Ein Stockwerk höher

Erweiterung im Hotel Kaufmann mit Holz

Eine Hotelsanierung bei laufendem Betrieb ist eine größere Herausforderung. Foto: Hans-Georg Kaufmann

Roßhaupten (ABZ). – Der moderne Holzbau überzeugt im Bereich des Wärmeschutzes, des Raumklimas, der Ökologie und der statischen Planungsmöglichkeiten und bietet gerade für Gewerbebauten eine Vielzahl von Vorteilen. Der Baustoff weist zugleich eine hohe Tragfähigkeit und gute statische Eigenschaften auf – hinzu kommen das geringe Gewicht und die Natürlichkeit des Materials. Wissenschaftliche Studien belegen dem bewährten Baustoff eine lange Lebensdauer und hohe Wertbeständigkeit. Ein Gewerbebetrieb muss in der Regel ununterbrochen für Kunden, Lieferanten und auch für Mitarbeiter "verfügbar" sein, lange Bauphasen bei Modernisierungen oder neu erstellten Betriebs-Gebäuden können die Rentabilität stark beeinträchtigen. In diesem Zusammenhang ist die größte Herausforderung bei geplanten Baumaßnahmen meist ein vorgegebenes, enges Zeitfenster. Nicht so beim Holzbau: Einer der ältesten Baustoffe überhaupt punktet hier durch hohe Vorfertigung und rasche Aufbauzeiten und sichert somit eine zügige Wiederaufnahme des "Tagesgeschäfts" – ganz gleich ob bei einer Sanierung oder einem Neubau.

Am Beispiel des Hotels Kaufmann in Roßhaupten am Forggensee zeigt das natürliche Material seine Vorzüge: Das außergewöhnliche Gebäude ist das Ergebnis umfangreicher Sanierungsmaßnahmen und eines Anbaus, dadurch rückt es optisch und energetisch in die vorderste Reihe. Auch in den kommenden Jahren sind für den Traditionsbetrieb mehrere spannende Erweiterungen geplant.

Mit vielen innovativen Umgestaltungs-Ideen überarbeiteten die Gastgeber nahezu alle Hotel-Bereiche und stellten schließlich auf durchgängige Nachhaltigkeit um. In großen Teilen des Altbestands ließen sie umfangreiche Sanierungs- und Umbauarbeiten durchführen. Der Clou ist ein zusätzlicher Aufbau aus Holz, der das Haus über den Bestand hinweg um ein Stockwerk erweitert. "Wir haben uns detailliert überlegt und geplant, wie wir eine einzigartige Ausrichtung mit besonders hochwertigen Materialien verwirklichen können. Ein paar kosmetische Eingriffe hätten da nicht gereicht", berichtet Hotel-Chef Hans-Georg Kaufmann. Schließlich entschieden sich die Bauherren für eine aufwändige Aufstockung und Erweiterung in Holzständerbauweise. Geplant hat den spannenden Umbau das beauftragte Architekturbüro Barbist Architecture aus dem österreichischen Lechaschau. Vorgefertigt und präzise aufgebaut wurden das neue Stockwerk in Holzbauweise und der Anbau von der ZimmerMeisterHaus-Manufaktur Holzbau Prutscher aus Oy-Mittelberg.

Die neue Aufstockung und Erweiterung war kein einfaches Unterfangen, denn man hatte sich entschlossen, die Umbauten bei laufendem Hotelbetrieb zu realisieren. In verschiedenen Baustufen ließen die Verantwortlichen ein ganzes Stockwerk und ein weiteres Gebäude anfügen.

Das Planungsteam – bestehend aus Architekten, Holzbauer und Statiker musste schnell und präzise vorgehen, um den Umbau von der ersten Sanierungsmaßnahme bis zur endgültigen Innenausstattung bei höchstem Qualitätsanspruch zu realisieren. In einer Rekord-Bauzeit von nur sechs Wochen haben die beteiligten Experten die Bauaufgabe gelöst. Das neue dritte Stockwerk über dem Bestandsgebäude und über dem Erweiterungsbau wurde in Holzständerbauweise erstellt. Dazu mussten zunächst einige Nebengebäude wie Garage und Gartenhaus abgebrochen werden.

