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Freiwilligeneinsatz in Kenia

Deutsche Bauprofis bauen Häuser für Familien in Not

Von Gereon Fischer

Bei den Hausbauprojekten von "Habitat for Humanity" stehen die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort und das Erlebnis, gemeinsam etwas Sinnvolles zu schaffen, im Vordergrund.

Kenia. – Während eines einwöchigen Freiwilligeneinsatzes bauten rund 20 Mitarbeiter deutscher Bau- und Immobilienunternehmen in Kenia ein neues Zuhause für zwei Familien aus prekären Wohnverhältnissen. Möglich machte dieses Hilfsprojekt die internationale Hilfsorganisation "Habitat for Humanity", die es sich zum Ziel gemacht hat, das Menschenrecht auf angemessenes Wohnen weltweit durchzusetzen. Der deutsche Zweig der Organisation rief eigens die Initiative "HoffnungsBAUer" ins Leben, um Unternehmen der Bau- und Immobilienbranche für dieses Ziel zu gewinnen. Die Arbeiten auf der Baustelle begannen mit dem Betonieren der Bodenplatten. Einheimische aus der Region legten vorab die Streifenfundamente für die in etwa 40 Quadratmeter großen Häuser. Aus Sand, Kies, Zement und Wasser mischten die HoffnungsBAUer Beton ohne die Hilfe einer Betonmischmaschine und verteilten die Masse mit Schubkarren auf dem Fundament. Am Tag darauf ging es ans Mauern. Im Trockenbauverfahren setzten die Arbeiter 2500, aus Lehm und Zement gepresste und sonnengetrocknete Steine per Nut und Feder aufeinander.

Entlang des Bauprojekts war es erstaunlich mitzuerleben, wie schnell die bunt gemischte Gruppe zu einer Einheit zusammenwuchs. Die zukünftigen Bewohner bauen ihr neues Zuhause zusammen mit der finanziellen, aber vor allem der persönlichen Unterstützung der Menschen aus dem Ausland. Um zu gewährleisten, dass auch wirklich diejenigen Familien ein neues Zuhause bekommen, die es am meisten benötigen, ruft die Hilfsorganisation ein Komitee aus lokalen Partnern und Vertretern der Dorfgemeinschaft ins Leben. Sie wählen die Familien gemeinsam anhand von Bedürftigkeitskriterien wie Einkommen und Wohnsituation aus.

Gerade die Teilnehmer, die selbst vom Fach sind, gelernte Maurer beispielsweise, konnten kaum glauben, welch einfaches Werkzeug die Kenianer zum Häuserbau verwenden. So besaßen die Handwerker vor Ort keine Wasserwaage, sondern nutzen wie in vergangenen Zeiten einen Wasserschlauch als Messgerät, um zu sehen ob die Mauer in der Waage ist. An der einen oder anderen Stelle muss die Gruppe auch improvisieren. Für die Bewehrung des Betonringbalkens mit einem Stahlgitterkorb beispielsweise mussten sie zunächst dünne Eisenstangen auf ein einheitliches Maß schneiden und in Quadrate biegen. Trotz der rudimentären Werkzeuge und der nicht optimalen Gegebenheiten gelang es der Gruppe am letzten Tag, beide Rohbauten fertigzustellen. "Das gemeinsame Arbeiten auf der Baustelle war sehr wertvoll und impulsgebend für mich. Ich habe erlebt, dass unheimlich viel entstehen kann, wenn man den Menschen auf Augenhöhe begegnet, in wirklichen Austausch geht und anderen Mentalitäten und Gewohnheiten offen gegenübertritt", erzählt Inge Wedel, Referentin der Geschäftsführung von Wolff & Müller aus Stuttgart.

Bevor die neuen Bewohner einziehen können, errichten kenianische Handwerker noch das Dach, setzen Fenster und Türen ein und verputzen die Mauern. "Es ist einfach großartig, selbst zu sehen, was mit dem passiert, was man erarbeitet hat – auch wenn man dabei nur ein kleines Zahnrad ist", berichtet Anton Bausinger, Geschäftsführer der Kölner Bauunternehmung Friedrich Wassermann. Neben den persönlichen Erfahrungen wird durch die enge Zusammenarbeit zwischen Bauexperten und lokaler Bevölkerung auch Know-how aus der Baubranche an die lokale Bevölkerung weitergegeben. Mittelfristiges Ziel ist es, innerhalb der lokalen Gegebenheiten, die Bauweise dank der Expertise der Fachleute aus Deutschland zu optimieren, ohne auf zusätzliche finanzielle Mittel oder High-Tech-Material zurückzugreifen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 47/2019.

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