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Gebäude mit Knick

Stadtbild prägender Wohnhausneubau fügt sich in historischen Kontext ein

Der Anteil der Fenster konnte überall erhöht und das Thema der Lochfassade auf alle vier Seiten übertragen werden. Die Fenster sind regelmäßig und in gleichbleibenden Formaten, gesetzt, was dem Haus Ruhe und Identität gibt.

Ulm (ABZ). – Ein hochwertiger Neubau in monolithischer Ziegelbauweise fügt sich selbstbewusst und harmonisch in das historische Umfeld des Ulmer Fischerviertels ein. Die Materialwahl knüpft eng an die Backsteine des berühmten Mauerwegs entlang der Donau, der am Gebäude vorbeiführt.

Mit dem viergeschossigen Neubau des Wohnhauses an der Vaterunsergasse in Ulm erfährt das historische Stadtbild eine Aufwertung. Abriss und Neubau standen anfangs in der Kritik, aber nachdem eine Sanierung des historisierenden Vorgängerbaus aus den 1930er Jahren wäre aufgrund des geringen denkmalpflegerischen Wertes nicht verhältnismäßig gewesen entschied man sich doch für einen ein Neubau. Der Entwurf von glöckler frei Architekten aus Ehingen gruppiert sich harmonisch zwischen die Fassadentypologien und giebelständige Bauweise der umliegenden Gebäude ein. Und schafft gleichzeitig durch die moderne Umsetzung der Kubatur doch etwas Neues. Die massive Außenwandkonstruktion wurde mit hoch wärmedämmenden, perlitgefüllten Ziegeln Poroton-S9 von Schlagmann Poroton realisiert. Für einen monolithischen Ziegelputzgrund ohne Materialwechsel kamen ergänzende Zubehörprodukte zum Einsatz. Die ausgewählten Ziegel sind klimaneutral produziert. Dies wurde vom TÜV Nord bestätigt, der die "Klimaneutralen Ziegel" zertifizierte.

Zunächst war von den Bauherren eine Sanierung angedacht gewesen. Der Plan war, das Wohnhaus in exzellenter Lage anhand einer gründlichen Generalsanierung wieder auf einen modernen und vor allem energieeffizienten Stand zu heben. Architektonische Wunden und Beschädigungen der Bausubstanz, die es im Bombenhagel des 2. Weltkriegs, in dem 81 % der Gebäude in der Ulmer Innenstadt zerstört wurden, abbekommen hatte und teils immer noch gegenwärtig waren, sollten beseitigt werden. Doch zeigten 2014 erste Planungen einer Sanierung und deren Kostenkalkulation schnell, dass das Vorhaben an seine Rentabilitätsgrenze stieß und gleichzeitig von der alten Bausubstanz nicht mehr viel übrigbleiben würde. Die Bauherren, deren Großvater das Haus 1933 erbauen ließ und die sich der Wahrung ihres Erbes verpflichtet fühlten, gaben deshalb ein bauhistorisches Gutachten in Auftrag mit dem Ziel, Aufschluss über Art und Umfang der historischen Bausubstanz zu gewinnen, um so dessen denkmalpflegerischen Wert genau definieren zu können.

Bauhistoriker Dr. Stefan Uhl kam letztendlich zu dem Schluss, dass der damalige Bau "in praktisch allen wesentlichen Teilen ein Neubau von 1933 ff. mit nur geringen Resten von alter Bausubstanz" darstellt. Wahrscheinlich ist, so zeigen alte Aufnahmen, dass das Gebäude nach Westen hin mit einer Anschlussbebauung ursprünglich ein gemeinsames Gebäude bildete, die aber nach einem Bombenschaden nicht mehr aufgebaut wurde. Übrig blieben die fensterlose Anschlusswand und eine unharmonische Gebäudesituation in Richtung Nord-West. Nach Vorliegen des Gutachtens und aufgrund der Tatsache des geringen denkmalpflegerischen Wertes des Gebäudes im damalig favorisierten Heimatschutzstil freundeten sich die Bauherren mit einer Neubau-Lösung an. Eine Bebauung in dieser Lage bedeutete von Anfang an keine leichte Aufgabe. Zum einen steht man hier auf historischem Ulmer Boden, andererseits liefert ein Neubau an einer derart prominenten wie exponierten Stelle – quasi in Ulms "erster Reihe" – viel und vor allem heißen Diskussionsstoff. Von genau hier aus, dem Fischerviertel am Ufer von Donau und Blau entwickelte sich Ulm von einer kleinen Kaiserpfalz mit ein paar Hütten und Höfen im Mittelalter zu einer wichtigen Handelsstadt mit einem überdimensionierten, stadtbildprägenden Münster.

Der Entwurf von glöckler frei Architekten aus Ehingen gruppiert sich harmonisch zwischen die Fassadentypologien und giebelständige Bauweise der umliegenden Gebäude ein. Und beweist seine ortsbildprägende Berechtigung.

