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Expo 2020 in Dubai

Das Juwel in der Krone

Von Christian Brensing

Die Al Wasl Plaza, Zentrum der Expo 2020, im Bau mit Betonskelettbauten der Themen-Pavillions.

Berlin/London. – Die Baumesse BIG 5, die alljährlich im November in Dubai stattfindet, profiliert sich zunehmend nicht nur durch eine stetig steigende Zahl von Ausstellern und Besuchern, sondern auch mittels eines immer anspruchsvolleren Begleitprogramms. So bietet die Veranstaltung neben diversen Foren auch den "Excellence in Construction Summit" an, auf dem hochkarätige Präsentationen stattfinden. In diesem Rahmen stellte das Management der Weltausstellung Expo 2020 Dubai im vergangenen Jahr erstmals ihre Pläne vor. Allerdings verriet der Senior Vice President der Expo 2020 Najeeb Mohammed Al Ali damals noch keine Einzelheiten, die über Absichtserklärungen hinausgingen. Auf der diesjährigen BIG 5 wurden jedoch weitere Details und ein Überblick über die begonnenen Bauarbeiten von dem dafür verantwortlichen Vice President – Real Estate and Delivery, Ahmed Al Khatib, bekannt gegeben.

In den kommenden drei Jahren, bis zur Eröffnung der Weltausstellung im Oktober 2020, will man die entscheidenden Weichen gestellt haben, sodass spätestens bis ein Jahr vor der offiziellen Eröffnung alle großen Baumaßnahmen abgeschlossen sein sollen. Entsprechende Investitionen mit einem Auftragsvolumen von 2,53 Mrd. Euro (11 Mrd. AED) – die Hälfte davon im Bausektor – wurden mit dem Start der Baustelle auf den Weg gebracht. Mitte 2016 startete man mit Logistik- und Infrastrukturmaßnahmen. Der erste Bauabschnitt soll bis April 2018 und der zweite bis Ende 2018 fertiggestellt werden.

Verkehrstechnisch liegt das Expo Gelände inmitten der Wüste an einem Autobahnkreuz in unmittelbarer Nähe des seit 2010 in Phasen eröffnenden Al Maktoum International Airport, der wiederum geographisch zwischen den Zentren von Dubai und Abu Dhabi liegt. Die jüngsten Bauvergaben galten dem Bau der Al Wasl Plaza, die das Zentrum des Expo 2020 Geländes darstellt. Die italienisch-emiratische Firma Cimolai Rimond ME erhielt den Zuschlag für einen 67,5 m hohen und im Ø 150 m großen Dom aus Stahl, der Entwurf dafür stammt von den amerikanischen Architekten Adrian Smith + Gordon Gill aus Chicago. Das Stahlgerüst wird in Italien gefertigt und dann per Schiff in den arabischen Golf gebracht. Mit der Beauftragung von Star-Architekten für die Planung der drei Themen Pavillons – "Opportunity" (BIG, Kopenhagen), "Mobility" (Foster & Partner, London), "Sustainability" (Grimshaw, London) und Santiago Calatrava (Zürich) für den Pavillon der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) nahm der Expo 2020 Express schon im vergangenen Jahr gehörig an Fahrt auf. Wie weit die hochfliegenden Pläne gebaute Realität geworden sind, offenbarte eine erste Baustellenbesichtigung im Zusammenhang mit der BIG 5 im November 2017.

Ahmed Al Khatib, "Vice President Real Estate and Delivery" der Expo 2020 Dubai.

Nicht unähnlich einer Seefahrt zeichnen sich die ersten Anzeichen der Expo 2020 Baustelle schon weit vor dem Erreichen des 438 ha großen Areals – der Masterplan stammt von HOK, London – am Horizont der extrem flachen Wüstenlandschaft ab. Zwischen haushohen Expo 2020 Werbetafeln erkennt man die Pylone der 15 km langen Verlängerung der Metrolinie, die von Alstrom (Frankreich), Acciona S.A. (Spanien) und der türkischen Baufirma Gülermak realisiert wird, in den blaugrauen Himmel ragen. Kräne und ein riesiger gelber "Taktkeller" heben im Taktschiebeverfahren die betonierten Fahrbahnträger in ihre Position. Direkt an einer Ausfahrt der mehrspurigen Highway amerikanischer Dimension befindet sich das temporäre Empfangsgebäude der Expo 2020. In untermittelbarer Nachbarschaft davon steht auch das Mock-up des Expo Village als potemkinsches Dorf umgeben von Sandbergen. Die unterschiedlichsten Typen der vorgefertigten Betonfassaden sowie ein hoch aufragendes stählernes Verschattungselement werden an diesem Ort gemäß ihrer Optik und konstruktiven Beständigkeit einem Langzeittest unterworfen. Hier sieht man vollendet, was sonst bisher nur auf dem riesigen Expo 2020 Modell in der Halle des Empfangsgebäudes zu erkennen ist.

