Die Wirtgen Group zur bauma 2022

Weltpremieren in vielen Bereichen

Dr. Volker Knickel, CEO der Wirtgen Group, sprach mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga darüber, worauf sich Besucher der bauma am Wirtgen-Messestand freuen können und wie sich der Konzern künftig strategisch aufstellt.
Wirtgen Straßenbautechnik
Dr. Volker Knickel ist CEO der Wirtgen Group. Foto: Wirtgen Group

ABZ: Welche Erwartungen hat die Wirtgen Group von der diesjährigen bauma?

Knickel: Die bauma ist für die Wirtgen Group die ideale Plattform, neu entwickelte Maschinen und Technologien nicht nur zu präsentieren, sondern direkt in den Markt zu bringen. Mit unseren nachhaltigen Lösungen für den Straßenbau unterstützen wir Kunden, den wachsenden Bedarf an Infrastruktur schnell und wirtschaftlich zu realisieren sowie den steigenden Anforderungen in puncto Umweltschutz und Sicherheit für Mensch und Natur zu entsprechen. Wir sind gespannt auf das Feedback unserer Kunden und freuen uns auf einen intensiven Austausch.

ABZ: Mit welchen Produkten, Angeboten oder Diensten wird sich Wirtgen dort präsentieren?

Knickel: Die Wirtgen Group tritt wieder zusammen mit John Deere auf. Unser gemeinsames Messe-Motto lautet: "The Future in Roadbuilding – Smart. Safe. Sustainable". Die Besucher erwartet mehr als 90 Exponate – darunter allein 33 Weltpremieren. Darüber hinaus wird es eigene Ausstellungen zu den Themen "digitale Systemlösungen" und "Nachhaltigkeit" geben.

ABZ: Hat sich das Engagement der Wirtgen Group auf der bauma in diesem Jahr gegenüber 2019 verändert?

Knickel: Sie finden die Wirtgen Group wie gewohnt auf dem Messestand FS.1011. Wir bringen wieder eine Vielzahl an wegweisenden Neuentwicklungen nach München. Mit 33 Weltpremieren – und damit so vielen wie noch nie – unterstreicht die Wirtgen Group die hohe Innovationskraft in der Branche.

Neu ist die Technology Zone, in der wir die digitalen Lösungen unserer Produktmarken und von John Deere erstmals gebündelt in einer eigenen Ausstellung präsentieren und damit auch die Synergien visualisieren. Hier geben wir auch einen Ausblick, wie sich künftig ganze Baustellen planen, monitoren und analysieren lassen. Auf eine eigene Ausstellung zum Thema Nachhaltigkeit können sich die Besucher ebenfalls freuen.

ABZ: Was sind die Highlights, die die Wirtgen Group beziehungsweise die angeschlossenen Marken zur bauma vorstellen?

Knickel: Bei den Einzelprodukten sind es in erster Linie die Weltpremieren – unter anderem die batterie-elektrisch betriebenen Tandemwalzen von Hamm oder der vollelektrische Kleemann Prallbrecher. Ebenfalls im Fokus stehen die Wirtgen Kompaktfräsen mit Komfortkabine, die Straßenfertiger der neuen Strich-Fünf-Generation von Vögele, die neuen Generationen der Hamm Walzenzüge und schemelgelenkten Tandemwalzen und das REVOC-System von Benninghoven, ein Katalysator für Asphaltmischanlagen.

Ein Highlight sind ohne Frage auch unsere Produktions-Systeme für komplette Anwendungen im Straßenbau, denn hier liegt in Summe das größte ökologische und auch ökonomische Potenzial. So zeigen wir einen Kaltrecycling-Zug für die schnelle, kostengünstige und nachhaltige Straßeninstandsetzung. Ebenfalls zu sehen sind unter anderem Lösungen für das Asphaltrecycling oder für emissionsfreie Anwendungen in Städten und an anderen sensiblen Orten.

ABZ: Was sind aus ihrer Sicht die wichtigsten Trends auf der bauma?

