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Einfamilienhaus

Wärmedämmziegel mit Sichtziegelschale kombiniert

Baustoffe, Dämmstoffe, Mauerwerksbau

Wohnhaus im Münchener Süden: Das lebendig wirkende Sichtmauerwerk aus kohlegebrannten Wasserstrichziegeln harmoniert perfekt mit der umgebenden Bepflanzung.

München (ABZ). – Moderne Architektur kann auch im Umfeld einer älteren Bestandsbebauung optisch überzeugen. Dies beweist das Ende 2014 fertiggestellte Ein-familienhaus im Münchener Stadtteil Harlaching. Hier setzte das Architekturbüro "Schindhelm Architekten" eine zeitgemäß hochwertige Baukörpergestaltung mit massiven Ziegelprodukten um.

Dabei vereint die zweischalige Außenwand die nachhaltige Qualität von hochwärmedämmenden Planziegeln mit der Ästhetik eines Sichtmauerwerkes.

Das Einfamilienhaus liegt im Münchner Süden unweit des bekannten Tierparkes Hellabrunn im Stadtteil Harlaching. Mit seinen vorwiegend in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erbauten Häusern gehört das Stadtquartier zu den beliebtesten Wohnvierteln der bayerischen Landeshauptstadt. Ein zentrales Merkmal sind seine zahlreichen großen Gärten. Sie verhalfen dem Viertel zu seinem Beinamen "Gartenstadt".

Der Neubau ersetzt ein altes baufälliges Wohnhaus mit Satteldach durch einen kompakten Baukörper mit Flachdach. Die an die Bestandsbebauung angepasste Hausgröße und die heterogenen Dachformen der Umgebung ließen die moderne Gestaltung zu. Im Gegensatz zu den Nachbarhäusern verfügt das dreigeschossige Gebäude über ein zurückspringendes Dachgeschoss. Neben seiner besonderen Bauform fällt es aber vor allem aufgrund seines Ziegelsichtmauerwerks ins Auge. Die Planer vom zuständigen Architekturbüro "Schindhelm Architekten" wählten wegen ihrer materialtypischen Detaillierung und handwerklichen Lebendigkeit eine Vormauerschale aus Wasserstrichziegeln. "Optisch erzielt die Ziegelschale einen lebendigen Dialog mit den präzise gesetzten Holz-Aluminium-Fenstern. Deren Öffnungsregie bildet zusammen mit der Baukörperstaffelung ein asymmetrisches Gleichgewicht in der allseitig orientierten Baumasse", erklärt Architektin Nicola Schindhelm. "Somit sind die Qualitäten des vom Garten umspielten Punkthauses zu jeder Tages- und Jahreszeit maximal erfahrbar."

Wasserstrichziegel entstehen, indem Ton mit Hilfe von Wasser durch eine Handform gestanzt wird. Sie werden deshalb auch als Handformziegel bezeichnet. Der geformte Ton reagiert nach dem Verlassen der Stanze in Kontakt mit Wasser und Luft. In Folge dessen entsteht die typische schlierenhafte Oberfläche des Ziegels. Laut Definition der europäischen Mauerziegelnorm DIN EN 771-1 und der Norm DIN 105-100 ist die unregelmäßige Oberflächenstruktur das maßgebliche Charakteristikum eines Handformziegels. Die spezielle Brennatmosphäre des Kohlebrandes verleiht jedem Ziegel anschließend seinen individuellen Farbton.

In enger Abstimmung mit der Bauherren-Familie entwarf die Architektin einen Grundriss, der sich von der Diele aus entwickelt. An diese schließt sich ein zweiläufiges Treppenhaus mit großem Nordfenster an, das dem Hausflur Licht spendet. Im Erdgeschoss erweitert sich die Diele nach Osten zu einem Wohnzimmer. Es nimmt die gesamte Breite des Hauses ein und gibt dank großer Fenster den Blick auf den Garten frei. Die Küche ist räumlich vom übrigen Wohnbereich getrennt und nimmt Bezug zur Straßenseite. Raumschalen im Gebäude sind weiß verputzt, Türen und Einbaumöbel weiß lackiert. Ergänzend sorgen Fußböden aus Eichenholz für ein behagliches Ambiente. Während das erste Obergeschoss inklusive Sanitärräume für die Schlafzimmer der zwei Kinder und ein Gästezimmer reserviert ist, befindet sich im Dachgeschoss der Elternbereich. Hier ergibt sich durch die Rückstaffelung der Geschosse eine umlaufende Dachterrasse. Von mehreren Seiten aus begehbar, erweitert sie die Innenräume nach außen. Alle Räume des Hauses erhalten durch die Anordnung der Fenster von zwei Seiten Tageslicht, wobei alle Wohnräume zusätzlich auf die Gartenseite ausgerichtet sind.

