Bauaussichten 2018

Gerüstbaumarkt entwickelt sich nicht 1:1 mit dem Bausektor

Von Marcus Nachbauer, Präsident Bundesverband Gerüstbau, Köln

Für einen Ausblick auf die Entwicklungen im Gerüstbauer-Handwerk sind der Industrie- und Fassadengerüstbau getrennt voneinander zu betrachten. Der sogenannte Industriegerüstbau umfasst Gerüstbauleistungen, die in der Regel auf einem Werksgelände erbracht werden, z.B. bei Revisionen von Industrieanlagen oder der Instandhaltung von Produktionsgebäuden. Der Begriff "Fassadengerüstbau" ist branchenspezifisch und steht sinnbildlich für das Einsatzgebiet Baustelle. Er umfasst alle Gerüstbauleistungen. Eine exakte Trennlinie zwischen den zwei Tätigkeitsfeldern gibt es nicht. Die Vergangenheit zeigt, dass die wirtschaftliche Entwicklung der Bau- und Gerüstbaubranche nicht parallel verläuft. Dennoch beeinflusst die Lage der Bauwirtschaft insbesondere den Fassadengerüstbau. Der ZDB veröffentlicht eine positive Einschätzung der aktuellen Situation. U. a. hat die Auftragslage im Sommer 2017 gegenüber dem Vorjahr um 4 % zugelegt. Weil es besser lief als erwartet, hat die deutsche Bauindustrie Mitte des Jahres ihre Wachstumsprognose für 2017 von 5 auf 6 % angehoben und in der Voraussage für 2018 ein Umsatzplus von 5,5 % veröffentlicht. Aus den Gesprächen mit den Mitgliedern von Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau ergibt sich im Fassadengerüstbau ein ähnliches Bild zur wirtschaftlichen Entwicklung wie im Bauhauptgewerbe. Das gilt nicht für den Industriegerüstbau. Der Produktions- und Energiestandort Deutschland befindet sich im Umbau und teilweise im Rückbau. Es ist daher von einer entsprechend rückläufigen Umsatzentwicklung für diesen Gerüstbauzweig im Jahr 2017 aus zugehen. Das hat die Wettbewerbssituation verschärft und den Preisdruck erhöht.

Ausgehend von der aufgezeigten aktuellen Lage folgt der Blick auf 2018. Auch, wenn die Bauindustrie für 2018 von einem deutlichen Umsatzwachstum ausgeht, sind wir nicht davon überzeugt, dass das Gerüstbauer-Handwerk diesem Trend im Ganzen folgen kann. Wie bereits dargestellt, entwickelt sich der Gerüstbaumarkt nicht 1 : 1 mit dem Bausektor, und wir gehen davon aus, dass dieses Phänomen auch für den Aufschwung gilt. Das Umsatzvolumen im Wohnungsbau wird aller Voraussicht ansteigen aber leider verschiebt sich die Umsatzverteilung zu Lasten der Bestandsmaßnahmen Richtung Neubau.

Bezogen auf das Gesamtvolumen eines Bauvorhabens, ist der auf Gerüstbauleistungen entfallende Umsatzanteil bei Bestandsmaßnahmen regelmäßig größer als beim Neubau. Auf Grund der geringeren Umsatzanteile im Neubau gehen wir davon aus, dass ein Teil des wachsenden Bauvolumens auf Grund der Umverteilung Richtung Neubau für den Gerüstbau verloren geht. Der Industriegerüstbau wird auch 2018 wegen der strukturellen Veränderungen in Deutschland bei der Umsatz- und Preisentwicklung deutlich hinter dem Fassadengerüstbau bleiben. Bitte verstehen Sie die für den Gerüstbau aufgezeigte Situation nicht falsch. 2017 war ein gutes Jahr. Die Auftragsbücher waren insgesamt gut gefüllt. Vielleicht auch zu voll und Hektik hat das Ruder übernommen, was häufig negative Auswirkungen auf die Produktivität und Rentabilität hat. Der Facharbeitermangel ist der größte Bremsklotz für eine bessere Entwicklung. Aber selbst wenn 2017 das Gerüstbauer-Handwerk aufgrund der unterschiedlichen Entwicklung im Industrie- und Fassadenbereich im Gesamtschnitt stagniert, darf nicht vergessen werden, dass bereits 2016 das größte Umsatzvolumen seit 1996 erzielt wurde. Grundlegend gehen wir daher wie im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe für 2018 von einer positiven Marktentwicklung aus. Unsere Einschätzung ganz konkret: 2018 werden die Umsatz- und Beschäftigtenzahlen um 2 % steigen können. Bei den Betriebszahlen sehen wir für das kommende Jahr wiederholt einen Seitwärtstrend. Trifft die Prognose zu, würde Ende 2018 für einen Betrachtungszeitraum von 22 Jahren bei Umsatz und Beschäftigung ein neues "Allzeithoch" erreicht werden.

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