Einblicke in Produktion

Hohen Qualitätsanspruch bei Merlo-Teleskopladern demonstriert

von:

Burkhard BÜSCHER

Merlo Teleskoplader Arbeitsbühnen und Aufzüge
Die Fabrik von Merlo steht auf einem 150.000 Quadratmeter großen Gelände. Foto: Merlo
Merlo Teleskoplader Arbeitsbühnen und Aufzüge
Henrich Clewing, Geschäftsführer von Merlo Deutschland: "Ein knappes Drittel der Verkäufe in Deutschland geht an Endkunden im Baubereich." Fotos: Büscher
Merlo Teleskoplader Arbeitsbühnen und Aufzüge
Mit drei Rädern lässt es sich auch noch gut fahren...
Merlo Teleskoplader Arbeitsbühnen und Aufzüge
Die neuen MPR-Arbeitsbühnen verfügen über Eigenantrieb, Hubhöhen von 15 bis 18 Metern, bis zu 1000 kg Tragfähigkeit und Fahrgeschwindigkeiten bis 40 km/h.

CUNEO/ITALIEN - Die Firma Merlo, einer der weltweit führenden Hersteller von Teleskopladern, schaut optimistisch in die Zukunft und startet anlässlich der bauma eine regelrechte Produktoffensive.

. – Neben den genannten Teleskopladern, für die das Unternehmen in Deutschland bekannt ist, werden allerdings auch eine ganze Reihe anderer Maschinen für unterschiedliche Branchen hergestellt. Dazu gehören unter anderem selbst fahrende Arbeitsbühnen, kleine Forstmaschinen, kleine Raupentransporter, Müllfahrzeuge, Fahrmischer und Zweiwege-Zugmaschinen.

Das Angebot ist also breit gefächert und wird dort produziert, wo die aus der Mon-Chéri-Werbung bekannte Piemont-Kirsche herkommt – aus Cuneo im Piemont. In dieser schönen Gegend mit malerischem Alpenpanorama liegt die Merlo-Fabrik auf einem 150.000 Quadratmeter großen Gelände. Über 1000 Mitarbeiter finden in dem 1964 gegründeten Unternehmen Arbeit, das sich noch ganz im Besitz der Merlo-Familie mit dem Firmengründer und Familienoberhaupt Amilcare Merlo befindet. Der Großteil der Gewinne wird, so war kürzlich im Rahmen einer Presseveranstaltung am Firmensitz zu hören, sofort wieder in das Unternehmen investiert. Im Jahr 2008 machte die Merlo-Gruppe, zu der insgesamt sieben Unternehmen gehören, 395 Millionen Euro Umsatz, wie Paolo Peretti, Pressesprecher des Unternehmens, den zahlreichen Journalisten erklärte. Knapp zehn Prozent des Umsatzes wurden sofort wieder in Entwicklung und Forschung sowie in die Automatisierung der Produktionsabläufe investiert. 79 Prozent der in 2008 produzierten 7000 Maschinen (davon 6000 Teleskoplader) gingen in den Export – 19 Prozent nach Deutschland. Ein Jahr später bekam auch Merlo die Krise zu spüren und der Umsatz sank um 20 Prozent und es wurden nur noch etwas über 6000 Maschinen hergestellt. 600 Händler kümmern sich weltweit um die Wünsche der Kunden.

Nicht ohne Stolz ging Peretti auf die Geschichte und die Entwicklung der Teleskoplader bei Merlo ein. So wurde der erste dieses Maschinentyps bereits 1981 gebaut. Bemerkenswert ist die hohe Fertigungstiefe von fast 90 Prozent in der Fabrik. Bis auf wenige Komponenten, wie Motoren und Teile von Achsen, wird alles vor Ort hergestellt. Das zeigt auch den hohen Qualitätsanspruch des Unternehmens. Bis zu 22 Teleskopen verlassen täglich die Fabrik.

Merlo zeigt während der bauma auf dem Freigelände F11, Stand 1108/1, ein Fülle von Neuigkeiten, die zum Teil schon den Journalisten in Italien während einer eindrucksvollen Show vorgeführt wurden.

