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Fertigung seit 2003

Schwergewichte aus Eisenach

Von Kai-Werner Fajga

Bell Equipment bietet nach eigenen Angaben das größte Programm an konventionellen knickgelenkten 6x6-Muldenkippern am Markt.

Eisenach. – Bell Equipment Deutschland, die deutsche Tochter des internationalen Knicklenker-Spezialisten informierte jüngst über ihre aktuellen Aktivitäten. Schauplatz war das Muldenkipperwerk in Eisenach, das 2019 mit der Inbetriebnahme der neuen Muldenfertigung erheblich erweitert wurde. Bell Equipment kann auf eine lange Historie zurückblicken, denn das Unternehmen wurde bereits 1954 in Südafrika gegründet, wo sich in Richards Bay auch heute noch das Hauptwerk befindet.

1998 wagte das Unternehmen den Sprung nach Europa und gründete die erste europäische Niederlassung in Frankreich. Nur zwei Jahre später folgte mit Bell Equipment (Deutschland) die dritte europäische Vertriebs-Niederlassung im hessischen Alsfeld. 2002 wurde dort auch das Ersatzteilzentrum European Logistic Center (ELC) eröffnet und nur ein Jahr später das Muldenkipperwerk in Eisenach. "2017 bezogen wir den Neubau unseres zentralen Firmensitzes mit deutlich erweiterter Teile-Logistik am neuen Standort in Alsfeld", erläutert Geschäftsführer Andreas Heinrich anlässlich eines Pressetermins im Mai 2021 und ergänzt: "Ende 2019 haben wir dann das Werk in Eisenach um einen neuen Hallenkomplex mit 10 000 Quadratmetern Fläche erweitert. Dort werden die Muldenkörper und weitere Baugruppen gefertigt."

In seinem Muldenkipperwerk Eisenach informierte Bell Equipment über aktuelle Entwicklungen. Es wurde zuletzt 2019 um einen Hallenkomplex erweitert (l.), in dem die Mulden gefertigt werden.

Nach wie vor ist die Koordination der nationalen Vertriebs- und Serviceaktivitäten ein zentraler Schwerpunkt des insgesamt 265 Mitarbeiter starken Unternehmens. "Heute betreuen wir von Deutschland aus den Vertrieb und Service für große Teile Mittel- und Osteuropas und sichern die Ersatzteillogistik von Bell für alle abgasregulierten Märkte der Nordhalbkugel. Diese beliefern wir von Eisenach aus auch mit allen 6x6-Modellen – lediglich unsere Zweiachser werden derzeit noch in Südfafrika gefertigt", ergänzt Heinrich. Während jedoch der flächendeckende Deutschland-Vertrieb in den vergangen Jahren auf die beiden großen Partner Kiesel GmbH und Carl Beutlhauser Baumaschinen GmbH organisatorisch "verdichtet" wurde, wächst das europäische Verantwortungsgebiet weiter. Heute betreut Bell von Deutschland aus insgesamt 22 Nationen in Mittel- und Südeuropa.

Dabei ist auch das in Alsfeld beheimatete ELC ein wichtiges Instrument. Das Ersatzteilzentrum versorgt alle Bell-Märkte in Europa sowie Teile Asiens und kooperiert dabei eng mit der globalen Bell-Logistik (GLC) in Johannesburg und dem US-amerikanischen American Logistic Center. Neben der Lieferung von Teilen an Bell-Händler oder Endkunden koordiniert das ELC eigenständig auch die zentrale Beschaffung von europäischen Zulieferern. Mit einem aktuellen Bestand an 13 000 Einzelpositionen für die Fahrzeuggenerationen der C-/D-/E-Serien seit 1998 erreichen die deutschen Bell-Logistiker heute eine 90-prozentige Verfügbarkeit, basierend auf komplett gelieferten Auftragspositionen.

Obwohl das Umsatzjahr 2020 aufgrund der Corona-Krise schlechter verlaufen ist, habe sich das ELC mit zuletzt rund 19,5 Millionen Euro Einzelumsatz zu einem krisensicheren Standbein der deutschen Bell-Tochter entwickelt – in die das Bell-Muldenkipperwerk in Eisenach wirtschaftlich eingegliedert ist, informiert Heinrich. Nach einem kontinuierlichen Anstieg über die vergangenen zehn Jahre musste das Unternehmen 2020 ebenso corona-bedingt einen Rückgang des Gesamtumsatzes auf 114,04 Millionen Euro hinnehmen. "Wir gehen jedoch davon aus, dass wir diese Entwicklung bereits wieder in diesem Jahr umkehren können," gibt sich Heinrich optimistisch und wies auf das für Bell Deutschland überdurchschnittlich umsatzstarke Jahr 2019 hin.

