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Gleiswagen für Materialtransport angefertigt

Werkstatt- und Wartungshallen der Münchner U-Bahn saniert

Die Wetterschutzdächer können elektrisch verfahren werden.

München (ABZ). – In den Werkstatt- und Wartungshallen der MünchenerU-Bahn werden die U-Bahn-Fahrzeuge gewartet und instandgesetzt. Die Hallen befinden sich im Gebäude 11 auf dem Betriebsgelände der Technischen Basis U-Bahnin München-Fröttmaning.

Der Hallenbereich besteht aus zwei Hallenschiffen mit einer Grundfläche von insgesamt in etwa 9000 m². Entlang der Ostseite ist den Hallen auf einer Länge von rund 160 m ein weiterer Gebäudeteil angegliedert, der "Ostbau" mit einer Grundfläche von etwa 2000 m². Das Gebäude 11 wurde Anfang der 1970er Jahre errichtet und wird derzeit umfassend saniert. Teupe und Söhne Gerüstbau GmbH wurde von der Stadtwerke München GmbH beauftragt, zwei elektrisch verfahrbare Wetterschutzdächer inklusive Wetterschutzeinhausung zu montieren, damit Dach- und Brandschutzsanierungsarbeiten am Gebäude 11 ausgeführt werden konnten. Auch Innenraumgerüste für zusätzliche Instandhaltungsmaßnahmen sollte das Unternehmen stellen. Der Auftrag umfasste sämtliche Leistungen von der Vorlage eines technischen Konzeptes über die detaillierte Planung, Nachweisführung inklusive detaillierter Konstruktions- und Ausführungszeichnungen sowie die Montage und Demontage der Wetterschutzdächer und Gerüstkonstruktionen.

Bei der Planung waren einige Besonderheiten zu beachten. Deshalb musste die Teupe und Söhne Gerüstbau GmbH bereits bei der Abgabe des Angebots im Vorfeld ein Konzept für alle Gerüstkonstruktionen vorgelegen. Für die Sanierung der Dächer der beiden nebeneinanderliegenden jeweils 130 m langen und 33 m breiten Hallen wurden zwei fahrbare Wetterschutzdächer benötigt. Sie bestanden aus insgesamt 13 Binderfeldern, mit einer Spannweite von 34 m, einer Gesamtbreite von 38 m und einer Länge von 32,5 m. Die Giebelseiten wurden mittels einer Stahlrohrkonstruktion bis auf die Dachhaut geführt. Für die Auflagerung der Wetterschutzdächer wurden in enger Abstimmung mit dem Bauwerksstatiker auf der Attika der Gebäude 400 m Stahlprofile HEA 220 aufgeschraubt. Hierfür wurde zuvor in der Teupe-Werkstatt auf den Fahrschienen ein Flacheisen für die Führung der Fahrrollen aufgeschweißt.

Für die 35 m langen Fahrwerke auf beiden Seiten der Wetterschutzdächer wurden in der Teupe-Werkstatt ebenfalls Stahlprofile hergestellt und Kopfplatten angeschweißt, um sie vor Ort in einem Stück montieren zu können. Zusätzlich wurden die Wetterschutzdächer in Abstimmung mit dem Bauwerksstatiker durch eine seitlich an der Attika angebrachte Schiene gegen ein Abheben zum Beispiel bei starkem Wind gesichert.

Damit die Dächer elektrisch verfahren werden können, wurden in Abständen von je 3,3 m Fahrwerke angebracht und mit acht synchron steuerbaren Elektromotoren versehen. So wurde die rund 60 t schwere Last der Gesamtkonstruktion aus Wetterschutzdächern, Fahrwerken, Unterkonstruktion und Giebeleinhausung auf die Fahrschiene übertragen.

Da die Dachsanierungsarbeiten in entgegengesetzter Richtung ausgeführt wurden, wurden die Wetterschutzdächer jeweils auf der Nord- und Südseite des Gebäudes montiert und dann aufeinander zugefahren. Beide Wetterschutzdächer mussten auf der Trennwand in der Mitte zwischen den beiden Gebäuden verschoben werden. Die gemeinsame Nutzung der Fahrschiene auf der Mittelwand erforderte es, ein Wetterschutzdach abzubauen und auf die andere Seite umzusetzen. Für den Umbau wurden die Binderfelder mit einem Kran auf der Straße abgesetzt und anschließend mit einem zusätzlichen Autokran auf die andere Seite des Gebäudes gehoben. Aufgrund der sehr engen Taktung der auszuführenden Arbeiten musste der Umbau sehr schnell gehen. Teupe realisierte dies in nur drei Arbeitstagen.