Knickel: Als wesentliche Eckpfeiler für den Straßenbau der Zukunft sehe ich Technologien, die die Digitalisierung auf den Baustellen vorantreiben und die Automatisierung von Arbeits- und Maschinenprozessen unterstützen. Auch die Elektrifizierung von Baumaschinen ist ein Trend auf dem Weg zu mehr Autonomie und Nachhaltigkeit im Straßenbau.

Entscheidend ist aber, dass aus einem Trend konkrete Lösungen entstehen, mit denen Kunden ihre Herausforderungen in der Praxis umsetzen können – mit realen Produkten und Technologien, wie sie die Wirtgen Group auf ihrem bauma-Stand zeigt und die bereits verfügbar sind beziehungsweise in den kommenden Monaten auf den Markt kommen.

ABZ: Welchen Stellenwert nehmen die Themen CO2-Minderung/Dekarbonisierung/Zero Emission und Nachhaltigkeit bei der Wirtgen Group ein?

Knickel: Nachhaltigkeit ist eine tragende Säule der Unternehmensstrategie. Das gilt für unsere Baumaschinen und Anwendungsverfahren, wie auch beim Gesamtbetrieb aller Wirtgen Group Werke und Standorte. Unser Anspruch ist es, die CO2-Emissionen in allen Disziplinen weiter kontinuierlich zu reduzieren. Produktseitig sind die elektrifizierten Tandemwalzen von Hamm und der vollelektrische Kleemann Prallbrecher ganz aktuelle Beispiele für die Nutzung alternativer Antriebstechnologien. Mit dem REVOC-System hat Benninghoven eine Technologie entwickelt, die den Gesamtkohlenstoff-Ausstoß bei der Asphaltproduktion um bis zu 50 Prozent reduziert und dabei höhere Recycling-Quoten von bis zu 60 Prozent ermöglicht.

Die umweltfreundliche Wiederverwertung von Baustoffen zeigt sich im Übrigen auch beim Wirtgen-Kaltrecycling-Verfahren und bei der Recyclingmaterial-Aufbereitung mit Brech- und Siebanlagen von Kleemann.

Beim Betrieb von Baugeräten ermöglicht die Wirtgen Group auch die Verwendung von alternativen Kraftstoffen. So ist ein Großteil der Wirtgen-Group-Maschinen bereits für die Nutzung von HVO als Kraftstoff zugelassen.

ABZ: Wie haben sich Pandemie und Ukraine-Krieg auf die Geschäfts- und Umsatzentwicklung bei der Wirtgen Group bzw. auf die Marken der Gruppe ausgewirkt? Inwieweit ist die Wirtgen Group beziehungsweise sind die Marken der Gruppe von Rohstoffengpässen oder Lieferkettenproblemen betroffen?

Knickel: Die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen stellen Branchen übergreifend eine große Herausforderung dar. Auch wir bei der Wirtgen Group müssen nach wie vor flexibel auf die wechselnden Bedingungen reagieren. Bisher ist es dank unserer engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelungen, die Lieferfähigkeit der Produkt- und Servicelösungen bestmöglich aufrechterhalten, um unseren Kunden auch unter den aktuellen Voraussetzungen ein zuverlässiger Partner zu sein.

Trotz der erschwerten Rahmenbedingungen war das Geschäftsjahr 2021 für die Wirtgen Group insgesamt sehr erfolgreich und zählte zu den umsatzstärksten in der Unternehmenshistorie. Mit dem laufenden Geschäftsjahr sind wir ebenfalls zufrieden.

ABZ: Können Sie etwas zu den Umsatzzielen der Wirtgen Group sagen?

Knickel: Mit der wachsenden Weltbevölkerung ist auch der Bedarf an zusätzlicher Infrastruktur gestiegen. Gleichzeitig ist das globale Straßennetz vielerorts sichtbar in die Jahre gekommen. Doch bei der dringend erforderlichen Instandhaltung ist nahezu überall ein Rückstand zu verzeichnen. Der ohnehin hohe Bedarf an nachhaltigen Lösungen für den Straßenbau wird weiter steigen. Zusammen mit John Deere bietet die Wirtgen Group ihren Kunden das umfassendste Maschinenprogramm für die gesamte Prozesskette im Straßenbau.

