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Gemischte Bebauung im Passivhausstandard

Klimaschutzsiedlung für Jung und Alt

Baustellen, Baustoffe, Ökologisches Bauen

Hoher Wohnkomfort in Kleve: Ab Oktober 2015 konnten Mieter die Wohnungen zwischen 50 und 120 m² beziehen. Das oberste Geschoss wurde als Penthouse konzipiert und verfügt über eine großflächige Dachterrasse.

Kleve (ABZ). – Energieeffiziente Gebäudeleisten heutzutage einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Ein durchdachtes Bau- und Nutzungskonzept ist hierbei der Schlüssel zum Erfolg.

Dies beweist jetzt die im Bau befindliche Klimaschutzsiedlung "Mühlenberg" in Kleve. Das innerstädtische Wohnquartier aus Einfamilien-, Doppel-, Reihen- und Mehrfamilienhäusern zeigt u. a., wie der Passivhausstandard wirtschaftlich zu realisieren ist. Die Stadt Kleve nimmt es bei der Schaffung neuer Wohnungsangebote besonders ernst mit dem Klimaschutz und nachhaltigem Bauen: Ein umweltbewusstes Anliegen, dem sich Nordrhein-Westfalen ebenfalls verpflichtet fühlt und es daher mit dem Landesprogramm "100 Klimaschutzsiedlungen in NRW" fördert.

Schon Ende 2010 erhielt die geplante Klever Wohnsiedlung "Mühlenberg" den Status einer Klimaschutzsiedlung. Ihre Realisierung wird seitdem durch Mittel des Landes unterstützt.

Für die Aufnahme in das NRW-Klimaschutz-Landesprogramm gelten strenge Anforderungen: Zunächst besteht ein hoher Anspruch an die Energieeffizienz, der entweder ein sogenanntes 3-l-Haus oder den Passivhausstandard vorschreibt. Die CO2-Emissionen für Heizung, Warmwasserbereitung und Hilfsenergie sind hierbei auf jährlich maximal 9 kg/m Wohnfläche begrenzt. Weiterhin gilt es bestimmte städtebauliche, gestalterische und soziale Anforderungen zu erfüllen. Für Neubauten fordert das Landesprogramm bspw. ein einheitliches Architekturkonzept bei Baukörpern und Dachformen. Ein vom Land erstellter Leitfaden beinhaltet darüber hinaus noch zahlreiche Empfehlungen zur Planung und Bauausführung.

Das zu bebauende Areal befindet sich auf einer Brachfläche des ehemaligen Schlachthofes und der alten VfB-Fußballanlage rund 1 km südwestlich der Stadtmitte. Da die Stadt Kleve für die nähere Zukunft einen erhöhten Wohnraumbedarf erwartet, werden hier in einem ersten Bauabschnitt etwa 130 Wohneinheiten errichtet. Das rund 6 ha große Gelände ist dafür in acht Baufelder aufgeteilt. Der Bebauungsplan sieht eine gemischte Bebauung mit Einfamilien-, Doppel-, Reihen- und Mehrfamilienhäusern vor. Aufgrund der Durchmischung mit unterschiedlichen Gebäudetypen werden für unterschiedliche Altersgruppen und Haushaltsgrößen maßgeschneiderte Wohnungsangebote bereitgestellt. Zudem wird gleichzeitig die Realisierung neuer Wohnformen angestrebt und damit der modellhafte Charakter der Siedlung noch unterstrichen. Bei der Verteilung der Grundstücke kamen einzelne Bauherren ebenso zum Zuge wie verschiedene Bauträger und Architekten.

Die Gebäudeplanung für die Baufelder 1 bis 3 und das Baufeld 7 vergab die Stadt Kleve nach einem Interessenbekundungsverfahren im Herbst 2013 an das Architekturbüro Reppco (Kleve). Nach der Erschließung des Geländes wurde ab Ende Juni 2014 als erstes zu realisierendes Teilprojekt mit der Bebauung des Baufel-des 7 an der Stadionstraße begonnen.

Der Entwurf der Reppco-Geschäfts-führerin Christiane Behrens sah für den gewonnenen Investor, die WohnBau eG Goch, drei vierstöckige Mehrfamilienhäuser mit jeweils zehn Wohneinheiten über einer gemeinschaftlichen Tiefgarage vor. Die Gebäude erhielten durch ein kleinformatiges Verblendmauerwerk eine reizvolle Fassaden-Optik. Der dabei farblich hervorgehobene Treppenhaus- und Aufzug-Bereich trägt zudem zu einem auf-gelockerten Erscheinungsbild der ansonsten kompakten Baukörper bei. Variable Grundrisse und Wohnungsgrößen von50 bis 120 m stellten schon frühzeitig eine breite Nachfrage für die Mietwohnungen sicher.

