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GIN rät Kommunen

Tragwerke mit Nagelplattenbindern ausschreiben

Holz, Forschung und Bildung

Tragwerksbau mit Nagelplattenbindern erweist sich als ideal, wenn Neubauten, Aufstockungen und Dacherneuerungen wirtschaftlich zum Wunschtermin fertigzustellen sind.

Ostfildern (ABZ). – Bürgermeister, Kämmererund im Auftrag der Kommune tätige Planungsbüros ver-folgen ein gemeinsames Ziel: Neubau-, Sanierungs- undAufstockungsprojekte bedarfs- und termingerecht zum Erfolg zu führen. Da aber die Haushaltslage vieler Städte und Gemeinden fast schon chronisch angespannt ist, muss immer öfter mit spitzem Bleistift gerechnet werden. Um dennoch Qualitätseinbußen zu vermeiden, ist die öffentliche Hand gut beraten, sich die Vorteile der Vorfertigung vor Augen zu führen und Bauvorhaben konsequent mit Tragwerken aus Nagelplattenbindern auszuschreiben. Die fachwerkartigen Konstruktionen aus Holz und metallischen Verbindungsmitteln vereinen viele Vorzüge, von denen kommunale Auftraggeber profitieren.

Nagelplattenbinderkonstruktionen erweisen sich gleich in mehrfacher Hinsicht als vorteilhaft: Durch Vorfertigung der bis zu 35 m langen Tragglieder in der Halle ist die Verfügbarkeit zum Wunschzeitpunkt gesichert. Geliefert wird termingenau. Sobald bei einem Neubau die Umfassungswände stehen, kommt das Dachtragwerk per Lkw und kann vor Ort sofort errichtet werden. Da gibt es keine Verzögerung des Baufortschritts, weil irgendwas nicht passt. Denn jeder einzelne Binder ist vom Hersteller bauwerksspezifisch bemessen und von vornherein auf die statischen Erfordernisse im Zusammenspiel mit allen anderen Traggliedern abgestimmt.

"Weil bei Nagelplattenkonstruktionen jedes Element auf Anhieb sitzt, muss auf der Baustelle nichts zurechtgezimmert werden. Das spart Zeit und Personalkosten, so dass das kalkulierte Baubudget problemlos eingehalten werden kann, soweit es das Dachtragwerk betrifft", betont der erfahrene Holzbauunternehmer Hans Werner Backes, Obmann im Marketing-Ausschuss des GIN. Ob es dem Auftraggeber um die Schaffung zusätzlichen Wohnraums durch Bestandsaufstockung geht, ob es sich um die Überdachung einer Mehrzweckhalle oder eines Gemeindehauses handelt, der Dachstuhl einer Schule, eines Kindergartens bzw. einer Kindertagesstätte zu erneuern ist oder Flüchtlingsunterkünfte kurzfristig benötigt werden – die Summe ihrer Vorzüge macht die Nagelplattenbinderbauweise auch für Architekten interessant. Umso mehr, als der klassische handwerkliche Tragwerksbau in seiner Kleinteiligkeit oft zu arbeits-, zeit- und kostenintensiv erscheint, als dass sich die Herausforderung, sicher, schnell und wirtschaftlich zu bauen, auf althergebrachte Weise meistern ließe. "Wir haben Unternehmen in unseren Reihen, die für einzelne Auftraggeber pro Jahr gleich mehrere Tausend Dachtragwerke aus Nagelplattenbindern fertigen, liefern und errichten. Ebenso finden sich im GIN Betriebe, die sich hervorragend auf die rationelle Herstellung von Bindern für Sonderanwendungen verstehen. Von dem umfassenden Tragwerksbau-Know-how der GIN-Mitglieder dürften vor allem Architekten profitieren, die das vorelementierte Bauen mit Holz bereits praktizieren oder planen, es künftig stärker in die eigenen Konzeptüberlegungen einzubeziehen", ermuntert der Sachverständige Dipl.-Ing. Ralf Stoodt Deutschlands Baumeister, ihren Auftraggebern die Ausführung der Tragwerkskonstruktion mit Nagelplattenbindern vorzuschlagen. Die Mitgliedsfirmen der Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e. V. und des Interessenverbandes Nagelplatten e. V. haben sich freiwillig zur Erfüllung besonderer Anforderungen verpflichtet, um ihren Auftraggebern maximale Tragwerkssicherheit zu garantieren. Bemerkenswert sind u. a. folgende Aspekte:

Nagelplattenbinder bestehen hauptsächlich aus technisch getrocknetem Nadelholz, dessen Holzfeuchte nicht mehr als 20 % betragen darf. Das schreiben die RAL Güte- und Prüfbestimmungen der Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e. V. allen Mitgliedsfirmen vor. Grund dafür ist, dass bei Tragwerken aus technisch getrocknetem Holz der zusätzliche Einsatz chemischer Holzschutzmittel überflüssig ist.

Nagelplattenbinderkonstruktionen zeichnen sich durch hohe statische Belastbarkeit bei schlankem Holzquerschnitt und verhältnismäßig geringem Eigengewicht aus. Ihre ordnungsgemäße Herstellung wird bei GIN-Mitgliedsfirmen regelmäßig durch neutrale Stellen überprüft. Dafür bürgt das RAL-Gütezeichen 601/Teil I, das alle Nagelplattenbinderhersteller im GIN führen.

Die präzise Montage der Binder erfolgt an jeweils exakt vorausberechneten Anschlusspunkten. Tragwerk, Verankerung und Aussteifung können dadurch einen sicheren, dauerhaft belastbaren Verbund bilden. Wenn alle Voraussetzungen vorliegen, ist der GIN bestrebt, das RAL-Gütezeichen 601/Teil II für fachgerechte Nagelplattenbindermontage zu vergeben.

Die Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte und der Interessenverband Nagelplatten haben zahlreiche Forschungsprojekte initiiert, die Antworten auf zentrale Fragen des Tragwerkbaus geben. Bspw. wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr.-Ing. Martin H. Kessel untersucht und definiert, was ein Tragwerk aushalten können muss, um als robust zu gelten: Bei Tragwerken mit Nagelplattenbindern sorgt das solidarische Konstruktionsprinzip dafür, dass ein Binder die Last des nebenstehenden trägt, wenn ein Schadensfall eintritt (z. B. weil ein Baum oder Baukran umstürzt und Teile des Dachs beschädigt). Die Sekundärkonstruktion aus Verbänden und Lattung wird dafür so bemessen, dass die Last des versagenden Binders auf die benachbarten abgeleitet wird.

Auch heißen Eisen widmet sich der GIN mit kühlem Kopf: So wurde an der TU München ein wissenschaftliches Forschungsprojekt zum Brandschutz bei Nagelplattenbinder-Dachtragwerken initiiert und von A bis Z begleitet. Der Abschlussbericht, der die Grundlage zur Erstellung maßgeschneiderter Brandschutzkonzepte für Tragwerke mit Nagelplattenkonstruktionen bilden soll, macht die Bedingungen der Entstehung und Ausbreitung von Bränden im Dachraum nachvollziehbar. Dadurch können sowohl vorbeugende als auch abwehrende Brandschutzmaßnahmen besser geplant und aufeinander abgestimmt werden.

ABZ-Stellenmarkt

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 21/2016.

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