Anzeige

ESO Supernova Planetarium in Garching

Sonderschalungen von Doka an den "Grenzen des Baubaren"

Von Robert Bachmann

Doka, Baustellen, Betonbau und Stahlbetonbau, Schalungstechnik

Das ESO Supernova Planetarium in Garching b. München: Die Architektur des Gebäudes ist an das astronomische Phänomen der Supernova angelehnt, bei dem zwei Sterne miteinander verschmelzen.

Weitere Fotos

Mehr Bilder zu diesem Projekt sehen sie hier.

Garching b. München. - Unter dem Namen ESO Supernova entsteht in Garching bei München aktuell ein ehr-geiziger Neubau. Aus rund 5100 m³ Beton formen Sonderschalungen von Doka dort ein Planetarium, das architektonisch zu den wohl anspruchsvollsten Projekten gehört, an denen das Unternehmen bislang beteiligt war.

Ein "Herantasten an die Grenzen des Baubaren" nennt Siegfried Huber das, woran er und sein Team von der Grossmann Bau GmbH & Co. KG zusammen mit dem Schalungshersteller Doka, den Architekten Bernhardt + Partner sowie dem für die Tragwerksplanung zuständigen Ingenieurbüro Bollinger + Grohmann seit Februar dieses Jahres arbeiten. Unter Hubers Leitung entsteht in Garching, rund 18 km nördlich von München, ein neues Planetarium mit Besucherzentrum für die European Organisation for Astronomical Research in the Southern Hemisphere (dt.: Europäische Südsternwarte, kurz: ESO).

Die Idee entstand im Austausch mit der Klaus Tschira Stiftung, die zusammen mit der ESO bereits das Haus der Astronomie in Heidelberg verwirklichten. Die als Schenkung für die ESO realisierte Einrichtung soll der Öffentlichkeit die Faszination und Bedeutung der Astronomie näherbringen.

Doka, Baustellen, Betonbau und Stahlbetonbau, Schalungstechnik

Die besondere Herausforderung des Projektes: Mittels Sonderschalung müssen gleichzeitig geneigte und gekrümmte Wände hergestellt werden.

Was das Gebäude zu einem echten Unikat macht, ist seine extravagante Formgebung, wie Architekt Axel Müller von Bernhardt + Partner aus Darmstadt erklärte. Wie der Name bereits erahnen lässt, orientiert sich der Entwurf an dem astronomischen Ereignis einer Supernova, d. h. einem Doppelsternsystem, in dem ein Stern seine Masse auf den anderen überträgt, wobei es zu einer gewaltigen Explosion kommt. Dieser Vorgang findet in der Kubatur des Gebäudes seine Entsprechung in zwei ineinander übergehenden Kuppeln, die im Grundriss einer liegenden Acht ähneln. Eine der beiden Kuppeln wird später das Planetarium beherbergen, während die andere für das geplante Besucherzentrum vorgesehen ist. Die Aufgabe, gleichzeitig geneigte und gekrümmte Wände zu betonieren, wird zusätzlich dadurch erschwert, dass deren Oberfläche nicht durchgehend eben ist, sondern Ausbrüche aufweist.

Bereits in der Entwurfsphase forderte dieses spezielle Vorhaben ein unkonventionelles Vorgehen, so Müller. Die Architekten entschieden sich aufgrund der besonderen Komplexität des Projektes schnell dazu, eine klassische CAD-Planung zugunsten eines parametrischen Ansatzes zu verwerfen. D. h., anstatt ein starres Modell zu entwerfen, welches im Zuge der Planungsphase ein ums andere Mal aufwändig verändert bzw. erweitert werden muss, verwendeten die Architekten eine leistungsfähige Software, welche aus einer Vielzahl an variablen Parametern selbstständig das Gebäudemodell errechnet. Der Vorteil: Kommt es in der Planungsphase zu Änderungswünschen, Anpassungen o. Ä., müssen lediglich die entsprechenden Parameter angepasst werden und das Modell wächst parallel mit, ohne dass jedes Mal eine aufwändige Neukonzipierung stattfinden muss.

Auf Grundlage der so erstellten Modelldaten lieferte das Ingenieurbüro Bollinger + Grohmann die Tragwerksplanung. Nach Abschluss der umfangreichen Vorplanung konnte schließlich das Bauunternehmen Grossmann in Aktion treten. Kein alltägliches Projekt, wie Bauleiter Huber den Pressevertretern vor Ort erklärte. Wenngleich sich die Projektbeteiligten darauf geeinigt hatten, zu dem als Schenkung der Tschira Stiftung realisierten Gebäudes keine Summen öffentlich zu machen, stellt Huber klar, dass der wirtschaftliche Aspekt bei diesem Projekt nicht im Vordergrund steht. Für Grossmann ist das ESO Supernova in erster Linie ein erstklassiges Referenzobjekt bzw., wie Huber es ausdrückt: "Schwieriger geht eigentlich nicht. Derartiges zu realisieren, kann nicht jeder leisten."

