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FIW-Studie zur Grauen Energie von Wohngebäuden

Primärenergiebedarf bleibt entscheidend

Die Studie des FIW anhand eines Einfamilien-Typengebäudes zeigt: Über einen Lebenszyklus von 50 Jahren gibt es bzgl. Grauer Energie mit den aktuell verfügbaren Daten keine signifikanten Unterschiede zwischen Holz- und Mauerwerkskonstruktionen. Dagegen spielt der Primärenergiebedarf für den Betrieb der jeweiligen Energieeffizienz-Häuser nach wie vor die entscheidende Rolle in der Energiebilanz.

Berlin (ABZ). – Mit der Auswahl des Wandbaustoffs allein wird noch kein Beitrag zur Nachhaltigkeit geleistet. Eine Modelluntersuchung des Forschungsinstituts für Wärmeschutz e. V. München (FIW) für ein Einfamilien-Typengebäude zeigt: Für die Bewertung der Grauen Energie ist nicht nur das Bauteil selbst, sondern dessen Rolle im gesamten Gebäudelebenszyklus entscheidend. Auf lange Sicht gebe es bzgl. Grauer Energie keine signifikanten Unterschiede zwischen Holz- und Mauerwerkskonstruktionen, so die FIW-Forscher um Professor Andreas Holm. Mögliche Differenzen würden umso kleiner, je länger ein Gebäude stehe. Dagegen spiele der Primärenergiebedarf in der Nutzungsphase nach wie vor die entscheidende Rolle in der Energiebilanz. Sein Anteil sei im Vergleich zum Anteil der Grauen Energie deutlich höher und nehme mit steigendem Nutzungszeitraum weiter zu, heißt es in der Studie. Die Forscher können weder einen Baustoff uneingeschränkt empfehlen noch verwerfen. Vielmehr verweisen sie darauf, dass der ideale Baustoff in einem ausgewogenen Verhältnis hinsichtlich ökologischer, ökonomischer und bautechnischer Aspekte stehe und auch weiteren Anforderungen wie Schall- und Brandschutz gerecht werden müsse.

"Ich hoffe, dass die FIW-Studie zu einer Versachlichung der Diskussion über die energetische Bilanzierung von Gebäuden beiträgt", kommentiert Ronald Rast, Geschäftsführer der DGfM, die Studienergebnisse. "Die Wahl einer bestimmten Bauweise ist keine Glaubensfrage. Die ideologische Überhöhung einzelner Bauweisen – zuletzt der Holzbauweise durch die Politik – ist kein Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele", so Rast weiter. "Die aktuell noch sehr heterogene Datengrundlage kann ohnehin nur eine Orientierung und keine verbindlichen Aussagen zur Treibhausgasemission und Energiebilanzierung über den gesamtem Lebenszyklus geben. Die wissenschaftliche Untersetzung der Daten ist für eine gesetzliche Förderung in der Vielfalt aller möglichen Bauweisen noch völlig unzureichend." Zudem könne die FIW-Studie helfen, überhaupt erst einmal eine verbindliche Definition des Begriffs Graue Energie zu finden, welche es in Deutschland bislang nicht gebe. "Dies wäre im Hinblick auf eine Lebenszyklusbetrachtung im Rahmen kommender Klimaschutzgesetze wichtig", unterstreicht Rast.

Die FIW-Forscher verglichen auf der Basis ihrer Definition zur "Grauen Energie" für ihre Untersuchung fünf Wandkonstruktionen aus verschiedenen Mauersteinen und zwei Holzbaukonstruktionen. Die Analysen wurden für das Typengebäude Einfamilienhaus im EnEV 2016-Standard sowie des Bewertungssystems für nachhaltige Bauten des Bundes durchgeführt. Als Grundlage der Berechnungen dienten die öffentlich verfügbaren Daten der Baustoffdatenbank Ökobaudat, ergänzt um eigene Datensätze. Die Studie "Graue Energie von Einfamilienhäusern in Niedrigstenergie-Gebäudestandard" (Forschungsbericht FO 2019-02) des FIW München steht als Download zur Verfügung auf: mauerwerk.online/downloads/studien/.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 17/2019.

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