Mit der Entscheidung für eine zweischalige Ziegelbauweise ließen sich die optischen Vorteile traditioneller Handformziegel optimal mit den bauphysikalischen und ökologischen Pluspunkten moderner Hintermauerziegel verknüpfen. "Der hohe Anspruch an die Nachhaltigkeit erforderte beim Hintermauerwerk zwangsläufig den Einsatz eines hochwärmedämmenden Mauerziegels, der sich zugleich als umweltgerechter Baustoff erweisen musste", so die Architektin. Nach intensiver Beratung durch die Ziegelwerke Leipfinger-Bader KG fiel die Wahl auf den "Unipor W08 Coriso"-Ziegel. Mit seiner rein mineralischen Dämmstoff-Füllung bietet er die maßgeschneiderte Lösung für die baulichen Anforderungen. So erreicht der Coriso-Ziegel aufgrund seiner Wärmeleitfähigkeit von 0,08 W/mK bei einer Wandstärke von 36,5 cmeinen geringen Wärmedurchgangskoeffizienten der Außenwand von 0,21 W/m²K. Zugleich genügt er mit einer relativ hohen zulässigen Druckspannung von 0,8 MN/m² auch den statischen Erfordernissen.

Insgesamt ergab sich mit Innenputz (1,5 cm), einer mineralischen Kerndämmung (2 cm) und der 11,5 cm dicken Außenschale eine Wanddicke von 50 cm. Trotz des hohen Wärmeschutzes wurde ein bestimmter Energieeffizienzhausstandard nicht angestrebt. Zur Umweltschonung sah man für eine unterstützende Warmwasserbereitung noch die Installation einer Solaranlage vor. Mit der Rohbauausführung wurde die Gross Bauunternehmen GmbH aus Sauerlach beauftragt. Ihre Maurer erstellten das Coriso-Hintermauerwerk gemäß der bauaufsichtlichen Zulassung Z-17.1-935 des planeben geschliffenen Ziegels mit deckelndem Dünnbettmörtel. Um zügig einen gleichmäßigen und vollflächigen Mörtelauftrag von 3 mm Dicke zu gewährleisten, wurde der Mörtelschlitten Unimaxx genutzt. Als Mörtel kam der für die deckelnde Vermörtelung konzipierte Dünnbettmörtel "maxit mur 900 D" zum Einsatz. Neben der Mörtelersparnis von ca. 85 % konnte gegenüber einer herkömmlichen Mauerwerkserstellung mit Normalmörtel die Verlegezeit um durchschnittlich bis zu 30 % reduziert werden. Dazu trug auch die hohe Verarbeitungsfreundlichkeit des Coriso-Ziegels bei. Aufgrund der Nut-Feder-Ausbildung der Steinstirnseiten konnte so mörtel- und zeitsparend auf eine Stoßfugenvermörtelung verzichtet werden. Der Mauerziegel ließ sich ebenso wie ungefüllte Planziegel problemlos zuschneiden, ohne ein Herausrieseln der Dämmstoff-Füllung zu riskieren.

Baustoffe, Dämmstoffe, Mauerwerksbau

Entlang der Wohnräume im Dachgeschoss verbindet die Terrasse Innen- und Außenbereich. Das Gebäude fügt sich optisch gut in den Straßenzug in München-Harlaching ein.

Nach dem Setzen und Aushärten der Ziegel entstand ein fast fugenloses Mauerwerk, das mehrere bauphysikalische Pluspunkte aufweist: Aufgrund der geringen Lagerfugendicke von 1 mm und der hohen Druckfestigkeit des Dünnbettmörtels (M10 gemäß DIN EN 998-2) verdoppelte sich seine Druckfestigkeit gegenüber Wänden, die im Dickbettverfahren erstellt wurden. Dadurch konnte für das dreigeschossige Gebäude eine hohe Tragfähigkeit der Außenwände sichergestellt werden. Außerdem verbesserte sich durch das deckelnde Mörtelband neben dem Wärmeschutz auch die Schalldämmung in vertikaler Richtung.

Ende November 2014 konnte die Bauherren-Familie ihr neues Domizil beziehen. Nicht nur sie war mit dem Ergebnis der Bauausführung sehr zufrieden: Auch der bayerischen Architektenkammer gefiel das Objekt. So wurde das Einfamilienhaus als ein besonders vorzeigenswertes Wohnbau-Projekt vom Architektenkammer-Beirat für die jährliche Leistungsschau "Architektentouren" ausgewählt. Seit 1996 präsentieren Architekten und Stadtplaner bei dem Wettbewerb gestalterisch hochwertige Bauprojekte. Beim Besichtigungstermin Ende Juni 2015 hatten die Teilnehmer vor Ort die Möglichkeit, sich von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Ziegelbauweise zu überzeugen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 10/2016.

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