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Fachsimpeln

Kaminabend regte zur Diskussion an

Das Kaminzimmer im Kloster Frenswegen war gut gefüllt. Das Publikum beteiligte sich rege an der Diskussionsrunde.

Nordhorn (ABZ). – Dem inzwischen sechsten Kaminabend für Architekten im Kloster Frenswegen waren kürzlich rd. 100 Gäste aus dem norddeutschen Raum, den Niederlanden sowie dem Emsland und dem Osnabrücker Land gefolgt. Bei Kaminfeuer, Wein und Delikatessen wurde die Fragestellung „Wohin geht die Reise in puncto Baustoffen“ sowohl auf dem Podium als auch im Publikum diskutiert. Kontrabass und Piano sorgten für die musikalische Untermalung des Abends.

Die Moderation der kontroversen Diskussionsrunde übernahm, wie in den vergangenen Jahren, der Dortmunder Architekt Michael Schwarz vom Büro Profs. Spital-Frenking+Schwarz. Nach der Vorstellung der Diskutanten eröffnete er die Runde mit der Frage: „Wie sieht das Baumaterial der Zukunft aus? Wie gelingt der Balanceakt zwischen Ästhetik und Funktion mit traditionellen und neuen Werkstoffen?“. Binnen kurzer Zeit entwickelten sich auf Basis dieser Fragestellung zwei Lager. Auf der einen Seite standen die Vertreter traditionellen Baustoffs zur Gestaltung von Fassaden, die den städtebaulichen Kontext und damit die Historie einer Stadt berücksichtigen, während sich auf der anderen Seite Befürworter der Entwicklung neuer und moderner Baumaterialien solidarisierten.

Ein Befürworter der Entwicklung neuer Materialien ist Moritz Mungenast, Architekt und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Entwerfen und Gebäudehülle der TU München. Mungenast forscht an Fassaden aus unkonventionellen Materialien sowie an Fassaden aus dem 3D-Drucker und ist daher überzeugt von der Idee, dass wir die neuen technischen Möglichkeiten nutzen sollten, um Fassaden bzw. Gebäudehüllen zu entwickeln, die zukünftig u. a. noch bessere energetische Standards erreichen. So könnten technische Details, wie Verschattungselemente, Klimatisierung und Lüftung in Zukunft möglicherweise direkt und noch leichter in die Fassade bzw. die Gebäudehülle integriert werden. „Die Arbeit mit dem 3D-Drucker bietet außerdem vollkommen neue Gestaltungsmöglichkeiten“, so Mungenast. Dies bedeute aber nicht, dass alle Fassaden künftig aus Kunststoff bestehen, so Mungenast. Im Gegenteil. Der große Vorteil innovativer Materialien und Herstellungsverfahren sei es, dass diese nach Rückbau zum Teil wiederverwendet werden können.

Dr. Christian Bergmann, Senior Architect bei Hadi Teherani, folgt Mungenast und ist ebenfalls der Meinung, dass die Entwicklung neuer Baumaterialien wichtig ist, auch um das allgemeine Stadtbild zu beeinflussen. Denn Architektur diene auch dazu, Diskussionen anzuregen. Ein Stichwort, das sich Prof. Christoph Mäckler nicht entgehen ließ. „Architektur darf nicht auf Basis von Trends und schon gar nicht aufgrund individueller Investorenwünsche entstehen“, erläutert Mäckler seinen Standpunkt. Weiterhin sei es wichtig, neue Entwürfe und neue Gebäude harmonisch in den städtebaulichen Kontext einzufügen und die umgebende Bebauung bei der Gestaltung einer neuen Fassade zu berücksichtigen. „Der Egoismus des Architekten hat hier nichts zu suchen“, so Mäckler, der damit gewollt Dr. Bergmann provozierte, dessen Büro u.a. für den Entwurf des Flare of Frankfurt verantwortlich zeichnet. Mäckler ist der Auffassung, dass die Fassadengestaltung das gebaute Umfeld nicht berücksichtigt und somit deplatziert ist.

Eindeutig positioniert hat sich schließlich auch Johannes Pilz vom Büro MVRDV. Er ist, wie Mungenast, der Meinung, dass Forschung und Entwicklung u. a. an der Gebäudehülle notwendig sind, um zukünftig architektonische und städtische Probleme zu lösen. Gemeinsam mit der Delft University of Technology leitet MVRDV „The Why Factory“, ein unabhängiges Postgraduierten-Forschungsinstitut für die zukünftige Stadt. Pilz ist, anders als Professor Mäckler davon überzeugt, dass sich die Fassade aus dem Konzept und der Nutzung des Gebäudes heraus entwickelt und nicht andersherum. Einen wichtigen Aspekt, der schließlich die Diskussionsrunde beendete, brachte Jeroen Geurst von Geurst und Schulze Architekten ein. Die Stadt sei immer ein Bild, ein Zeugnis ihrer Historie. Rückblickend, aber auch zukünftig betrachtet, können man den richtigen, den wahren Baustoff möglicherweise gar nicht definieren oder bewerten.

Zuletzt freute sich Dr. Dirk Deppe, Geschäftsführer von Deppe Backstein, nicht nur über die erneut große Zuhörerschaft, sondern insbesondere über die angeregte und kontroverse Diskussion: „Es ist schön, wenn wir, ganz unabhängig von unseren Produkten, dazu beitragen können, Anregungen zu liefern und Baukultur mitzugestalten.“

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