Groß und größer

Bald Gigaliner auch auf Brandenburgs Straßen

von:

Manfred Rey

Nutzfahrzeuge
Die Bildkombo zeigt einen Gigaliner (unten) sowie einen normalen LKW (oben) bei ihrer Fahrt auf einer Landstraße bei Parchim. Foto: Jens Büttner/dpa

Potsdam. – Groß, größer, Gigaliner: Mit Spannung erwartet Spediteur Burkhard Fromm den Start des Brandenburger Feldversuchs für den Einsatz von Riesen-Lastkraftwagen. Dann will er mit seinem 25 m langen sogenannten Gigaliner Fertigbaustoffe vom Firmenstandort Oranienburg (Oberhavel) nach Wiesbaden in Hessen fahren.

Brandenburg hat sich vier Jahre Zeit gelassen, in das Pilotprojekt mehrerer Länder einzusteigen. In diesem Monat soll es losgehen – und schon zum Jahresende auslaufen. "Schön wäre es, wenn der Versuch dann auch im nächsten Jahr weitergeht oder der Regelbetrieb aufgenommen wird", sagt Fromm. Lange hatte sich das Land gegen das 2012 gestartete Pilotprojekt gesträubt. Zwar gab es vor vier Jahren im Potsdamer Verkehrsministerium ein Treffen mit interessierten Speditionen.

Der damalige Ressortchef Jörg Vogelsänger (SPD) lehnte die Gigaliner aber strikt ab, da sie seiner Ansicht nach den Verkehr gefährden und den Wettbewerb verzerren. Umweltschützer befürchten, dass künftig mehr Fracht auf der Straße statt mit dem Zug transportiert wird und die Treibhausgasemissionen steigen. Befürworter halten dagegen, ein Lang-Lkw sei besser fürs Klima als mehrere kleinere Laster.

Erst im Herbst vergangenen Jahres schwenkte das Potsdamer Ministerium um, nachdem das Bundesamt für Straßenwesen in einem Zwischenbericht den Einsatz der Riesen-Lkw positiv bewertet hatte. "Im November bekam ich plötzlich eine E-Mail vom Verkehrsministerium, ob wir an dem Feldversuch noch Interesse haben", sagte Fromm.

Ohne Verlängerung über dieses Jahr hinaus habe die Anschaffung eines zweiten Gigaliners allerdings für ihn keinen Sinn. Pro Wagen müsse er rund 140.000 Euro investieren. Zwei Großlaster könnten künftig drei herkömmliche Lkw ersetzen. "Das führt zu Einsparungen bei uns und den Kunden", rechnet der Chef des 50-Mann-Betriebs vor. Das Bundesamt für Straßenwesen hatte einen Kostenvorteil für die Transportunternehmen beim Einsatz der Gigaliner von 16 % ermittelt.

Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam sieht den Start des Probebetriebs positiv. Bislang sei überwiegend über die Gefahren diskutiert worden. "Das ist aber zu kurz gegriffen. Durch den Versuch werden die Chancen einer Innovation im Straßenverkehr ausgelotet", sagte der IHK-Referent für Standortpolitik, Johannes Ginten. Kritikern begegnet Ginten mit dem Hinweis auf positive Erfahrungen in skandinavischen Ländern, wo die Gigaliner bereits seit Längerem unterwegs sind. Brandenburg ist das 13. Bundesland, das sich an dem umstrittenen Versuch beteiligt. Noch 2012 hatten sich beim Start des Pilotprojekts fast alle von SPD und Grünen geführte Landesregierungen dagegen ausgesprochen. Doch nach und nach bröckelte die Front, im Vorjahr schlossen sich auch auch Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen an. Nur Berlin, Rheinland-Pfalz und das Saarland halten an ihrer Skepsis fest. Und der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Martin Burkert, sagte im Januar bei der SPD-Winterklausur, nach dem Ende des Versuchs müsse mit den Gigalinern auf den Straßen in Deutschland Schluss sein.

Derzeit sind rund 135 der bis zu zu 25,25 m langen Fahrzeuge auf ausgewählten Strecken unterwegs. Die maximale Nutzlast beträgt 44 t. Für den Versuch hat Brandenburg Routen angemeldet, die den Speditionen eine kurze Anfahrtsstrecke ermöglichen. Dazu gehören der gesamte westliche und südliche Abschnitt des Berliner Rings sowie Teilstrecken auf den Autobahnen 2, 9, 13, 19 und 24. Erlaubt sind auch die Autobahn-Zufahrten zu den Unternehmen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat sich schon vor Abschluss des Versuchs für die dauerhafte Zulassung der Lang-Lkw ausgesprochen. Darauf setzt auch Spediteur Fromm. "Sonst wären die Investitionen ja reine Geldverbrennung gewesen", sagt er.

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