Die Instandsetzung dauerte knapp ein Jahr. Im August 2018 begannen die vorbereitenden Arbeiten wie das Montieren der umlaufenden Dachrandsicherung von etwa 300 m und des Dachfanggerüstes. Die Wetterschutzdächer wurden Anfang 2019 montiert. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten zum Ende des Jahres 2019 erfolgte der Abbau.

Teupe erhielt zudem den Auftrag, Innengerüste für die Brandschutzsanierung der beiden jeweils 130 m langen und 32,5 m breiten Hallen (Wartungshalle mit fünf Bahnsteigen und vier Gleisen sowie Werkstatthalle mit vier Gleisen auf Bodenniveau und einem Wartungsweg) zu stellen. Während in der Werkstatthalle die Materialanlieferung und die Gerüstmontage ebenerdig erfolgten, war dies in der Wartungshalle wegen der Bahnsteige nicht möglich. Hier musste das Material durch einen speziell für diese Baumaßnahme in der Teupe-Werkstatt angefertigten Gleiswagen außerhalb der Halle aufgeladen werden, um anschließend auf dem Gleis nach innen zu fahren. Der Gleiswagen mit einem Material-Fassungsvermögen von etwa 4 t war so konstruiert, dass er passgenau mit der Bahnsteigkante abschloss, sodass Personal und Arbeitsplätze unterhalb der Bahnsteige nicht gefährdet wurden.

Die Gerüste wurden zeitgleich in beiden Hallen montiert. Die staub- und wasserdicht auszuführenden Deckengerüste gründeten auf Gerüstscheiben mit etwa 5 m Höhe in Längsrichtung auf den Bahngleisen. Diese wurden in Querrichtung mittels Gitterträger in jeder Achse verbunden und mit einem Fachwerk im Gerüstsystem zusätzlich ausgesteift. Die Belagfläche bestand aus einem Staluboden mit einer aufgelegten Bohlenlage, die vollflächig mit einer 24 mm starken Holzplatte versehen und passgenau bis zur Wand geführt wurde. Auf der Holzabdeckung wurde zusätzlich eine Schutzplane aufgebracht. Jeweils drei Binderfelder der Hallen waren komplett eingerüstet. Das vierte Feld wurde im Baufortschritt umgesetzt. Vor den Kopfbereichen der Hallen enden die Bahnsteige. Da hier jedoch in Längs- und Querrichtung Transportwege für den Betrieb verlaufen, mussten die Gerüste in diesem Bereich auf wenigen Stützen aufgelagert werden. Hier wurden vier Konstruktionen mit Überbrückungen aus insgesamt etwa 1000 m Stahlprofilen statisch nachgewiesen und ausgeführt. Die Stahlprofile wurden in der Teupe-Werkstatt mit Kopfplatten versehen und auf die erforderlichen Maße konfektioniert.

Während der Baumaßnahme lief der Betrieb in den beiden Hallen weiter. Die Sanierungsarbeiten durften den Betrieb nicht beeinträchtigen. Außerdem mussten die Gleisanlagen freigehalten werden. Es durften nur Arbeiten in den Bereichen ausgeführt werden, in denen kein Zug stand. Nur das Gleis, an welchem das Gerüst stand, war stromfrei geschaltet. Alle anderen Gleise und Teile der Transportwege waren weiter elektrifiziert. Jeder Montageablauf wurde im Vorfeld durch Teupe geplant, beschrieben und mit allen Beteiligten kommuniziert. Die Koordination der Standplätze der Züge wurde kurzfristig nach Erfordernis festgelegt und arbeitstäglich neu abgestimmt.

Für Teupe bedeutete dies, das Material jeweils just in time zusammenzustellen und zu einem vorher mit dem Betrieb festgelegten Zwischenlager zu transportieren. Jede Nachtschicht musste täglich neu geplant werden. Dies erforderte einen sehr hohen Einsatz des Personals sowie hohe Verantwortung und außergewöhnliches Engagement des Montageleiters. In Spitzenzeiten waren 43 Mitarbeiter vor Ort. Es wurden erhebliche Tonnagen an Gerüstmaterial koordiniert. Alle Arbeiten wurden fristgerecht und bezüglich Arbeitssicherheit im Gleisbereich sowie im elektrifizierten Bereich und im Gerüstbau sicher ausgeführt.

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