Die Fahrt über die Baustelle gleicht einer Safari, nur ohne Tiere. Das Verlassen des Jeeps ist streng verboten und so nähert man sich den Ausschachtungen sowie den aus dem Boden wachsenden Stahlbetonskeletten der Themen-Pavillons in gebührlicher Distanz. Die Bauten um die Al Wasl Plaza sind am weitesten fortgeschritten. Sie stehen auf Tiefgaragen, die jedoch erst nach der Expo ihrem eigentlichen Zweck zugeführt werden. Die in Dubai ansässige Baufirma Al-Futtaim Carillion wurde mit dem Bau der drei Themenbereiche, die insgesamt 136 Pavillons der Länder, NGOs und der Expo 2020 kommerziellen Partner umfassen, beauftragt. Von den Planungen deutscher Firmen ist zzt. noch nichts zu sehen. Das Ingenieurbüro Werner Sobek, Stuttgart, erhielt den Zuschlag für die Verschattungselemente von Wegen und Plätzen, was sich insgesamt auf eine Länge von 6 km erstreckt.

Eine andere maßgebliche Rolle spielen die beiden deutschen Expo 2020 Premium Partner SAP und Siemens. Ganz gemäß des zukunftsträchtigen Mottos der Expo 2020 "Connecting Minds, Creating the Future" widmen sich die beiden deutschen Vorzeigeunternehmen dem Spektrum unserer autonom gesteuerten und digital vernetzten schönen neuen Welt. Echtzeittechnologien (SAP) und eine intelligente Infrastruktur plus Operationen basierend auf einem offenen cloudbasierten IoT-Betriebssystem (Siemens) sollen die Expo 2020 neben einem kulturellen auch zu einem virtuellen Erlebnis werden lassen.

Modell des gesamten, 438 ha großen Expo 2020 Geländes: li. die Expo Village (transluzent) mit Shopping Mall (grau); davor die Metrostation mit Messe- und Ausstellungshallen. Die drei Themen-Pavillions sind gut an den Enden der "Blätter" erkennbar. In der Mitte befindet sich die Al Wasl Plaza noch ohne Dom, re. davon der VAE Pavillon von Calatrava, gut erkennbar auch die drei weiteren Expo Eingänge.

Eines der heute schon oft verwendeten Zauberwörter der Expo Organisatoren ist der englische Begriff "Legacy" (dt. Vermächtnis), womit die Zeit und die Nutzung des Expo Geländes nach der Zeit der Weltausstellung gemeint ist. Eine Metroanbindung, das Expo Village (2100 Wohneinheiten) mit angeschlossener Shopping Mall, die Vorhaltung der Tiefgaragen unter den Pavillons und das vom staatlichen Projektenwickler EMAAR zusammen mit dem Dubai World Trade Center projektierte Konferenz- und Ausstellungszentrum (CoEx) deuten auf eine langfristige und nachhaltige Nutzung des Expo 2020 Areals. Siemens hat als erste internationale Firma beschlossen, seine weltweite Logistikzentrale, inklusive des Portfolios für Flughäfen, Fracht-Infrastruktur und Häfen, hier anzusiedeln. Die zukünftige Siemens-Zentrale ist der erste signifikante Erfolg der post-Expo-2020-Entwicklungsstrategie, er wird sicherlich nicht der letzte und einzige bleiben.

2013 ging der Zuschlag für die Ausrichtung der Weltausstellung an Dubai. Es wird das erste Mal sein, dass in der MEASA Region (Naher und Mittlerer Osten, Afrika und Südasien) eine Veranstaltung dieser Größe und Güte stattfinden wird. Um die letzte Expo, die 2015 in Mailand stattfand, zu toppen, prognostizieren die Veranstalter 25 Mio. Besucher. Der bauliche Grundstein für den Erfolg, und darüber hinaus für die künftige Entwicklung dieser Weltregion, wurde im Sommer 2016 gelegt. Das sich seitdem entwickelnde Baugeschehen reflektiert den hinlänglich bekannten grenzenlosen Optimismus der Vereinigten Arabischen Emirate. Was den deutschen Pavillon betrifft, so wird dieser, wie zuletzt in Mailand, erneut von Koelnmesse organisiert. Welches Team, bestehend aus Architekt, Kreativ-Agentur und einem Bauunternehmen, letztendlich den Zuschlag für den deutschen Expo 2020 Pavillon erhält, wird Ende Juni 2018 bekannt gegeben.

Der Autor ist Fachjournalist und Unternehmensberater aus Berlin/London.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 11/2018.

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