Epoxidharze

Nur Prävention bei Verarbeitung verhindert Allergien

von:

Jan Westphal

Exposidharze Baustoffe
Aufrollen einer Epoxidharzbeschichtung für den Bodenbereich. Foto: BG Bau

KÖLN - Nur wer professionell mit Epoxidharzen umgeht, kann eine Epoxidharz-Allergie vermeiden. Gezielte Prävention muss bei der Verarbeitung im Vordergrund stehen. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie, die die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) gemeinsam mit dem niederländischen Institut für Arbeitsschutz "Arbouw" durchführte. In Köln wurden auf einer Fachtagung die Ergebnisse der Studie vorgestellt und von Experten interpretiert. Erschreckende Bilanz: Etwa 200.000 Menschen in Deutschland sind bereits gegen Epoxidharz sensibilisiert. Diese Zahl nannte Prof. Dr. med. Johannes Geier vom Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK) auf dem Forum. Zwar seien Epoxidharze in der Bauwirtschaft fast unverzichtbar, doch müssten immer mehr Beschäftigte ihren Beruf aufgeben, weil sie unter Epoxidharz-Allergien leiden, berichtete Hansjörg Schmidt-Kraepelin, Mitglied der Geschäftsführung der Berufsgenossenschaft. Wegen ihrer hervorragenden technischen Eigenschaften werden die Epoxidharze als Boden- und Wandbeschichtung, als Schutz von Fassaden, gegen Korrosion und Säuren oder zum Beschichten von Industriefußböden eingesetzt. Die Bestandteile der Epoxidharze sind hochreaktive Chemikalien. Sie können bei falscher Handhabung, besonders während des Mischens, schlimme Hautallergien, verbunden Schmerzen, Jucken, Kopfschmerzen sowie Rötungen an Händen, Beinen und im Gesicht auslösen. Wer einmal eine Allergie hat, wird sie nicht mehr los. Wenn der Baustoff verarbeitet und ausgehärtet ist, droht keine Gefahr.

Für Heilbehandlungen, Rehabilitationen und Renten von Epoxid bedingten Erkrankungen zahlten die Berufsgenossenschaften in den Jahren zwischen 1999 und 2013 über 54,6 Mio. Euro. Nach Einschätzung von Dermatologen sei das wohl nur die Spitze des Eisbergs, denn viele Beschäftigte arbeiteten trotz Hauterkrankungen weiter, ohne dies anzuzeigen. Alarmierend jedenfalls sei die seit fünfzehn Jahren steigende Anzahl der Erkrankungen. Tausende Menschen sind betroffen und jedes Jahr registrieren die gewerblichen Berufsgenossenschaften knapp 250 neue Fälle.

Deshalb erforschte die BG Bau gemeinsam mit der niederländischen Arbouw (Wissens- und Dienstleistungsinstitut für Arbeitsbedingungen im Bauwesen) die Ursachen, warum Berufstätige durch ihre Arbeit mit Epoxidharzen erkranken: Zwischen 2011 und 2014 wurde eine Untersuchung mit Beschäftigten durchgeführt, bei der eine Fallgruppe von über 500 Erkrankten sowie eine Kontrollgruppe von über 800 nicht Erkrankten befragt wurden. Wichtigste Ergebnisse: Die Erkrankten hantierten ohne chemikalienbeständige Handschuhe; ihre Arbeitskleidung war ungeeignet, bspw. arbeiteten sie in kurzärmligen Hemden; auch wurde der Werkstoff kniend und ohne ausreichenden Schutz der Beine verarbeitet. Sie duschten nicht unmittelbar nach dem Arbeitseinsatz oder wechselten ihre Arbeitskleidung erst zu Hause. Eine gründliche Einweisung durch den Arbeitgeber gab es nicht.

Diese Untersuchung zeige, wie wichtig der professionelle Umgang mit Epoxidharzen ist, stellte Schmidt-Kraepelin klar. Eine Ausweichmöglichkeit auf alternative Baustoffe gebe es leider nicht. Also definierte man gezielt Präventionsmaßnahmen, erklärte Dr. Ton Spee von der Arbouw, der die Studie entwickelte. Als Beispiel zeigte er ein Baustellenfahrzeug, in dem die Mitarbeiter nach Feierabend erst die Arbeitskluft ablegen und duschen müssten, bevor sie ihre normale Garderobe wieder anziehen können. Laut Dr. Reinhold Rühl, Leiter des Bereichs Gefahrstoffe der BG Bau, hätten die Verantwortlichen in den Betrieben darauf zu achten, dass ihre Mitarbeiter die Vorgaben der Betriebsanweisungen und Sicherheitsdatenblätter beachten. "Bei der Arbeit ist für eine ausreichende Lüftung zu sorgen.

Bei Spritzverfahren und beim Einsatz von lösemittelhaltigen Produkten muss zusätzlich Atemschutz verwendet werden", so Rühl. Insbesondere sei wichtig, einen direkten Hautkontakt mit Epoxidharzen zu vermeiden. Das gelte auch für das Mischen der Komponenten Harz und Härter. Am besten sei es die Gebinde in geschlossenem Zustand zu mischen. Um den Hautkontakt zu verhindern, gebe es Verarbeitungsgeräte mit Spritzschutz, langstielige Roller, Wisch- und Verteilergeräte sowie Handrührwerke mit stufenlos regelbarer Rührgeschwindigkeit.

Selbstverständlich müssen die Beschäftigten geeignete Schutzanzüge, wie Overall, Schutzhose oder eine Schürze, tragen, ebenso wie Schutzbrillen und spezielle Handschuhe. Bei lösemittelhaltigen Epoxidharzen sind oft nur Handschuhe aus Fluorkautschuk geeignet. "Aber im privaten Bereich haben Epoxidharze gar nichts zu suchen", betonte Dr. Reinhold Rühl mit Blick auf die bei Discountern oder in Baumärkten angebotenen Epoxidharzerzeugnisse.

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