnen in die Quere, und das System wird komplizierter oder instabiler. Wir setzen da lieber auf "simple Effizienz", wenn Sie so wollen. Gleichzeitig sind wir aber ganz klar der Meinung, mit dem Super-RS das Beste aus den beiden Welten Modular und Fassade in einem Gerüstsystem vereint zu haben. Und das mit den dicken Pluspunkten Nachhaltigkeit und Zukunftssicherheit.

ABZ-Stellenmarkt

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 37/2021.

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