Die Besucher der bauma erwarten auf dem Merlo-Stand, der übrigens fast doppelt so groß ist wie auf der letzten bauma, Serienmodelle der neuen, ultrakompakten Teleskopmaschine P25.6. Diese Maschine mit einer Tragfähigkeit von 2500 Kilogramm und einer Hubhöhe von 6 Metern ist mit einer vollwertigen Merlo-Kabine ausgestattet. Eine äußerst kompakte Maschine, die dennoch denselben Fahr- und Bedienerkomfort und Sicherheitsstandard bietet wie ihre größeren Brüder.

Gezeigt wird der Prototyp einer völlig neuen Schwerlast-Teleskopmaschine in der neuen 5-Tonnen-Tragfähigkeitsklasse. Konzipiert wurde diese Maschine auf Nachfrage des erfolgreichen kanadischen Importeurs von Merlo. Sie soll mit den Teleskopmaschinen der US-amerikanischen Bauform im Segment ab 5000 Kilogramm aufwärts konkurrieren, dabei aber die Vorzüge des europäischen Formats mitbringen. Die maximale Hubhöhe wird knapp unter 18 Metern liegen. Hinzu kommt ein hydrostatischer Antrieb sowie deutlich kompaktere Abmessungen und mehr Wendigkeit als herkömmliche Baustellen-Umschlagmaschinen in diesem Leistungssegment.

Viel Beachtung finden wird mit Sicherheit der Prototyp des bislang größten Roto von Merlo. 1990 hat Merlo erstmals die Teleskopmaschine mit drehbarem Oberwagen vorgestellt; das neueste Produkt dieser Reihe unterstreicht die führende Rolle und Innovationskraft des Unternehmens in diesem Marktsegment. Der Roto 60.24 MCSS wird über eine maximale Hubhöhe von 24 Metern und eine maximale Tragfähigkeit von 6000 Kilogramm verfügen.

MCSS, das Standsicherheitskontrollsystem von Merlo, garantiert einen standfesten, sicheren Betrieb des Roto in sämtlichen denkbaren Einsatzszenarien. Angetrieben wird das Modell von einem 177-PS-starken NEF-Dieselmotor, der eine Fahrgeschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde ermöglicht.

Gezeigt wird auch das elektronisch geregeltes Antriebssystem 'Eco-Drive'. Es dient der Ansteuerung des hydrostatischen Antriebs und der Motorparameter und soll eine Energieeinsparung von bis zu 30 Prozent erreichen.

Die kleinen kettenbetriebenen Trägermaschinen Cingo erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Auf der bauma gezeigt wird das Vorserienmodell des neuen Cingo M12 mit 1,2 Tonnen Nutzlast, der den derzeitigen M10 im Produktprogramm ablöst. Zu sehen sind auch Serienmodelle einer 9-Meter-Arbeitsbühne, aufgebaut auf der Trägermaschine Cingo M12. Diese 9-Meter-Gelenk-Teleskopbühne mit 125 Kilogramm Tragfähigkeit erlaubt den Zugang zu beengten Bereichen beziehungsweise den Einsatz dort, wo eine Arbeitsbühne mit Rädern nicht hingelangt. Auf dem Stand soll auch das Vorserienmodell einer neuen 14-Meter-Arbeitsbühne ausgestellt sein, ebenfalls aufgebaut auf der Trägermaschine Cingo M12. Das Vorserienmodell des neuen Cingo M16 mit 1,6 Tonnen Tragfähigkeit steht auch auf der Liste der Ausstellungsgeräte.

Ein Highlight auf dem Merlo-Stand ist ganz bestimmt der Prototyp der neuen MPR-Arbeitsbühnen. Sie verfügen über Eigenantrieb, Hubhöhen von 15 bis 18 Metern, bis zu 1000 Kilogramm Tragfähigkeit und Fahrgeschwindigkeiten bis 40 Kilometern pro Stunde.

