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Fachkräftemangel und steigende Baukosten

Experten empfehlen Partnerschaften

Von Christof Hardebusch

Christof Hardebusch plädiert für alternative Vergabemodelle wie partnerschaftliches Bauen.

Berlin. – Die boomende Baukonjunktur führt vermehrt zu Engpässen und Friktionen zwischen Bauherren und Bauunternehmen. Eine mögliche Lösung stellen alternative Vergabemodelle dar. Zu ihnen zählen auch die Varianten partnerschaftlichen Bauens, wie sie zuletzt im Rahmen des NRW-Baurechtstages empfohlen wurden. In Hamburg gibt es sogar schon eine konkrete Projektumsetzung. Die Bauwirtschaft freut sich über die Auslastung ihrer Kapazitäten: 2018 konnte sich das Bauhauptgewerbe laut Destatis im Vergleich zu 2015 über ein um 34 Prozent höheres Auftragsvolumen freuen. Der Umsatz stieg von September 2018 bis September 2019 um 7,1 Prozent. Bauherren stellt diese Entwicklung vor einige Probleme. Die Baukosten steigen und überschreiten immer öfter die veranschlagten Budgets. Zudem antworten weniger Unternehmen auf Angebotsanfragen – Wenn es um Generalunternehmerleistungen oder TGA geht, teilweise nur noch jedes vierte.

Das liegt auch daran, dass die Anbieter ihre Kapazitäten nicht beliebig ausweiten können. Das zeigt ein überraschender Befund: Laut Bundesvereinigung Bauwirtschaft ging die Zahl der am Bau Beschäftigten trotz Auftragsflut 2019 sogar zurück. Während die Betriebe des Bauhauptgewerbes und des Ausbaugewerbes ihre Mannschaften leicht aufstocken konnten, schrumpfte die Zahl der Gebäudetechniker von 1 675 800 Mitarbeitern im Vorjahr auf nunmehr noch 1 634 000. Offenbar gibt der knappe Arbeitsmarkt mehr nicht her.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich, über die Art der Vergabe von Bauleistungen nachzudenken. Öffentliche Auftraggeber dürfen ihre Vergabepraxis bekanntlich nur in stark eingeschränktem Maße verändern. Wenn sie von der klassischen Trennung zwischen Planung und Ausführung abweichen, müssen sie es explizit gegenüber den Aufsichtsbehörden begründen. Privaten Bauherren hingegen steht eine Vielzahl von Vergabemodellen offen.

Die klassische Fachlosvergabe bringt dabei aus den oben genannten Gründen höhere Risiken mit sich. Weder Budgets noch Terminpläne lassen sich mit ihr noch zuverlässig einhalten. Wer Geld und Zeit möglichst im geplanten Rahmen halten will, kann sich für partnerschaftliche Vergabemodelle nach angelsächsischem Vorbild optieren. Im Partnerschaftsmodell einigt sich der Bauherr schon in der Planungsphase mit einem einzigen Partner auf einen Kostendeckel – und das noch vor Erteilung des Bauauftrags. Der erfolgt erst, wenn in der Angebots- und Verhandlungsphase das Kostenziel erreicht wird.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Bauherr hat mit nur einem verantwortlichen Ansprechpartner zu tun und erreicht Kostensicherheit schon in einem frühen Stadium. Während die klassische Einzelvergabe eine Vielzahl teils gegenläufiger Interessen erzeugt, ziehen die Partner an einem Strang – das Risiko von Störungen im Bauablauf sinkt. Zudem bringen die Bauprofis ihr Know-how schon in der Planungsphase ein. Das erhöht die Chance auf effizientere Abläufe und höhere Qualität. Funktionieren kann dieses Modell aber nur, wenn alle Beteiligten umdenken. "Miteinander statt Gegeneinander" ist das Motto für das erforderliche "Umparken im Kopf". Ein wahrer Kulturwandel ist hierzulande vonnöten.

Partnerschaftliche Vergabeverfahren sind in anderen Ländern längst Standard. Die Variante "Integrated Projekt Delivery" (IPD) ist in den USA und Australien ein weit verbreiteter Standard. Verständlicher wird dieses Modell mit dem Stichwort "Mehrparteienvertrag". Hierzulande realisiert die ECE Projektmanagement in Hamburg ein großes Hotelprojekt in diesem Pilotverfahren. Insgesamt sieben an Planung und Bau beteiligte Unternehmen – einschließlich des Bauherrn selbst – haben in einem gemeinsamen Vertrag den Kostenrahmen, die Verteilung von Gewinnen sowie Haftungsthemen geregelt. Die ECE nennt eine optimierte Planung, Kostensicherheit in einem sehr frühen Stadium, insgesamt vergleichsweise geringere Gesamtkosten und ein kooperatives und zielorientiertes Miteinander als Vorteile. Die Hansemetropole ist zudem Stätte für eine weitere Premiere partnerschaftlichen Bauens: Die Hafenbehörde der Stadt hat den Bau des Kattwykdamms als partnerschaftliches Bauprojekt ausgeschrieben. Dies zeigt, dass auch öffentliche Auftraggeber ihre tradierten Vergabeverfahren überdenken können – um künftig Skandale wie den Berliner Großflughafen BER zu vermeiden.

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Der Autor ist Geschäftsführer der Rueckerconsult GmbH mit Sitz in Berlin. Das Unternehmen berät Firmen bei Kommunikationsaufgaben in der Immobilienwirtschaft.

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