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Euler Hermes-Studie

Globale Baubranche auf der Kippe

Hamburg (ABZ). – Der weltweite Bau-Boom neigt sich nach zehn Jahren dem Ende zu. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Studie des Kreditversicherers Euler Hermes. 2018 verzeichnet die Branche demnach mit +3,5 % zwar nochmals einen neuen Wachstumsrekord. Allerdings sei dies voraussichtlich der Wendepunkt: Danach trüben sich der Studie zufolge die Aussichten sukzessive ein – mit +3,1 % für 2019 sowie einem weiteren Rückgang beim Wachstum in den Folgejahren parallel zur Entwicklung des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Einzig gegen diesen langfristigen Trend: Deutschland. Dort sei bisher sowohl beim Boom als auch beim Geschäftsklima in der Branche noch keine Eintrübung abzusehen. "Die deutsche Baubranche ist fast wie ein kleines gallisches Dorf bei Asterix und Obelix, das sich dem allgemeinen Trend widersetzt", sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. "2018 ist zwar ein leichter Rückgang beim Wachstum zu beobachten, allerdings wird sich dieser – im Gegensatz zum weltweiten Trend – 2019 voraussichtlich nicht fortsetzen. Alles deshalb rosarot zu sehen, wäre dennoch gefährlich: Die jüngsten Euler Hermes Daten deuten darauf hin, dass die Zeit vorbei ist, in der sich die Liquidität und Bonität der Branche Jahr für Jahr verbessert haben. Seit Anfang 2018 steigen nach jahrelangem Rückgang die Pleiten im Bausektor in Deutschland wieder an."

In den vergangenen zwölf Monaten kam es laut Euler Hermes zu 3365 Insolvenzen in der deutschen Baubranche. Das ist noch ein leichter Rückgang um 3% im Vergleich zum Vorjahrszeitraum. Seit Jahresbeginn 2018 waren es jedoch 2305 Pleiten, was einen Anstieg um 3 % im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2017 bedeute.

"Die Zahlungsmoral einer Branche ist ebenfalls ein wichtiges Frühwarnsystem, wenn sich eine Trendwende abzeichnet", sagt Van het Hof. Noch sei die Zahlungsmoral in der deutschen Baubranche besser als der bundesweite Durchschnitt - aber sie habe sich zuletzt verschlechtert. 2016 hätten Unternehmen der Baubranche nach durchschnittlich 47 Tagen ihr Geld erhalten. 2017 seien es schon vier Tage länger gewesen.

Trotzdem steht laut der Euler Hermes Studie die deutsche Baubranche weiterhin deutlich besser da als ihre weltweiten Pendants. Der private Konsum und Investitionsaktivitäten sind weiterhin positive Treiber ebenso wie die günstigen Finanzierungskonditionen. Ein relativ niedriger Verschuldungsgrad unterscheide die deutschen Unternehmen von der internationalen Konkurrenz. Bisher hatten die Unsicherheiten durch einen drohenden Handelskrieg sowie das insgesamt leicht eingetrübte Geschäftsklima noch keine negativen Auswirkungen auf die stark auf den nationalen Markt fokussierte Branche.

Die weltweite Baubranche habe allerdings zunehmend Probleme. Das Wachstum kühle sich mit + 3 % nach zehn Jahren 2019 langsam etwas ab (2018: +3,5%). Die Zahlungsmoral sei zudem deutlich schlechter als in Deutschland: Rechnungen in der Baubranche werden im globalen Schnitt erst nach rd. 85 Tagen bezahlt (Deutschland: 51 Tage).

Der leichte Wachstumsrückgang im globalen Bausektor sei jetzt noch nicht so dramatisch, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe und stellvertretender Chefvolkswirt der Allianz. Allerdings seien die Unternehmen nicht ausreichend auf das Ende des Bau-Booms vorbereitet. "Unsere Daten zeigen, dass das durchschnittliche Kreditrisiko der Branche gestiegen ist – obwohl die wirtschaftlichen Bedingungen sich deutlich verbessert haben. Wir sehen eine Verschlechterung in drei Bereichen: Nachfrage, Profitabilität und Liquidität."

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 50/2018.

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