Im obersten Geschoss aller drei Häuser finden sich luxuriöse Penthouse-Wohnungen mit großflächiger Dachterrasse. Neben einer hochwertigen Ausstattung wurden alle Wohnungen barrierefrei gestaltet. Wie alle Wohngebäude der Siedlung sollten auch die Mehrfamilienhäuser des Baufeldes 7 Passivhausstandard erfüllen. Hinsichtlich moderner Anlagentechnik vertrauten die Planer auf einen Mix aus Photovoltaik, einer Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung und einer energieeffizienten Warmwasseraufbereitung.

Zentrales Element auf dem Weg zum Passivhaus war zudem ein hoher baulicher Wärmeschutz durch eine leistungsstarke Gebäudehülle. "Der hohe Anspruch an den Klimaschutz und die damit verbundene Energieeffizienz decken sich mit der Vorstellung unseres Büros von umweltschonendem Wohnungsbau. Die planerische Umsetzung des Passivhausstandards hat bei uns fast schon Tradition", betont Architektin Behrens. "Bei der Auswahl des Wandbaustoffes berücksichtigten wir nicht nur einen niedrigen Wärmedurchgangswert, sondern im Sinne einer ganzheitlichen Nachhaltigkeit auch die Umweltwirkung über seine gesamte Lebensdauer." Der gewählte Leichtbeton-Planstein "SW1" von KLB-Klimaleichtblock konnte seine ökologische Qualität durch weitreichende Umwelt-Produktdeklaration (EPD) nachweisen. Diese unabhängige Ökobilanz belegte durch exakte Wertermittlung den für einen massiven Wandbaustoff äußerst geringen Primärenergiebedarf des KLB-Mauersteins. Gleiches gilt für das vergleichsweise niedrige Treibhauspotential.

Die Architektin entschied sich aus vorrangig optischen Aspekten bei den Fassaden für ein zweischaliges Mauerwerk. Für die hohe Tragfähigkeit des Hintermauerwerkes (d = 30 cm) sorgt der KLB-Planstein "SW1" (Festigkeitsklasse 4). Darüber liegt eine 16 cm dicke Mineraldämmplatte (Wärmeleitgruppe 032), auf die eine hinterlüftete, 11,5 cm starke Klinker-Außenschale als Verblendmauerwerk folgt. Die Fassaden der Penthouse-Wohnung wurden hingegen mit einem Außenputz beschichtet. Der für ein Passivhaus geforderte Wärmedurchgangswert U von maximal 0,15 W/mK konnte mit ermittelten Wärmedurchgangskoeffizienten von bis zu 0,129 W/mK deutlich unterschritten werden. Das zweite Argument für die Auswahl des KLB-Plansteins war – neben der Verbindung von Ökologie und Bauphysik – sein Beitrag zur Wirtschaftlichkeit des Rohbaus. Dabei überzeugte nicht nur der günstige Materialpreis, sondern auch die hohe Verarbeitungsfreundlichkeit. Der geschlitzte KLB-Hohlblock ließ sich von den Verarbeitern der Joormann GmbH aufgrund seiner Handlichkeit und Maßhaltigkeit zügig und mörtelsparend knirsch im Dünnbett verlegen. Diese Vorgehensweise entspricht den Bestimmungen der Zulassung Z-17.1-730 und der DIN 1053. Die gleichmäßige Schichtdicke des Dünnbettmörtels von 1–3 mm gewährleistete der Einsatz eines Mörtelschlittens. Auf eine Vermörtelung der Stoßfugen konnte aufgrund der Nut-Feder-Ausbildung der Stein-Stirnseiten verzichtet werden. Dies sparte zusätzlich Zeit ein.

Da hoher baulicher Wärmeschutz eine wärmebrückenminimierte Ausführung voraussetzt, wurde während der Mauerwerkserstellung laufend eine Qualitätsüberprüfung durchgeführt. "Besonders wichtig war neben größter Sorgfalt bei den Anschlussarbeiten an Decken und Gebäudeöffnungen auch die exakte Ausrichtung der ersten Steinlage aus Kimmsteinen", so Behrens. Dank der erzielten Ausführungsqualität waren Architektin und Bauunternehmer mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Weitere Vorteile des Leichtbetonsteines, die sich aus der porigen Struktur des Materials ergeben, sind eine ausgleichende Wirkung auf die Raumtemperatur und ein hohes Maß an Schallschutz. Gerade letzterer spielt bei mehrgeschossigen Wohnbauten eine wichtige Rolle. Die zum Wohnkomfort beitragenden bauphysikalischen Pluspunkte der KLB-Mauersteine konnte die Wohnbau eG Goch laut eigener Angaben bei der Vermietung der Wohnungen als zusätzliches Vermarktungsargument gut nutzen.

Die drei Mehrfamilienhäuser des Architekturbüros Reppco wurden im Oktober 2015 fertiggestellt. Bereits im Herbst 2014 begannen die Planungen für den zweiten Bauabschnitt. Nach Abschluss des Gesamtprojektes im Sommer 2016 wird die Siedlung dann über rund 200 Wohneinheiten in ca. 140 Gebäuden verfügen.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 08/2016.

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