Entscheidend sei dabei vor allem die Wahl des richtigen Schalungspartners, so Huber. Von den wenigen Herstellern, die überhaupt in der Lage gewesen seien, ein solches Projekt mit zu realisieren, habe Doka sowohl durch sein umfassendes Leistungspaket (von der 3D-Planung über die Elementmontage bis hin zur Entsorgung der verwendeten Schalungsteile) als auch die entsprechende Logistik überzeugen können. Auch für den Schalungshersteller kein Kinderspiel, wie Jochen Ranger und Gerhard Deisenhofer von der Doka-Niederlassung in München berichteten. Entsprechend der hochgradig komplexen Architektur des Gebäudes galt es, rund 7800 m Sonderschalungen zu fertigen. Jedes Schalungselement ist dabei ein Einzelstück, jeder Betoniertakt verschieden. Neben den hohen Anforderungen an die Genauigkeit musste vor allem die Logistik stimmen. Jedes Element musste just-in-time auf die Baustelle geliefert und nachher wieder zurückgeführt werden, um schließlich auch die Wirtschaftlichkeit des Projektes zu gewährleisten.

Doka, Baustellen, Betonbau und Stahlbetonbau, Schalungstechnik

Vor Ort erklärten Bauleiter Siegfried Huber von der Firma Grossmann Bau und Gerhard Deisenhofer von der Doka-Niederlassung in München die Besonderheiten des Projekts.

Zum Einsatz kamen Elementroste der Trägerschalung Top 100 tec. Deren hoch belastbare Komponenten (WU 14-Riegel und Itec 20-Träger) erlauben größere Freiheitsgrade bei der Platzierung der 20er-Anker. In dieser Kombination nimmt die Schalung höchste Betondrücke bei geringsten Verformungen auf. Beste Voraussetzungen, um die teils 18 m hohen und bis 23,5° geneigten Wände exakt herzustellen. Die Feinanpassung an Radius und Wandvorlagen erfolgt durch aufgesetzte Formkästen. Sie sind mit einer 8 mm starken Plexplatte belegt und sorgfältig auf einer Sparschalung verschraubt.

Die gesamte Montage der Schalelemente fand im Fertigservice der Doka im nahegelegenen Maisach statt. Neben höchster Präzision bei der Herstellung war vor allem eine enge Abstimmung mit der Baustelle erforderlich, um eine just-in-time-Montage und –Anlieferung zu gewährleisten. Vor Ort wird jedes der individuell gefertigten Elemente nur ein einziges Mal benutzt, geht anschließend wieder in den Fertigservice und wird dort entweder entsorgt oder für den Folgeeinsatz umgebaut.

Die passenden Elemente zur richtigen Zeit griffbereit zu haben, ist allerdings nur die halbe Miete, wie Siegfried Huber erklärte. Auch die richtige Platzierung der Schalung ist bei derartig komplexen Sonderschalungseinsätzen von höchster Wichtigkeit. Hierzu wird jedes Element per Tachymeter eingemessen. Zur Orientierung dienen Messpunkte, die zuvor auf der Schalhaut angelegt wurden, sowie ein Koordinatennetz für die gesamte Baustelle, in dem die Position aller Elemente genauestens festgelegt ist. Zur Sicherheit wird die Platzierung vor der Betonage durch unabhängige Beteiligte zweimal zusätzlich überprüft.

Für die nötige Sicherheit und Begehbarkeit der Baustelle sorgen ebenfalls Produkte aus dem Hause Doka. Die geneigten Wandschalungen stehen in den aufgehenden Takten stabil und sicher auf einer Unterstellungskonstruktion aus dem Traggerüst Staxo 100. Als Oberkonstruktion montierte der Doka-Fertigservice eine Bühnenebene mit 3 m Breite aus Elementen der Trägerschalung Top 50. Diese bietet der Baumannschaft uneingeschränkte Bewegungsfreiheit. Darauf wird auch die Schalung kraftschlüssig abgestellt und gegen Windangriff gesichert. Auf der Außenseite sind Schutzgitter aus dem Seitenschutzsystem XP angebracht.

Doka, Baustellen, Betonbau und Stahlbetonbau, Schalungstechnik

Jedes Schalungselement ist ein Einzelstück, dass im Fertigungsservice der Doka in Maisach hergestellt wurde.

Auch bei der Frage, wann ein Betoniertakt gefahrenfrei ausgeschalt werden kann, gehen die Projektverantwortlichen kein Risiko ein. Hier kommt das von Doka angebotene Monitoring-System "Concremote" zum Einsatz. Dabei messen Sensoren in Echtzeit die Festigkeitsentwicklung des frisch verarbeiteten Betons. Über das Mobiltelefon kann sich der Bauleiter jederzeit über den aktuellen Stand informieren und erhält Nachricht, wann die gewünschte Festigkeit erreicht ist und entsprechend ausgeschalt werden kann.

Wie auch auf den Live-Bildern einer vor Ort installierten Webcam (www.supernova.eso.org/germany) zu erkennen, ist der Bau bereits erkennbar voran geschritten und lässt die eindrucksvolle Formgebung des Planetariums schon erkennen. Die Eröffnung der Einrichtung ist für 2017 geplant. Nicht zuletzt durch die hervorragende Zusammenarbeit der Projektbeteiligten sieht alles danach aus, dass dieser Termin gehalten werden kann.

https://jobs-in-gruen-und-bau.de/index.php?id=123&tx_patzerboerse_paboeplugin[unterthemen]=201++310++180&no_cache=1

Unbegrenzter Zugriff auf alle Online-Inhalte:

Lernen Sie ABZPLUS kennen

Als PLUS Abonnent genießen Sie unbegrenzten Zugriff auf das Online-Portal der Allgemeine Bauzeitung ABZ mit allen Artikeln der Print- und Onlineversion!

Optimiert für Desktop-PCs und als Mobilversion.

Jetzt mehr erfahren

ABZ ePaper
Anzeige

Weitere Artikel