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Großprojekt Fehmarnbelt-Tunnel

Mit effizienter Software zum Projekterfolg

Von Christof Lorenz

So soll die Halle für das Gießen der Betonelemente in der künftigen Tunnelelementfabrik aussehen.

Puttgarden/Rødby. – Mit zunehmenden Volumen eines öffentlichen Bauprojekts steigt auch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit darauf, dass Bauzeit und Kosten eingehalten werden. Die Vielzahl der Projektbeteiligten verursacht jedoch bei 40 % aller Großprojekte spürbare Erschwernisse bei der Koordination und Führung. Oft weichen deshalb Planung, Kommunikation und Zusammenarbeit von der Kalkulation ab. Erschwerend kommen auch Gesetzesvorgaben hinzu, die Projektprozesse transparenter machen und dokumentieren sollen.

Als weltweit längster Absenktunnel zählt der Fehmarnbelt-Tunnel zwischen Puttgarten in Deutschland und Rødby in Dänemark zu den größten Infrastrukturprojekten Nordeuropas. Daher gestaltet es sich besonders schwierig, alle Vorgaben sowie die Budget- und Zeitplanung einzuhalten. Dabei sind die digitale Vorarbeit und Begleitung des Megaprojekts ebenso anspruchsvoll wie die Durchführung selbst.

Anfang 2021 startete der Bau auf der dänischen Seite in Rødby. In den kommenden acht Jahren sollen unter Wasser eine vierspurige Autobahn und eine zweigleisige, elektrifizierte Bahnstrecke nach Puttgarten in Deutschland entstehen. Schiffe, die parallel zur geplanten Unterwassertrasse verkehren, benötigen für die Querung des Fehmarnbelts volle 45 Minuten. Durch den Tunnel soll die Bahn nur noch sieben Minuten brauchen, während mit dem Auto nur etwa zehn Minuten eingeplant werden müssen.

Wie bei jedem Projekt gab es zu Beginn ein Anhörungsverfahren. Im Rahmen dessen trafen etwa 12 600 Einwände verschiedener Interessensgruppen ein, die Femern A/S als Bauherr, der auch für Planung und Betrieb zuständig ist, bearbeiten muss. Zur Bewältigung dieser zahlreichen Einwände, die von Umweltfragen über Logistik bis zu den wirtschaftlichen Auswirkungen reichen, griff der Bauträger auf ein automatisiertes Einspruchsmanagement-Tool als Software-as-a-Service (SaaS) von Thinkproject zurück. Die Software sammelt alle Einwände und Stellungnahmen während der Anhörungsphase.

Anschließend werden sie in die einzelnen Argumente untergliedert und dem zuständigen Bearbeiter zugeordnet. So kann jedes Argument individuell beantwortet werden und die Antworten durchlaufen mehrere Genehmigungsschritte innerhalb des Einspruchsmanagement-Tools. Die Automatisierung innerhalb des Prozesses spart spürbar Zeit und dokumentiert den gesamten Anhörungsprozess. Im weiteren Verlauf des Megaprojektes benötigte der künftige Tunnelbetreiber eine BIM-Plattform und entschied sich für die Lösungen Eplass CDE und Desite BIM von Thinkproject. Femern A/S profitiert davon, dass das System modular konzipiert ist. Dadurch werden die verschiedenen Aspekte der Daten in einer gemeinsamen Datenumgebung (CDE) verwaltet. So verfolgen spezielle Module die Lieferung von Designpaketen oder verschaffen einen Überblick über Plan- und Modell-Abhängigkeiten, die methodisch sichtbar gemacht werden.

Die eingesetzte BIM-Plattform besteht aus Containern mit den drei elementaren Datenbausteinen: Metadaten, Dateien und Protokollierung. Die Nachverfolgung funktioniert entweder über Metadaten, als Anhang sowie Link auf einen anderen Container oder eine externe Quelle.

Designdaten in IFC oder anderen offenen Formaten wie PDF oder LandXML können parallel zu geschützten Dateien in einem Container verwaltet werden. Das schließt die Anzeige von Punktwolken und die Unterstützung weiterer Datentypen ein, die Bilder und räumliche Scans umfassen. Alle BIM/CAD-Modelle und die entsprechenden 2D-Pläne lassen sich in Koordinationsmodellen kombinieren und für die Überprüfung, Analyse und Archivierung einsetzen.

Das CDE erlaubt dem Anwender, die BIM-Software direkt aus der Anwendung zu starten, wodurch sich Abläufe schneller koordinieren lassen. In der Datenumgebung definierte Arbeitsabläufe leiten den Nutzer anhand mehrerer Schritte durch den Prozess, wodurch dieser leicht verständlich ist. Basierend auf den definierten Metadaten für eine Datei kann die Datenplattform automatisch die Gutachter, Genehmigenden und vieles andere mehr auswählen. Sobald ein Workflow initiiert wird, erhält der erste User eine Benachrichtigung.

Das Zusammenspiel von CDE und BIM als SaaS-Plattform schließt nahtlos an das automatisierte Einwand-Management an. Femern A/S hat so eine solide, digitale Basis geschaffen, um den Fehmarnbelt-Tunnel Realität werden zu lassen. Diese Digitalisierung von der Planung über den Bau bis zum Betrieb ist die Grundlage dafür, dass das Projekt mit Hunderten Personen und zahlreichen Firmen koordinierbar wird. Das liegt vor allem daran, dass die Plattform Prozesse und Methoden der verschiedenen Akteure vereinheitlicht und dadurch die Effizienz steigt. Das spiegelt auch der Projektfortschritt wider: Derzeit läuft die zweite von neun Bauphasen mit vielversprechendem Verlauf.

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Der Autor ist als Head of Presales Consulting bei Thinkproject tätig.

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