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Erweiterung des Serlachius-Museums Gösta

Im Spiel mit der Natur entstanden

Fassadengestaltung, Fassaden

Eine interessante Glas- und Holzfassade kennzeichnet den Entwurf des spanischen Architekturbüros MX-SI.

Mänttä-Vilppula/Finnland (ABZ). – Mitten in den finnischen Wäldern verbergen sich manchmal ungeahnte Schätze. So auch im kleinen Ort Mänttä-Vilppula nördlich von Tampere. Mit der Eröffnung des Gösta-Pavillon hat das dortige Serlachius-Museum Gösta endlich einen würdigen Platz für die private Kunstsammlung seines Namensgebers gefunden. In der auffallenden Glas- und Holzfassade des neuen Anbaus spiegelt sich im wahrsten Sinne des Wortes das Wesen des Nordens – Wasser und Wald.

Doch die Wahl der Baumaterialien ist nicht die alleinige Reminiszenz an die gewaltige Natur rund um die Heimat des Industriellen und Kunstsammlers Gösta Serlachius. Denn der Entwurf des spanischen Architekturbüros MX-SI, Barcelona, verbindet sich mit dem umliegenden Gebäudebestand und der gewachsenen Landschaft zu einer einzigartigen Szenerie. Die gesamte Konstruktion des Anbaus besteht aus 100 parallelen außen wie innen sichtbaren Brettschichtholzrahmen, durchbrochen von hohen Verglasungen. Gleich einem abstrakten Wald, dessen Stämme je nach Richtung neue Sichtachsen freigeben, verschmilzt der Gösta-Pavillon mit seiner Umgebung. Die teilweise in tiefe Gebäudeeinschnitte integrierten Structural-Glazing-Fassaden spiegeln haushoch das Grün des alten Baumbestands auf dem parkähnlichen Gelände. Ihre Entsprechung finden die spiegelnden Glasflächen in der dreidimensionalen Struktur der Holzfassade: Entlang des Gebäudes klappen die schmalen vertikal verlaufenden Fichtenholzelemente immer weiter auf und geben mehr und mehr Verglasungen frei. Ob beim Blick von außen nach innen oder andersherum – die Konturen zwischen Gebäude und Natur scheinen sich regelrecht aufzulösen. Ohne Glas wäre dieser Effekt nicht zu erzielen. Daher besetzen die silikonversiegelten Verglasungen eine der Hauptrollen der ungewöhnlichen Fassade. Sie alle wurden von der finnischen Firma Seloy, Huittinen, mit einem Dichtstoff von Kömmerling gefertigt. In den geklebten Elementen verbirgt sich ein besonderes Warme-Kante-System, das aufgrund seines flexiblen Randverbunds den extremen thermischen Belastungen der nordischen Witterung problemlos gewachsen ist. Kern der Abdichtung ist der Dichtstoffabstandhalter Ködispace 4SG von Kömmerling (siehe Interview). Mit diesem Warme-Kante-System sind die Isoliergläser außerordentlich robust, belastbar und langlebig – also perfekt geeignet für die bauphysikalischen Eigenheiten des Structural Glazing.

Darüber hinaus verhilft die präzise robotergesteuerte Herstellung mit Ködispace 4SG den Glaselementen zu einer außerordentlichen Ästhetik: Kein unschöner Versatz der Abstandhalter bei den 3-fach-Isoliergläsern, keine störenden Lichtreflexionen durch Metallprofile. Der schwarze Dichtstoff lässt den Scheibenzwischenraum nahezu unsichtbar werden. Ungehindert gelangt jeder Blick aus dem Museum hinaus und unterstützt so die Illusion des fließenden Übergangs zwischen Gebäude und Natur.

Der 135 m lange und bis zu 17 m hohe Pavillon ist durch einen Glaskorridor an die ehemalige Privatresidenz der Familie Serlachius, das Joenniemi Manor, angebunden. Das altehrwürdige Backsteinhaus mit dem Kupferdach liegt auf einem Plateau direkt am See Melasjärvi und dominiert das 5700 m umfassende parkähnliche Grundstück. Dezent parallel zur Hauptachse, welche Villa, Seeufer und die Brücke zur gegenüberliegenden Insel Taavetinsaari verbindet, liegt der Neubau. Das Ensemble strukturiert die Landschaft, ohne sie einzuengen. Gleichzeitig umrahmt es die Teile der Außenanlage, die als Ausstellungsfläche genutzt werden.

Mit dem Neubau vergrößert sich die bereits vorhandene Museumsfläche von 500 m in der Villa auf insgesamt 1500m. Drei Ausstellungsbereiche beinhaltet der Gösta Pavillon, dazu Foyer, Restaurant, Veranstaltungsraum, Lager und Museumsshop. 20 Mio. Euro hat die Kunststiftung Serlachius in den Anbau investiert, nach 18 Monaten Bauzeit wurde der Pavillon eröffnet. Neben der Dauerausstellung der Gösta Serlachius Kunstsammlung sind wechselnde Ausstellungen finnischer und internationaler Künstler zu sehen.

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