Heutzutage sind Städte wie Ulm wiederholt durch Wohnungsmangel und der dadurch stattfindenden Aufwertung von Grundstücken und Immobilien Veränderungen ausgesetzt. Dies facht allerorts Diskussionen an und setzt Emotionen frei – einige fürchten nicht wiedergutzumachende Wunden im Stadtbild, andere wiederum hoffen auf eine städtebauliche Aufwertung. Auch hier, beim geplanten Abriss und Neubau an der Vaterunsergasse 2 wird in Foren, regionalen Medien und auf der Straße heftig debattiert und unter anderem befürchtet, dass ". . . das Anknabbern des Altbaubestandes der Donaufront ein Tabubruch ist, der nicht nur empfindlich das Gesicht Ulms verändern wird, sondern auch eine hohe Nachahmungsgefahr mit sich bringt", so ein anonymer Kritiker. Die Anforderungen waren für eine Neubebauung von Seiten der Bauherren sowie dem städtischen Denkmalamt dagegen klar definiert: First und Traufhöhe müssen beibehalten werden, ein historisierender Bau wie das Vorgängerobjekt wurde ausgeschlossen, die Auskragung der Geschosse über dem öffentlichen Raum jedoch durfte ausgeführt werden, eine Grenzbebauung in Abstimmung mit den Nachbarn wurde ermöglicht.

So entstand ein viergeschossiger Neubau mit insgesamt vier Wohneinheiten. Gebäudegeometrie und Kubatur waren durch den Vorgängerbau und das Grundstück definiert – auch der daraus entstandene Knick wurde umgesetzt und verleiht dem Gebäude Spannung und Identität. Gebäudehöhe und eingeschnittene Öffnungen wurden intelligent ausgelotet und erlauben teils Blickachsen. Entwurf und Konstruktion des Hauses sind überzeugend und gefällig. Der Anteil der Fenster konnte erhöht und das Thema der Lochfassade auf alle vier Seiten übertragen werden. Die Fenster sind regelmäßig und in gleichbleibenden Formaten gesetzt, was dem Haus Ruhe und Identität gibt. Sie bilden zusammen mit den Fensterfaschen einen Kontrast zum rauen Untergrund der Putzoberfläche. Die glatten Putzfaschen heben sich vom rauen, senkrechten Besenstrichputz ab und geben der Fassadenoberfläche zusätzlich Tiefe. Textur und Farbe rhythmisieren die Fassade und verleihen dem Gebäude eine eigene Sprache. Die Balkone an der Südansicht sind dezent und zurückgenommen, erhöhen ohne Störung der Fassade die Wohnqualität. "Dachfläche und Fassaden sind von gleicher Materialität und korrespondieren mit den Gebäuden der Nachbarschaft", erläutert Architekt Steffen Glöckler die Anleihen an die in der Altstadt vorhandenen Materialien, die seine Baustoffwahl beeinflussten. "Außerdem machte mir der schwierige Abriss, fast komplett als Handabriss durchgeführt, die Entsorgungsproblematik heutiger Gebäude deutlich spürbar. Die Notwendigkeit nachhaltige, langlebige und regionale Baustoffe zu verwenden, war eindeutig geweckt." Hinzukam die Materialität und Robustheit der 72 m langen Stadtmauer von 1480, die in Backstein ausgeführt in unveränderter Weise am Haus vorbeiführt. Sie ist als Promenadenweg fest in das Stadtbild und die Freizeitgestaltung der Ulmer integriert und führte ihm die Langlebigkeit des Baustoffes vor Augen. Das gewählte massive einschalige Ziegelmauerwerk bildet außerdem in hervorragender Weise ein städtebaulich taugliches Volumen und erfüllt alle statischen und bauphysikalischen Anforderungen.

Gebaut wurde deshalb eine massive Ziegelkonstruktion aus 36,5 cm Wandstärke mit einer Rohdichteklasse von 0,85 bei einer Druckfestigkeitsklasse 12, mit einer integrierten Wärmedämmung aus dem natürlichen Vulkangestein Perlit. Die Untergeschosswände blieben als verlorene Schalung für den Keller bestehen, aussteifende Stahlbetonstützen ergänzen aus statisch erforderlichen Gründen das Mauerwerk an der Südfassade, welche aber aus Gründen des einheitlichen Materialaufbaus mit der keramischen Wärmedämmfassade Poroton-WDF vorgemauert wurden. Geschosshöhen wurden angepasst, über Souterrain und Erdgeschoss eine Wohnung ausgebaut.

"Ein einheitlicher Putzgrund mit minimierter Rissgefahr war uns sehr wichtig. Deshalb waren wir lange auf der Suche nach einem Produkt, das allen Ansprüchen gerecht wird", führt Glöckler aus. "Schlagmann Poroton konnte uns viele standardisierte Systembauteile für die Verkleidungen von Deckenrandschalen, Decken und Stützen liefern, sodass wir ohne kostenintensive Sonderanfertigungen arbeiten konnten."

