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Fehmarnbelt-Tunnel

Molenanlagen für Arbeitshafen in Lolland werden gebaut

Bau der Molen für den Arbeitshafen in Rødbyhavn. Foto von Mitte Juni 2020.

Rødbyhavn (Dänemark)/Puttgarden (ABZ). – Der Fehmarnbelt-Tunnel wird Fehmarn in Deutschland und Lolland in Dänemark verbinden. Mit einer Länge von 18 km wird es der weltweit längste Absenktunnel für den kombinierten Schienen- und Straßenverkehr.

Die Arbeiten für den Fehmarnbelt-Tunnel finden bislang ausschließlich in Dänemark statt, wo die Baugenehmigung seit 2015 vorliegt. Die Baustelle in Rødbyhavn ist mittlerweile weitgehend erschlossen, teilt Denise Juchem, Pressesprecherin des Bauherrn Femern A/S, auf Anfrage der ABZ mit.

Unter anderem wurden die Strom-, Wasser- und Abwasserversorgung hergestellt, Straßen verlegt und neu gebaut sowie ein Entwässerungs-system für den gesamten Baustellen-bereich hergestellt. Östlich der Baustelle in Rødbyhavn ist eine Webcam installiert. Interessierte können die Bilder auf der Website femern.de/livestream sehen. Anfang 2020 wurde das neue Pumpwerk auf der Baustelle an den kommunalen Betreiber übergeben.

Die Tunnelelemente sind 73 000 t schwer.

In Rødbyhavn werden derzeit Arbeitsschiffe eingesetzt, um die Molenanlage für den künftigen Arbeitshafen in Lolland zu bauen. So platziert das 60 m lange und 20 m breite Arbeitsschiff "Fetsy" seit Juni tonnenschwere Granitblöcke 500 m vor der Küste von Lolland. Diese Blöcke werden die neuen Molen für den künftigen Arbeitshafen bilden. Die 1,5 km langen Molen sollen den Arbeitshafen vor Wellen schützen. Außerdem müssen sie Stürmen während des Tunnelbaus standhalten können. Die Steine zum Bau der Molen werden aus Steinbrüchen in Norwegen per Schiff geliefert. In Kürze wird auch das 68 m lange und 23 m breite Arbeitsschiff "Simson" vor der Küste von Lolland eintreffen. Die Aufgabe von "Simson" wird es sein, das Hafenbecken und die Zufahrtsrinne herzustellen. Viele Kubikmeter Aushubmaterial werden mit Lastkähnen an die Küste Lollands transportiert. Dort werden sie für die Landgewinnungsflächen verwendet.

Mindestens 14 Wasserbaufahrzeuge und Aushubgeräte werden beim Bau des dänischen Arbeitshafens eingesetzt werden. "Der Hafen soll so schnell wie möglich gebaut werden, damit die große Tunnelbaustelle mit Material versorgt werden kann und die fertigen Tunnelelemente später in den Fehmarnbelt geschleppt werden können", sagt Pedro da Silva Jørgensen, stellvertretender Technischer Direktor bei dem dänischen Tunnelbauherrn Femern A/S. Der Arbeitshafen soll bis Ende 2021 fertiggestellt sein. Mit einer Fläche von 500 000 m² wird der Arbeitshafen der Größte seiner Art in Europa und doppelt so groß wie der bestehende Fährhafen in Rødbyhavn.

Vom Arbeitshafen aus werden die Baumaterialien insbesondere für die Errichtung der Fabrik angeliefert, die die 73 000 t schweren Tunnelelemente herstellen wird. Mit einer Grundfläche von 200 Fußballfeldern wird sie eine der größten Fabriken in Dänemark sein, und die gesamte Baustelle die größte ihrer Art in Nordeuropa.

Die Verträge mit dem Baukonsortium Femern Link Contractors (FLC), das unter anderem für die Errichtung der Tunnelelementfabrik in Rødbyhavn zuständig ist, hat Femern A/S wegen der Corona-Krise jedoch erst mit Wirkung zum 1. Januar 2021 aktiviert. Davon abgesehen habe die Corona-Krise aber bislang keine Auswirkungen auf das Projekt, sagt Denise Jochem. Auf deutscher Seite sollen die Bauarbeiten für den Fehmarnbelt-Tunnel starten, sobald es grünes Licht vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gibt. Dort sind acht Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss für den deutschen Teil des Tunnels eingegangen. Im Herbst werden die mündlichen Verhandlungen in Leipzig stattfinden. Das Amt für Planfeststellung Verkehr (APV-SH) hatte dem Tunnelbauherrn aber bereits 2019 die Erlaubnis für einige bauvorbereitende Arbeiten auf Fehmarn erteilt. "Die Arbeiten tragen dazu bei, sicherzustellen, dass der Bau des Fehmarnbelt-Tunnels auf deutscher Seite unmittelbar beginnen kann, sobald die Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig abschließend verhandelt sind", sagt Stefanie Knörck, Projektleiterin bei Femern A/S.

Die Baustelle in Rødbyhavn ist mittlerweile weitgehend erschlossen. Unter anderem wurden Straßen verlegt und neu gebaut.

Dazu gehört auch das Verlegen einer 30-Kilovolt-Leitung zur künftigen Transformatorstation östlich von Puttgarden. Mitte August haben diese Arbeiten begonnen."In der Bauphase erfolgt die Stromversorgung nach Abstimmung mit der Schleswig-Holstein Netz AG aus dem bestehenden 30-Kilovolt-Stromnetz", sagt Knörck. Über eine Transformatorstation werde die 30-Kilovolt-Spannung auf die benötigte 20-Kilovolt-Spannung heruntertransformiert. Die in etwa 1,4 km lange Leitung wird von Süden aus Richtung Burg kommend in den Bereich der künftigen Baustelle verlaufen.

Bislang hatte der Tunnelbauherr auf Fehmarn vor allem Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen umgesetzt. So hat Femern A/S einen Amphibienzaun bei Puttgarden errichtet, um die dort heimischen Kammmolche vor Beginn der Bauarbeiten zu schützen. Zudem wurden Brutplätze für Feldlerche, Schafstelze, Kiebitz und Sandregenpfeifer angelegt und Nisthilfen für Hohltauben errichtet.

Femern A/S plant, das Projekt Fehmarnbelt-Tunnel und die geplanten Ausschreibungen Ende 2020 bei einem "Industry Day" in Kopenhagen näher vorzustellen. In den kommenden Jahren wird Femern A/S größere Verträge zu den elektrischen und mechanischen Installationen im Tunnel sowie zur Errichtung einer neuen Transformatorstation östlich von Rødbyhavn abschließen. Diese dient der Stromversorgung für den Tunnel einschließlich der Züge.

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