Mehr denn je gilt unser Wertversprechen "close to our customers", das neben der Beratung unserer erfahrenen Anwendungsexperten und dem schnellen Service auch den Know-how-Transfer unserer Wirtgen Group Spezialisten an den Kunden einschließt.

Darüber hinaus bündelt die Wirtgen Group im Roadbereich mit John Deere gezielt die gemeinsamen Synergien, damit potenzieren sich die Wachstumschancen beider Unternehmen.

Perspektivisch sehen wir im Markt der Brech- und Siebanlagen und damit für Kleemann gute Wachstumschancen. Auch in dieser Sparte werden sich die konsequenten Investitionen der Wirtgen Group voll auszahlen.

ABZ: Welche strategischen Ziele verfolgt die Gruppe innerhalb der kommenden zwei Jahre, bezogen auf die Marktplätze EMEA/Deutschland und international?

Knickel: Als weltweit agierender Unternehmensverbund entwickelt die Wirtgen Group marktgerechte Lösungen, mit denen Kunden die regionalen Anforderungen in der Praxis optimal bedienen können. Ziel ist es, die Position der Wirtgen Group als Technologieführer weiter zu stärken. Mit unserer hohen Innovationskraft sehe ich gute Chancen, dieses Ziel zu erreichen. Dazu beitragen werden auch unsere nachhaltigen Lösungen, die wir unter anderem mit den Maschinen- und Technologie-Weltpremieren zur bauma unseren Kunden vorstellen.

Daneben möchten wir auch das Bewusstsein für Produkte und Technologien stärken, die in vielen Märkten bereits erfolgreich genutzt werden. Ein Beispiel ist hier das Kaltrecycling-Verfahren, das eine wirtschaftliche und umweltfreundliche Alternative zu konventionellen Bauverfahren darstellt – wie dem Deckenaustausch im Rahmen der Instandsetzung von Straßen. Die Kaltrecycling-Technologie ist als schnelle, kostengünstige und nachhaltige Lösung weltweit bereits seit langem anerkannt, in Europa und insbesondere in Deutschland ist sie aber nach wie vor unterschätzt.

ABZ: Wie beurteilen Sie die aktuelle konjunkturelle Entwicklung in der Bauwirtschaft?

Knickel: Während sich in weiten Teilen Europas eine Abschwächung der Konjunktur abzeichnet, erholt sich der asiatische Markt aktuell auf niedrigem Niveau. Dagegen herrscht in den USA auch dank des Investitionsprogramms der Regierung in die US-Infrastruktur eine starke Nachfrage im Straßenbau-Segment.

In Summe sind wir langfristig optimistisch, auch weil wir davon überzeugt sind, dass sich Straßenbauprojekte mit den innovativen, wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Technologien der Wirtgen Group schnell, wirtschaftlich und nachhaltig umsetzen lassen. Unsere Kunden können so profitabel arbeiten und am Ende belebt das auch die Investitionen in neues Equipment.

ABZ: Durch die Pandemie wurde Herstellern die Möglichkeit genommen, Produkte auf Messen zu präsentieren und mit Kunden in Kontakt zu treten. Wie ist die Wirtgen Group damit umgegangen, beziehungsweise haben digitale Plattformen ihre Kundenkommunikation verändert?

Knickel: Die Pandemie hat gezeigt, dass man sich trotz vieler Einschränkungen mithilfe digitaler Kommunikationsmittel weiter eng mit seinen Kunden austauschen kann. Und diese Möglichkeit haben wir intensiv genutzt. Dennoch waren wir froh als die gesetzlichen Regelungen wieder einen direkten Kontakt mit unseren Partnern zugelassen haben. Der gemeinsame Austausch vis-à-vis ist einfach essenziell in unserem Geschäft. Dass dieser nicht zwangsläufig auf großen Messen erfolgen muss, ist auch eine Erkenntnis der vergangenen zwei Jahre.

Kundenevents in kleinen Gruppen vor Ort konnten sich in vielerlei Hinsicht als erfolgreiches und vielversprechendes Veranstaltung-Format beweisen.

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