Da die Architekten eine zusätzliche Wärmedämmung der Fassade von vorneherein ausschlossen und dafür ein hochwertig ausgeführtes, monolithisches Ziegelmauerwerk mit handwerklich anspruchsvollem Putz als Finish präferierten, musste der erforderliche Dämmwert über die Füllung der Ziegel geleistet werden. Die verwendeten hochwärmedämmenden Außenwände aus Poroton-S9-Planziegeln in 36,5 cm Wanddicke tragen dazu bei, den energieeffizienten Gebäudestandard einzuhalten. Der Planziegel mit einem U-Wert der Wand von 0,23 W/(m²K) hält mit einer innenliegenden Dämmung aus natürlichem Vulkangestein (Perlit) die Wohnräume im Winter warm und im Sommer kühl. Dafür sorgen seine klimaregulierenden Eigenschaften.

Das optimierte Lochbild beschert dem Poroton-S9 eine höhere Tragfähigkeit als bisher. Der massive Ziegelkörper gibt statische Sicherheit und meistert hohe Belastungen im mehrgeschossigen Wohnungsbau. Gebäude von bis zu neun Stockwerken in monolithischer Ausführung können damit realisiert werden. Mit der hohen Druckfestigkeitsklasse 12 sowie einer charakteristischen Mauerwerksdruckfestigkeit fk nach DIN EN 1996 (EC6) von 5,3 MN/m² hält der Objektziegel sogar einer Belastung von bis zu 530 t auf einem Quadratmeter Wand Stand. Mit einer geprüften Feuerwiderstandsdauer von 90 Minuten (F90-A) erreicht er zudem die geforderten Brandschutzvorgaben im Wohnungsbau. Das korrigierte, bewertete Schalldämmmaß des Poroton-S9 beträgt bei einer Wanddicke von 36,5 cm 52,2 dB. Damit lassen sich auch erhöhte Schallschutzanforderungen im Objektbau realisieren.

Als Ergänzung der monolithischen Konstruktion und für ein hochwertiges, energieeffizientes Mauerwerk mit einem einheitlichen Putzgrund wurden einige Sonderziegel aus dem Original-Poroton-Zubehör verwendet. Sie lassen die Ausführung am Bau sicher, einfach und auch kosteneffizienter gestalten. Zudem wird für ein energieoptimiertes Wohngebäude ohne Zusatzdämmung – wie dieses hier – ein homogenes, Wärmebrücken vermeidendes Ziegelmauerwerk sichergestellt. Im Übrigen werden so auch Wartungs- und Instandhaltungskosten auf ein Minimum reduziert. An der Außenkante der Beton-Geschossdecken wurde die Deckenrandschale Poroton-DRS verwendet. Sie garantiert eine einfache und sichere Ausführung des Deckenauflagers unter maximaler Ausnutzung der Tragfähigkeit des Mauerwerkes in Kombination mit einem optimalen Wärmeschutz. Eine speziell für dieses Bauvorhaben entwickelte tragende DRS als Abfanghorizont wurde für die vorgemauerte Poroton-WDF 120 verwendet. Diese wurde dort, wo aus statischen Gründen Betonteile in der Außenwandkonstruktion eingesetzt werden mussten, vorgemauert und sichert damit die Ansprüche an eine nachhaltige und hochwertige Gebäudehülle.

Der so errichtete Baukörper in massiver, einschaliger Ziegelbauweise entspricht den strengen Anforderungen der aktuellen Energieeinsparverordnung. Zahlreiche Zertifizierungen unterschiedlichster Umwelt-Labels von natureplus, über eco-Institut bis Blauer Engel (Poroton-Perlit-Dämmstoff) belegen außerdem die wohngesunden Eigenschaften der perlitgefüllten Ziegel von Schlagmann Poroton, die zudem klimaneutral produziert werden. Übrig geblieben von der alten Bausubstanz sind neben der Wetterfahne, die nach Abschluss der Bauarbeiten wieder auf den First gesetzt wurde, der Türstock sowie das Türblatt. Diese wurden beim Abriss vorsichtig ab- und als zentrale Haustüre wieder eingebaut. Der rechteckige Türstock aus Eichenholz sowie das stichbogige Oberlicht stammen aller Wahrscheinlichkeit vom Vorgängerbau aus dem Jahr 1688. Die eingeschnitzte Jahreszahl sowie die Initialen "BH" und "M" lassen sich mit dem in dieser Zeit nachweisbaren Hausbesitzer Balthasar Held in Verbindung bringen. Das Türblatt mit barocken Beschlägen wurde laut Bauherren für den Neubau von 1933 zugekauft. Zu Jahresbeginn 2020 erfolgte die Fertigstellung des Gebäudes. Damit verstummten auch die meist kritischen Stimmen in und um Ulm. Viele der früheren Kritiker bescheinigen dem neuerrichteten Gebäude eine hohe identitätsstiftende städtebauliche Qualität.

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