Dükersanierung in Leipzig

Inkrustierte Röhren mit Schlauchliner ausgekleidet

Da jede Röhre komplett trocken gelegt werden konnte, fiel die Entscheidung auf den Einbau eines normalen Inversionsschlauches ohne separaten Einzugsschlauch, wodurch einiges an Aufwand, wie z. B. der Aufbau einer Winde erspart blieb.

Leipzig (ABZ). – Die Neubaustrecke bildet einen Bypass zum alten Maulprofil 2000/3700 welches nach Abschluss außer Betrieb genommen werden soll. Am Ende läuft der Kanal in einen 34 m langen Stahl-Doppeldüker mit 2x DN 2000, unterquert den Pleißemühlgraben und mündet dann in die Pleiße. Da die bereits über 100 Jahre alten Stahlröhren des Dükers stark korrodiert waren und ein Ersatzneubau zu teuer geworden wäre, kam auch hier das mehrfach erprobte Inversionsverfahren mit dem Synthesefaserliner zum Einsatz.

Das Ingenieurbüro Ingutis Leipzig wurde für das Projekt mit der Planung beauftragt. Auftragnehmer wurde die Firma Otto Heil GmbH & Co. KG mit der Firma Aarsleff als Nachunternehmer. Bauoberleitung hat das Dresdner Ingenieurbüro ACI, Aquaprojekt Consult Ingenieurgesellschaft mbH und Bauüberwachung das Ingenieurbüro ICL, Ingenieur Consult GmbH.

Mit Schlauchliner

Die zwei stark inkrustierten Röhren sollten nun also auf einer Länge von jeweils 34 m mit einem Schlauchliner ausgekleidet werden. Vom Ingenieurbüro wurde ein Hochwasserstand von 6,88 m als Bemessungsgrundlage über Rohrsohle angegeben, was zu einer maßgebenden Endwanddicke von mindestens 35,2 mm führte. Der exakte Verlauf der Röhren war bis zum ersten Entleeren unbekannt. Beim Kalibrieren wurden dann jeweils vier Abwinklungen von ca. 15° festgestellt, was aber für den Nadelfilzliner kein Problem darstellt. Dadurch, dass die Rohre untereinander verbunden waren, gab es seitens des Statikers keine Bedenken, den Düker wechselseitig zu entleeren, was das Arbeiten enorm erleichtern sollte.

Gemeinsam mit dem Auftraggeber der Firma Otto Heil wurde gleich zu Beginn der Maßnahme ein exakter Bauablauf- und Baueinrichtungs-Flächenplan entwickelt. Eine besondere Rolle spielten dabei die Abmessungen und Gewichte der Fahrzeuge für die Gewährleistung einer ausreichenden Standfestigkeit des Untergrundes.

Für den Einbau kam ein überdimensionales Einbaugerüst zur Anwendung. Dafür benötigte der Tiefbauer im Vorfeld exakte Angaben zu den Auflagerflächen und der Last des Gesamtgerüstes. Für das insgesamt ca. 27 t schwere Gerüst wurden querend zur Rohrachse zwei Stahlbetonwände mit einer Dicke von ca. 60 cm hergestellt. So konnte es nach Einbau der Nordröhre einfach auf die Südröhre umgesetzt werden.

Unwegsames Gelände

Das unwegsame Gelände im Bereich der geplanten Schlaucheinbaugrube wurde mit Schotter aufgeschüttet um das schwere Gerät zu tragen. Anschließend wurde die Baugrube mittels Spundwänden gesichert und das alte Maul- Profil auf einer Länge von 4 m aufgebrochen. Da immer nur eine Röhre entleert werden durfte und der normale Wasserfluss beibehalten werden musste, entschieden sich die Aarsleff-Ingenieure für eine Wasserhaltung mit Hilfe eines Systems aus Abmauerungen.

Jede Röhre konnte dann mit Hilfe von vier Blasen DN 400 separat abgesperrt und geleert werden. Beim ersten Entleeren fanden die Kollegen ca. 40 Döbel (eine Karpfenart), welche sich hier niedergelassen hatten. Nun konnte die alte Rost-Kruste von 1–2 cm vollflächig entfernt werden. Dass es höchste Zeit war die Sanierung durchzuführen hat sich dabei bestätigt, da bereits ein großer Teil der Wandstärke durch Oxidationsprozesse nicht mehr vorhanden war und sich stellenweise schon Löcher gebildet haben durch die das Flusswasser aus dem darüber liegenden Mühlgraben eindrang. Die Vorbereitungsarbeiten nahmen einen Zeitraum von zwei Wochen in Anspruch. In dieser Zeit wurden ca. 7 t Rost aus den zwei Röhren geborgen.

Da jede Röhre komplett trocken gelegt werden konnte, fiel die Entscheidung auf den Einbau eines normalen Inversionsschlauches ohne separaten Einzugsschlauch, wodurch einiges an Aufwand, wie z. B. der Aufbau einer Winde erspart blieb.

Am Montag der Kalenderwoche 49 kam richtig Leben auf die Baustelle, als die fünf Kollegen der Warmwasseranlage alles für den Einbautag der Nordröhre vorbereiteten. Bei –8 °C wurden die Baggermatten verlegt und viel Gerüstholz verbaut, um den Baugrubenbereich passgenau abzudecken. Gegen 22.00 Uhr war dann auch das Gerüst fertig aufgebaut. Für das Handling der großen Gewichte wurde ein Lkw mit ausreichend kräftigem Heckkran eingesetzt. Bis 14.00 Uhr des Folgetages waren alle Vorbereitungsarbeiten für den direkten Linereinbau abgeschlossen und die eigentliche Inversion konnte beginnen. Als dann der Kopf (des zu inversierenden Schlauchliners) durch das Förderband lief war es bereits wieder dunkel. Am Donnerstagvormittag konnten die Kollegen die Baustelle verlassen und sogar noch ein verlängertes Wochenende beginnen.

Für die Südröhre musste das Gerüst am Montag der Kalenderwoche 50 um 2 m auf den Stahlbetonwänden versetzt werden und der Einbau konnte analog der vorhergehenden Woche erfolgen.

Das Interesse an der Durchführung einer Sanierung eines Dükers DN 2000 von Fachkollegen und regionalen Medien war groß. Auch für Aarsleff stellt ein solches Projekt immer wieder eine Herausforderung dar, obwohl es nicht das erste Mal war, das eine solche Dimension Auftragsbestandteil war.

Geschwindigkeitsmesssonden

Der Liner wurde dann mittels GFK-Handlaminat mit dem restlichen Abwasserbauwerk verbunden. Im Zuge der Komplettierungsarbeiten waren Geschwindigkeitsmesssonden im tief liegenden Bereich der Rohre anzubringen. Dazu musste eine Kabellehrrohrführung im Kämpferbereich installiert werden. Diese wurde durch das Befestigen und Überlaminieren von KG-Halbschalen realisiert. Des Weiteren waren noch alle vier Einstiege zu sanieren und Edelstahlhaltestangen im Ober- und Unterhaupt des Doppeldükers anzubringen um die Trittsicherheit bei Inspektionsarbeiten zu gewährleisten.

Den hohen Anforderungen des Auftraggebers, der Kommunalen Wasserwerke Leipzig GmbH, galt es in jedem Fall gerecht zu werden. Als bei der Erstbegehung der Röhren festgestellt wurde, dass die Bögen faltenfrei waren und mechanische Kennwerte der Probekörper ebenfalls hervorragende Ergebnisse lieferten, konnten sich alle Beteiligten über ein weiteres erfolgreich abgeschlossenes Sanierungsprojekt freuen.

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