Im Altbestand hat man das zweite Stockwerk saniert, im Altbau sanitäre Bereiche und Räume für Equipment zu den Tagungsräumen hinzugefügt. Ebenfalls neu ist ein barrierefreies Zimmer gebaut worden. Durch den neuen Anbau hat das Hotel jetzt, inkl. Anbau, vier oberirdische Stockwerke und ein Untergeschoss mit Saunen, Wellnessbereich und viele neue Highlights wie Poolhaus, Fitnessraum, Beauty und Massageräume, großzügige Ruheflächen sowie "hinter den Kulissen" zusätzliche Abstellräume. Unten massiv, oben Holz. Links und rechts sind zwei Baukörper für die Treppenhäuser angebaut, die Glasfronten des Gebäudes sind hinter Holzlamellen versteckt. Zwei große Tagungsräume mit einer Gesamtkapazität von 80 Personen machen das Haus jetzt zu einer wichtigen Adresse für Konferenzen, Seminare und Veranstaltungen.

Für den Anbau wurde der bestehende Baukörper um drei Zimmerachsen je Geschoss erweitert. Auf den gesamten Bau mit insgesamt sieben Zimmerachsen wurde von den ZimmerMeisterHaus-Experten der Firma Prutscher der großzügige Seminarraum und sechs Zimmerachsen aufgebaut. Das Hotel wurde dadurch um 15 Zimmer/Suiten erweitert. Vorproduzierte Holzbau-Elemente mussten über das Dach auf das Gebäude gehievt werden. Hinter den hohen Holztüren der Zimmer können Gäste jetzt in den großzügig als Suiten angelegten Räumen neue Kraft tanken. Das vorrangig verwendete Material Holz trägt zu einer außergewöhnlichen Wohlfühl-Atmosphäre bei.

Im hinteren Drittel des Hauses fügte man aus brandschutztechnischen Gründen an den Flur ein außenliegendes Fluchttreppenhaus aus Stahlbeton hinzu. Zudem wurde im zweiten Obergeschoss der bestehende Flur bis zum Balkon verlängert, um einen gut erreichbaren Fluchtweg zu gewährleisten. Die bestehende Terrasse des Haupthauses haben die Planer nach Süden hin so großzügig erweitert, dass sich der windgeschützte Platz nahezu verdoppelt hat und Gäste hier gerne bis spät abends verweilen.

Die Bedeutung von Sanierungen und Umbauten nimmt zu, im Industrie- und Gewerbebau sogar rasant. Bauen im Bestand heißt häufig – wie hier – Sanieren bei laufendem Betrieb. Das alles sind anspruchsvolle Aufgaben, die mehr als die übliche Bauerfahrung erfordern. Hier haben die Manufakturen von ZimmerMeisterHaus bewährte Bausysteme und langjährige Erfahrung zu bieten. In einer ZimmerMeisterHaus-Manufaktur läuft vieles vollautomatisch. Einheimische Hölzer werden computergesteuert auf die richtigen Maße zugeschnitten und mit höchster Präzision für die weitere Verarbeitung vorbereitet. In weiteren Schritten werden im Werk großformatige Wand-, Decken- und Dachelemente vorgefertigt. Die vorgefertigten Holzbauteile lassen sich dann in wenigen Tagen auf der Baustelle montieren. Anders als bei mineralischen Baustoffen entfällt bei Holz die Austrocknungszeit.

Um den Hotelbetrieb nicht über Gebühr zu beeinträchtigen, werden bei solchen Aufgaben spezielle schnelle Holzbau-Verfahren eingesetzt und auch erschütterungs- und lärmarme Bauverfahren verwendet. Das Unternehmen Prutscher bietet traditionellen sowie modernen Ingenieur-Holzbau. Zu den angebotenen Holzbauten zählen Passivhaussysteme in Holzständerbauweise oder Massivholzbau – je nach Kundenanforderungen. Auch für mögliche Erweiterungen hält der Gastgeber an ökologischen Bauweisen und der Vorliebe für Holz fest. Es gibt neue Pläne für einen zusätzlichen Anbau mit weiteren acht Gästezimmern und Verbesserungen wie bspw. ein neues Restaurant. "Mit ergänzenden Gemeinschaftsräumen wollen wir auch das Wohlbefinden unserer Mitarbeiter weiter fördern", sagt Hans-Georg Kaufmann. Auch einige nützliche Lagerräume will er mit einplanen. Das bestehende Restaurant soll zu einer Bar umgebaut werden, die Buffet-Situation umgestaltet und – räumlich versetzt – mehr Zugangsmöglichkeiten gewähren.

Der Spa-Bereich soll auf insgesamt 1000 m² anwachsen und durch eine zusätzliche dritte Sauna noch mehr Erholung für die Gäste bieten.

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