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Gebäudedecken klimafreundlich wählen

Ökobilanz von Gebäuden optimiert

Schneverdingen (ABZ). – Das Pariser Übereinkommen regelt seit 2015 verbindlich, dass 195 Staaten – darunter auch Deutschland – für eine Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit eintreten. Dass Deutschland seine Ziele für 2020 nicht erreicht ist sicher und auch die Einhaltung der Zielvorgaben für 2030 ist mehr als fragwürdig. In diesem Kontext finden die aktuellen Diskussionen im Klimakabinett der Bundesregierung statt. Dies sucht zumutbare Wege, den Ausstoß von schädlichen Klimagasen deutlich einzuschränken.

Der Bau- und Immobiliensektor ist von den Klimaschutzzielen stark betroffen. Rund 35 % der Treibhausgasemissionen werden aktuell durch den Gebäudesektor verursacht. Im Klimaschutzplan der Bundesregierung wird daher gefordert, dass der Gebäudesektor bis 2030 seine CO2-Emissionen um 66 % im Vergleich zum Jahr 1990 reduziert. Dies soll unter anderem durch die hochwertige Verwendung und Verwertung von Stoffen, Bauteilen und Baugruppen sowie den Einsatz nachhaltiger Baustoffe realisiert werden.

Weil größere Einsparpotentiale durch mehr Energieeffizienz in der Anlagentechnik und erhöhte Dämmstandards nicht zu erwarten sind, muss sich der Fokus im Bausektor, will man Schadstoffemissionen senken, auf die Herstellung und Instandhaltung der Konstruktionen richten.

Dr. Sven Wünschmann hat sich im Rahmen seiner Dissertation "Gebäudestrukturen und deren Einfluss auf die ökologische Lebenszyklusqualität" (2018) dieser Frage angenommen. Seine Analysen von typischen Bürobauten zeigen, dass aus Bauteilperspektive rund 40 % der Treibhausgasemissionen durch die Gebäudedecken verursacht werden. Strebt man also eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen in der Zukunft an, so müsse man sich mit der Optimierung der Betonbauteile und insbesondere mit den Deckensystemen befassen.

Dr. Wünschmann hat für die Bewertung der Umweltauswirkungen verschiedener Deckensysteme einen typischen Bürogebäudegrundriss gewählt. Das Deckenfeld ist in etwa 12 m breit und etwa 38 m lang, mit einer Mittelstütze und einer Nutzlast von 3 kN/m². Der Autor hat unter anderem die Varianten einer Flachdecke in Ortbeton, einer Flachdecke mit integrierten Hohlkörpern (Cobiax) und einer Flachdecke aus Spannbeton-Fertigdecken (Brespa-Decken) mit deckengleichen Peikko-Delta-Beam-Trägern verglichen.

Die Auswertung der Ergebnisse beinhaltet jeweils die Decke inklusive gegebenenfalls vorhandener Unterzüge und der Stützen. Die Umweltwirkungen wurden mittels einer Ökobilanz berechnet. Die Ergebnisse zeigen, dass sich allein durch die Wahl, nämlich Spannbeton-Fertigdecken statt Ortbetondecken, rund 12 % der Treibhausgasemissionen reduzieren lassen.

Auch bei allen anderen untersuchten Schadstoffemissionen wie ODP (verantwortlich für das "Ozonloch"), POCP (verantwortlich für den "Sommersmog"), AP (verantwortlich für "Sauren Regen") und EP (Überdüngungspotential) schneiden Spannbeton-Fertigdecken besser ab als Ortbetondecken.

Auch geht es um Ressourcenverbrauch von Beton und Stahl. Hier zeigen sich nach Wünschmann die gravierenden Vorteile der Spannbeton-Fertigdecken gegenüber schlaff bewehrter Stahlbetondecken. Das industrielle Fertigungsverfahren mit vorgespannten Stahllitzen und optimierten Hohlraumanteilen reduziere den Betonverbrauch um mehr als 50 % und den Stahlverbrauch sogar um mehr als 80 %.

Spannbeton-Fertigdecken stellen nach Einschätzung des Experten das klimafreundlichste und umwelt- und ressourcenschonendste Betondeckensystem dar. Mit diesem Wissen könnten Bauherrn und Planer einen aktiven Beitrag zur Einhaltung der Klimaschutzziele leisten. Mit der Einführung einer steigenden CO2-Steuer wird die Wahl eines ökologischen Tragwerks auch für das Projektbudget an Bedeutung gewinnen.

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