Entwässerung

Bielefeld setzt Sickermulde-Substrat-Kombination

GOLDBECK GmbH, Baustellen, Entwässerung

Die Sickermulde von Funke besteht aus 50 cm langen, 40 cm breiten und 37 cm hohen Kunststoff-Elementen mit integriertem Mittelschott.

BIELEFELD (ABZ). - Auf Grundlage eines mit der Stadt Bielefeld geschlossenen Erschließungsvertrages hat die ortsansässige Gustav Bokermann Projektierungs- und Immobiliengesellschaft mbH & Co. KG eine ehemalige Brachfläche am Ortsrand des Stadtteils Brackwede für die Wohnbebauung mit Einzel- und Doppelhäusern erschlossen.

Mit Blick auf die hydraulischen Rahmenbedingungen vor Ort und die Gesetzeslage muss im Erschließungsgebiet in Bielefeld-Brackwede ortsnah versickert werden. Die für die Planung zuständige Bielefelder plan.b Ingenieurgesellschaft mbH riet zum Einbau einer Sickermulde. Der Auftragnehmer für die Erschließung des Siedlungsgebietes, die Blomeyer Straßen- und Tiefbau GmbH, realisierte den Bau einer 480 m langen D-Rainclean Sickermulde mit Substrat Klasse D.

Die Kombination aus Sickermulde und Substrat bietet eine professionelle Lösung für den Umgang mit belastetem Oberflächenwasser und erfüllt die Anforderungen des DWA-Arbeitsblattes A 138. Die Kunststoffmulde nimmt das teilweise mit Schadstoffen belastete Niederschlagswasser der öffentlichen Verkehrsflächen auf und gibt es nach der Passage der Substratschicht über die Bodenöffnungen in unbedenklichem Zustand an das Grundwasser ab.

Ausschlaggebend für die Entscheidung, die Regenwasserbewirtschaftung von etwa 3000 m² Pflasterfläche im neuen Wohngebiet "Bochumer Straße" mit einer Sickermulde zu realisieren, war der geringe Platzbedarf der einfach zu wartenden Lösung der Funke Kunststoffe GmbH in Hamm.

Straßenbaufacharbeiter pflastern Straßen des neuen Wohngebietes in Bielefeld-Brackwede, eine weitere Kolonne versetzt in der Mitte der als Erschließungsstraße von der Bochumer Straße abzweigenden neuen Gelsenkirchener Straße die Sickermulde – der im Juni 2014 begonnene Endausbau ist der erfolgreiche Abschluss eines Projektes, für dessen ersten Bauabschnitt die Stadt Bielefeld bereits 2011 den Startschuss gegeben hatte. Damals war zunächst die südlich des Südrings gelegene Brachfläche zwischen Windelsbleicher Straße und Bochumer Straße gerodet worden. Im Anschluss wurden ein Schmutzwasserkanal verlegt und eine Baustraße angelegt, in der Folge wurden die Grundstücke vermarktet und sukzessive bebaut. "Auf der Fläche ist eine reine Wohnbebauung aus Einzel- und Doppelhäusern entstanden, die der Umgebungsbebauung entspricht", erläutert Planer Thomas Goldbeck, "insgesamt handelt es sich um 30 Grundstücke mit je 300 bis 600 m² Größe." Ein Anschluss an das vorhandene Leitungsnetz stellt die Versorgung des Plangebietes mit Wasser und Elektrizität sicher.

Die erforderlichen Leitungen waren bereits in den angrenzenden öffentlichen Verkehrsflächen vorhanden, der in der Gelsenkirchener Straße neu errichtete Schmutzwasserkanal wurde an einen bestehen-den Schmutzwasserkanal in der Bochumer Straße angeschlossen. "Innerhalb der Bochumer Straße und der Straße am Rohrwerk verlaufen zwar auch öffentliche Regenwasserkanäle, aber ein Anschluss kam nicht in Frage", erklärt Goldbeck, da die bestehenden Kanäle bereits durch die Bestandsbebauung hydraulisch ausgelastet gewesen seien. Für die Regenwasserbewirtschaftung des neuen Wohngebietes musste deshalb eine andere Lösung gefunden werden, wobei es die gesetzlichen Vorgaben zu beachten galt. "Laut § 51a Landeswassergesetz ist Niederschlagswasser von Grundstücken, die nach 1996 erstmals bebaut, befestigt oder an die öffentliche Kanalisation angeschlossen werden, vor Ort zu versickern, zu verrieseln oder ortsnah direkt oder ohne Vermischung mit Schmutzwasser über eine Kanalisation in ein Gewässer einzuleiten", so Goldbeck.