Merlo-Maschinen werden in Deutschland von der Merlo-Deutschland GmbH in Bremen verkauft. 1992 gründeten die Hanseaten und Merlo die Henrichs-Merlo Teleskoptechnik Vertriebsgesellschaft, die dann zehn Jahre später im Sinne eines einheitlichen Auftritts der Merlo-Gruppe zur Merlo Deutschland GmbH wurde. Bevor das norddeutsche Unternehmen mit Merlo ein Joint Venture gründete, hatte man schon über 14 Jahre mit einem namhaften Teleskoplader-Hersteller kooperiert – vier Jahre als Händler für Norddeutschland und zehn Jahre als Importeur für den gesamtdeutschen Raum. Erfahrung mit diesen Maschinen ist also genügend vorhanden und das Unternehmen gehört daher zu den Pionieren bei der Einführung der Teleskopen-Technik in Deutschland.

"Wir sind für den deutschen und österreichischen Markt zuständig und verkaufen ausschließlich über Händler im Endkundengeschäft", erklärte Geschäftsführer Henrich Clewing gegenüber der Allgemeinen Bauzeitung. Es gebe circa 30 aktive Händler für die Bauwirtschaft und etwas über 30 für die Landwirtschaft. Die beiden Bereiche würden firmenintern wegen der sehr unterschiedlichen Anforderungen auf Kundenseite grundsätzlich getrennt. Ein knappes Drittel der Verkäufe in Deutschland gehe an Endkunden im Baubereich, etwas mehr als ein Drittel an Vermieter, die allerdings auch fast vollständig dem Baubereich und der Industrie zugeordnet werden könnten, und das restliche Drittel an landwirtschaftliche Endkunden. Wobei, laut Clewing, die Landwirtschaft in Sachen Teleskoplader zu den "Spätentwicklern" gehört, da sie erst ab Mitte der 90er Jahre angefangen habe, sich für diesen Maschinentyp zu interessieren.

In der Bauwirtschaft hat es der Teleskoplader nach Aussage von Clewing immer noch schwer, als Universalmaschine akzeptiert zu werden. "Wenn wir unseren Markt in Deutschland beispielsweise mit dem in England oder Frankreich vergleichen, wo das Produkt schon seit ewigen Jahren etabliert ist und auf jeder Baustelle ein Teleskoplader steht, sind wir davon noch weit entfernt." Das liege natürlich auch an der Geschichte der inländischen Industrie, bedingt durch die starke Orientierung Richtung Radlader und Turmdrehkrane. Der Teleskoplader habe dazwischen nie richtig positioniert werden können. Das sei erst in den letzten Jahren verstärkt der Fall gewesen. Clewing: "Interessanterweise waren es die Großunternehmen im Baubereich, die sich der Technologie früher zugewendet haben, als die kleinen oder mittleren, für die es normalerweise eine echte Arbeitserleichterung und effizientere Gestaltung der Fuhrparkkosten bedeutet." Jetzt habe es Merlo Deutschland vermehrt mit kleineren und mittleren Bauunternehmen zu tun, die den Teleskoplader als gute Alternative zum 0,7 oder 1-Kubikmeter-Radlader sowie Liften und Kranen sähen.

Gerne blickt der Geschäftsführer von Merlo Deutschland auf das Jahr 2008 zurück: "Da war der Gesamtmarkt bei rund 2600 Maschinen und wir haben bis auf wenige Einheiten die 1000 fast erreicht. Insofern war es das vom Marktanteil vom Gesamtmarkt her gesehen und auch von unserer eigenen Situation her das mit Abstand beste Jahr." Das folgende Jahr hätte allerdings schon einen Rückgang von 30 Prozent bei den Stückzahlen gebracht. Vom Umsatz her sei es etwas weniger gewesen.

In Bremen befindet sich das zentrale Ersatzteillager für Deutschland, ein Werkstattbereich, wo ankommende Neumaschinen auf die Auslieferung vorbereitet werden, und ein Schulungsbereich, den jährlich über 200 Händlermonteure bei Lehrgängen besuchen. Wer eine Gebrauchtmaschine möchte, kann sich selbstverständlich auch vertrauensvoll an die Bremer wenden.

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