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Eine runde Sache

Wohnbauprojekt Strünkeder Höfe ist Vorreiter für Herne

Das Wohnbauprojekt Strünkeder Höfe in Herne-Baukau umfasst insgesamt vier Mehrfamilienhäuser. Das Ensemble aus Einzelbauten lockert das Straßenbild auf. Ein Highlight in der Fassadengestaltung sind die abgerundeten Balkone, mit denen die Architekten baulich auf die Straßenecke reagieren. Im Erdgeschoss befinden sich Gemeinschaftsräume für die Mieterschaft.

Herne (ABZ). –  Früher eine wichtige Bergbaustadt, stellt sich Herne heute dem Strukturwandel und der damit verbundenen Revitalisierung der städtebaulichen Entwicklung. Ein Beispiel dafür ist das Wohnbauprojekt Strünkeder Höfe an der Jobststraße, unweit des Renaissanceschlosses Strünkede im Stadtteil Baukau.  Hier schrieb die Wohnungsgenossenschaft Herne Süd einen Wettbewerb aus, den die Architekten von Tor 5 aus Bochum für sich entschieden. Nun verleiht dort, wo vorher eine zusammengewürfelte Reihe unsanierter Altbauten stand, ein Ensemble aus vier identischen Einzelbaukörpern der Straße ein einheitliches Erscheinungsbild. Ein wesentlicher Bestandteil dessen ist die freundliche, helle Fassade mit Hagemeister-Klinkern der Handstrich-Sortierung "Weimar". Ein echter Hingucker sind die abgerundeten Balkone. Das Projekt nimmt in Herne eine Vorreiterrolle ein und wurde bereits mit der BDA-Auszeichnung guter Bauten geehrt. Baukau ist ein Stadtteil im Norden von Herne. Hier liegt das Renaissanceschloss Strünkede mit seiner gotischen Schlosskapelle, das älteste Bauwerk der Ruhrgebietsstadt. Alt, aber längst nicht so schön und gut in Schuss war ein Teil des Wohnbaubestandes an der Jobststraße unweit des Schlosses. Doch dieser ist dem Neubauprojekt Strünkeder Höfe gewichen, beauftragt von der Wohnungsgenossenschaft Herne Süd. War zunächst eine Wohnblockbebauung angedacht, fiel letztlich die Entscheidung für einen Entwurf von Tor 5 Architekten in Bochum, der ein nach Süden durchbrochenes Ensemble aus vier Einzelhäusern vorsah.

In den vier einzelnen Baukörpern, die jeweils vier volle Geschosse und ein Staffelgeschoss haben, sind insgesamt 58 barrierefreie, teils sogar rollstuhlgerechte Wohnungen in Größen von 50 bis 175 m² und mit verschiedenen Grundrissen entstanden.

Die Häusergruppe lockert das Straßenbild auf und erlaubt Aus- und Durchblicke sowohl für Passanten als auch für die Bewohner, die diese aus ihren Privatgärten oder von ihren Dachterrassen und Loggien in Süd- und Westausrichtung genießen können. Im Gegensatz zu einer Wohnblockbebauung erlauben die Einzelhäuser mit Ost-West-Orientierung lichtdurchflutete und ruhige, von der Straße abgewandte Wohnräume.

Das offene Mauerwerk sorgt für natürliches Licht in der Parkgarage. Außerdem wirkt so die Mauer weniger wuchtig.

Die vier Baukörper werden durch ein Halbgeschoss mit Parkgarage, über der sich neu angelegte Grünflächen befinden, zusammengehalten. Ein einheitliches Gesamtbild schafft die Fassade, die mit Klinker von Hagemeister realisiert wurde. Der Farbton der Handstrich-Sortierung "Weimar" ist warm und freundlich, changiert in Weiß und cremefarbenen Tönen und erhält durch den charakteristischen Kohlebrand besondere Akzente. Der wilde Verband verleiht der Klinkerfassade Gleichmäßigkeit und sorgt dafür, dass die Fugen nahezu unsichtbar sind. "Wie eine Haut, die sich um das Haus schmiegt", sagt Markus Wüllner von Tor 5 Architekten. Passend zur hellen Klinkersortierung sind die Fensterrahmen und -bänke im Farbton perlbeige gehalten. Das Farbkonzept setzt sich darüber hinaus im Inneren der Häuser fort, z. B. durch die Wahl der Badezimmerfliesen und des Laminats. Ein Highlight in der Fassadengestaltung sind die abgerundeten Balkone. "Mit ihnen reagierten wir baulich auf die Straßenecke", erklärt Wüllner. Die gerundeten Formsteine hat Hagemeister eigens für das Projekt maßgefertigt und die Balkone als Fertigteilstürze geliefert. Die geschlossene Brüstung wahrt die Privatsphäre auf den privaten Außenräumen.

Dabei musste das Architekturbüro zunächst Überzeugungsarbeit leisten, um die Klinkerfassade durchzusetzen. "Doch bei Mietshäusern rechnen sich die Mehrkosten auf lange Sicht, da eine Klinkerfassade beständig ist und nicht pflegebedürftig", erläutert Wüllner. Regelmäßige Instandhaltungsmaßnahmen entfallen. Dennoch: Eine solche Gestaltung sei für das Preissegment Herner Mietshäuser außergewöhnlich. Bei den vier Einzelhäusern, die dem KfW 55 Standard entsprechen, handelt es sich um eine zweischalige Bauweise mit Klinkermauerwerk. Die Außenwand, in der eine 18 cm dicke Schicht Dämmstoff verbaut ist, hat eine Stärke von rd. 0,5 m. "Aus Gründen der Nachhaltigkeit haben wir uns gegen ein Wärmeverbundsystem mit Styropor entschieden", so Wüllner. "Klinker sind eine tolle Lösung für energetisch gute Projekte, denn mit ihnen outet man sich optisch nicht".

Ein Nahwärmenetz mit Erdwärme-Wärmepumpe und Photovoltaikanlagen auf den Dächern versorgen die Wohngebäude mit Wärme und Energie. Auf eine ausgedehnte Planungsphase folgte eine insgesamt zweijährige Bauphase. Die Strünkeder Höfe kommen gut an: Sämtliche Wohnungen waren bereits lange vor Fertigstellung vermietet und wurden ab Anfang 2017 bezogen.

Nicht zuletzt dank der parkähnlich angelegten neuen Grünflächen und der Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss der Gebäude ist ein lebendiges, attraktives städtisches Quartier entstanden, das für weitere Wohnbauprojekte in Herne und dem gesamten Ruhrgebiet eine Vorreiterfunktion einnimmt. Diese hat der Bund Deutscher Architekten am 9. Oktober 2017 mit seiner Auszeichnung für gute Bauten anerkannt.

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