In einem ersten Schritt wurde die Versickerungsfähigkeit des Baugrundes gutachterlich untersucht. Ergebnis: Niederschlagswasser kann über die belebte Bodenzone versickert werden – Regenwasser auf den Baugrundstücken dezentral, auf öffentlichen Verkehrsflächen anfallendes Wasser davon getrennt. Im Vorfeld der Baumaßnahme wurden verschiedene Varianten geprüft, darunter Rückhaltebecken, Versickerungsbecken und eine Rasenmulde. In den gemeinsam von plan.b, Blomeyer und Bauherr geführten Planungsgesprächen stellte sich allerdings heraus, dass diese Lösungen zu viel Raum beanspruchten. Nach Rücksprache mit dem Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld entschloss sich der Auftraggeber deshalb dazu, in Brackwede D-Rainclean von Funke einzusetzen. "D-Rainclean hat sich in Einbausituationen bewährt, in denen kein Platz verschenkt werden darf", weiß Funke-Fachberater Ralf Erpenbeck. Kernstück des Systems ist ein 50 cm langen, 40 cm breites und 37 cm hohes, aus PP gefertigtes Kunststoff-Element mit integriertem Mittelschott. Das Schott sorgt dafür, dass das eingebrachte Substrat – eine spezielle Zusammensetzung mit breitem Wirkungsbereich, der unter anderem Filtration, Adsorption, Ionenaustausch und Phosphatrückhalt umfasst – auch bei Starkregen sowie in mit Gefälle verlegten Sickergruben an Ort und Stelle bleibt und verunreinigtes Wasser dauerhaft und gleichbleibend behandelt wird.

Verlegt wurde die Mulde in der Mitte der Straße, und zwar auf einer bereits im ersten Bauabschnitt angelegten vliesummantelten Kiesrigole, auf die vor Setzen der Mulde noch eine Lage Feinsplitt Körnung 2/5 aufgebracht wurde. Mit dem Einbau der Kiesrigole unter der Sickermulde folgte man der Empfehlung des Herstellers, der in seinen Berechnungen einen Boden-Kf-Wert von 1e-05 m/s zugrundgelegt und einen Gesamtbedarf von 480 m Mulde errechnet hatte. Zunächst wurde der Asphalt der Baustraße aufgefräst und die Randeinfassung gesetzt, dann abschnittweise gepflastert und es wurden die D-Rainclean-Elemente eingebaut.

GOLDBECK GmbH, Baustellen, Entwässerung

Nach dem Setzen der Mulden-Elemente und beidseitiger Fixierung mit Ortbeton wird die Mulde mit Substrat befüllt.

Die v-förmige Profilierung der Fahrbahndecke sorgt dafür, dass sich die Straße zur Mitte mit einem Quergefälle von 3 % neigt und das Regenwasser zuverlässig in die Mulde abgeleitet wird. Nach dem Setzen der Mulden-Elemente wird diese beidseitig mit Ortbeton fixiert und zusätzlich der Metallrahmen der Gussabdeckung mit einem Pflasterstein-Läufer auf dem noch frischen Beton eingefasst. Ganz zum Schluss wird die Mulde mit dem Substrat befüllt.

Das D-Rainclean-Substrat bildet insofern eine ausgezeichnete Alternative zur sog. belebten Bodenzone, als die Zusammensetzung herkömmlichen Oberbodens je nach Einbauart, Lieferant und Verarbeiter großen Schwankungen unterliegt und seine Leistungsfähigkeit daher nur grob angenommen werden kann. "Mit dem D-Rainclean-Substrat hingegen erhalten Anwender einen Bodenersatz, der stets gleich Komponenten in gleichbleibender Zusammensetzung enthält und dessen sehr hohe Leistungsfähigkeit über lange Zeiträume beobachtet und bestätigt worden ist – die prognostizierte Standzeit des Substrats liegt bei 20 Jahren."

"Übrigens: D-Rainclean ist das erste System zur Behandlung von belasteten Niederschlagsabflüssen, das vom DIBt eine Bauaufsichtliche Zulassung erhalten hat", ergänzt Erpenbeck.

Zudem ist das System wartungsarm – der Hersteller empfiehlt, die Mulde einmal pro Jahr zu reinigen. Auftraggeber und Auftragnehmer sind mit dem platzsparenden und wartungsarmen System sehr zufrieden: Sämtliche Arbeiten sind einfach von der Hand gegangen, und sämtliche Grundstücke während des Endausbaus zugänglich geblieben – dass der Einbau sich reibungslos vollzogen hat, ist nicht zuletzt das Verdienst der Anwendungstechniker von Funke, welche die Arbeiter vor Ort eingewiesen haben.

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