Bell Equipment-Verkaufsleiter Andreas Reinert, Geschäftsführer Andreas Heinrich, und Stephan Giese, Leiter Engineering im Bell-Werk im Werk Eisenach (v.l.).

Näher am Markt

Für Marktnähe und Flexibilität steht auch die seit 2003 in Eisenach beheimatete europäische Fahrzeugfertigung von Bell Equipment, die seit 2019 neben der reinen Fahrzeugmontage auch die Eigenfertigung der großvolumigen Muldenkörper und weiterer Fahrzeug-Komponenten umfasst. Stephan Giese, Leiter Engineering im Bell-Werk, stellte die Abläufe auf dem rund 10 Hektar großen Werksareal mit jetzt insgesamt rund 18 000 Quadratmeter verfügbaren Produktions- und Lagerflächen vor.

Im Fokus stand dabei die Fertigungslinie für die Kippmulden der aktuell insgesamt sieben in Eisenach produzierten Modelle mit Nutzlasten von 18 bis 45,4 Tonnen. "Die Mulden für die Kipper werden aus Stählen mit 400 Brinell Festigkeit gefertigt", erklärt Giese und ergänzt: "Die Blechdicken reichen von 6 bis 32 Millimeter Stärke." Kamen die Mulden in der Vergangenheit aus regionaler Drittfertigung oder zuletzt sehr aufwändig über den Seeweg aus Südafrika, werden jetzt alle Mulden direkt in Eisenach produziert.

Ausbau der Nische

Die weitere Bündelung von Kernkompetenzen am Standort Eisenach ermögliche es jetzt noch besser im Zusammenspiel mit dem südafrikanischen Stammwerk und den europäischen Zulieferern flexibel auf Entwicklungen in den Zielmärkten und Nachfrageschwankungen zu reagieren. Auch die Einflüsse durch Corona habe der Hersteller bis heute gut abfedern können. "Die Anlieferung von einzelnen Komponenten wie beispielsweise Fahrzeugkühlern oder Batterien schwankt derzeit sehr stark", erläuterte Giese.

Gerade die Stahlanlieferung bereite für die Produktion derzeit teilweise Probleme, auch die verzögerte Anlieferung von Komponenten wie Batterien oder Motoren stellt das Unternehmen vor große Herausforderungen. "Wir planen in der Produktion ein halbes Jahr im Voraus, um Preissprünge zu kompensieren."

2019 wurde die Eigenfertigung der großvolumigen Muldenkörper und weiterer Fahrzeug-Komponenten bei Bell in Eisenach aufgenommen, sie ergänzen seither die Fahrzeugmontage.

Trotzdem bleibe es nicht aus, dass teilweise Verluste im späteren Verkauf einkalkuliert werden müssten. "Die Preise bleiben für Händler stabil, das garantieren wir für ein Jahr", betont Bell-Verkaufsleiter Reinert. "2020 hatte Bell in Deutschland einen Marktanteil von 18,6 Prozent bei knickgelenkten Muldenkippern", ergänzte Reinert und erläuterte die Entwicklungen im deutschen und internationalen Markt für knickgelenkte Muldenkipper. Für Deutschland, wo knickgelenkte Muldenkipper heute einen Anteil von 2 bis 3 Prozent am Großmaschinenmarkt hielten, beobachte man seit gut zehn Jahren eine zwar stabile, aber mit ehemaligen Absatzspitzen von 400 und mehr Fahrzeugen nicht mehr zu vergleichende Entwicklung, so Reinert.

"Es wird allgemein erwartet, dass sich der durchschnittliche Jahresabsatz in Deutschland bei etwa 200 Fahrzeugen einpendelt." Abgesehen von alternativen Transportverfahren im Erdbau werde der Bedarf auch stark von der mittelfristigen Ausrichtung von öffentlichen Infrastruktur-Projekten beeinflusst. "Die Konkurrenz für knickgelenkte Muldenkipper sind bei Autobahnbaustellen Traktoren mit Muldenanhängern. Vor allem aufgrund derer Straßengängigkeit geben Betreiber und Auftraggeber diesem Konzept oft den Vorzug, unterschätzen allerdings bei anspruchsvollen Baustellen-Situationen die im Vergleich zu knickgelenkten Muldenkippern steigenden Betriebskosten", erläutert Reinert.

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