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Großveranstaltungen am Bau

Das schwere Geschäft mit Messen in der Corona-Krise

Von Sonja Weiße und Robert Bachmann

Auf der IFAT 2018 wurde bereits für diesjährige IFAT 2020 Werbung gemacht. Wegen der Corona-Pandemie war die Messe zunächst von Mai auf September verschoben worden. Nun steht fest: In diesem Jahr wird es gar keine IFAT geben.

Schwere Zeiten für Messeveranstalter: Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus mussten bereits zahlreiche Messen und andere Großveranstaltungen in diesem Jahr abgesagt beziehungsweise verschoben werden. Auch für die Bauwirtschaft fallen 2020 zahlreiche Branchenevents aus. Selbst Termine im kommenden Jahr stehen aktuell auf wackeligen Beinen. Es gibt aber auch Lichtblicke.

Hannover. – Vieles sieht danach aus, dass der Messekalender in diesem Jahr sehr dünn ausfallen könnte. Auch in den Bereichen Bau und Handwerk sind bereits zahlreiche Fachmessen, Fachtagungen und weitere Großveranstaltungen abgesagt oder verschoben worden. Dazu zählen unter anderem Branchenevents wie die Weltleitmesse Light + Building in Frankfurt, die Stone+tec in Nürnberg oder die Internationale Handwerksmesse in München.

Gerade zu Beginn der Corona-Krise in Deutschland hatten einige Veranstalter noch gehofft, mit Nachholterminen reagieren zu können. Unter anderem am Beispiel des Nürnberger Messe-Duos Fensterbau Frontale/Holz-Handwerk zeigt sich aber, dass eine zeitnahe Verschiebung, wohlmöglich noch in diesem Jahr mit zunehmender Dauer der Einschränkungen immer unrealistischer wird. Zunächst vom März in den Juni verschoben musste das Messedoppel wegen des jetzt bis Ende August geltenden Verbots von Großveranstaltungen schließlich komplett abgesagt werden.

Steinexpo

Die Steinexpo kann nicht, wie geplant, im August stattfinden. Derzeit wird nach einen Ausweichtermin 2021 gesucht.

Besonders hart trifft es in diesen Tagen jene Veranstalter, für deren Messen im aktuellen Geschäftsjahr keine Verschiebung möglich ist. So sah sich kürzlich auch die Geoplan GmbH gezwungen, die Steinexpo zu verschieben. Ursprünglich hätte die Demonstrationsmesse für die Roh- und Baustoffindustrie vom 26. bis zum 29. August im Steinbruch der Mitteldeutschen Hartstein-Industrie AG (MHI) in Homberg/Nieder-Ofleiden stattfinden sollen. Wegen des aktuell bis Ende August geltenden Großveranstaltungsverbots wurde dieser Termin nun jedoch abgesagt und auf das kommende Jahr verschoben. „Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen“, erklärte Friedhelm Rese, Geschäftsführender Gesellschafter der Geoplan GmbH, im Gespräch mit der ABZ. „Es fühlt sich aktuell so an, als hätte man uns den Boden unter den Füßen weggezogen.“

Eine Verschiebung innerhalb des laufenden Jahres sei weder für die Messe selbst, noch für viele der Aussteller planbar gewesen. Das liegt auch an dem speziellen Charakter der Steinexpo. Sie findet alle drei Jahre in einem aktiven Steinbruch statt. Der Vorteil: Die ausgestellten Maschinen und Anlagen können dort unter realen Praxisbedingungen präsentiert und vorgeführt werden. Die Aufplanung in dem sich kontinuierlich verändernden Abbaugebiet bedarf einer langen Vorlaufzeit. Messechef Rese ist jedoch zuversichtlich, dass zeitnah ein neuer Termin für 2021 gefunden werden kann.

Zuversichtlich stimmt ihn auch das Feedback, welches er auf die Absage hin bekommen hat. Zusammen mit seinem Team hat er in den vergangenen Tagen mit mehr als 200 Ausstellern der Messe gesprochen. „Wir haben hier ein unheimlich hohes Maß an Solidarität erfahren“, sagt Rese. „Die Mehrheit der Aussteller hat bereits jetzt bekundet, auch 2021 auf der Steinexpo dabei zu sein. Dafür sind wir überaus dankbar.“

IFAT

Stefan Rummel ist Geschäftsführer der Messe München.

Großveranstaltungen ab September sind nach aktuellem Stand (29. April) zwar nicht verboten. Doch aufgrund bestehender Unsicherheiten haben einige Veranstalter nun auch bereits später terminierte Messen abgesagt. Ein Beispiel dafür ist die IFAT in München, die zunächst von Mai auf September verschoben wurde und nun ganz abgesagt worden ist. „Wir sagen schweren Herzens auch den Alternativtermin ab“, so Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München. Eine sichere und erfolgreiche IFAT 2020 für alle Beteiligten sei „aufgrund der weiterhin nicht vorhersehbaren Gegebenheiten“ auch beim Nachholtermin im September nicht mehr realisierbar. Die nächste IFAT wird damit erst vom 30. Mai bis 3. Juni 2022 stattfinden.

Mit rund 3300 Ausstellern hätte die IFAT vor einer Rekordzahl gestanden. Vor der Absage durch die Messe hatten laut Rummel nur sehr wenig Aussteller ihre Teilnahme abgesagt. In den Gesprächen sei aber klar geworden, dass die Unsicherheit laufend gewachsen sei. In einer Umfrage der Messe unter den Ausstellern hatten sich zuletzt 64 Prozent der knapp 2000 Aussteller gegen eine IFAT im September ausgesprochen. „Das Meinungsbild war deutlich: Der Großteil wollte pausieren. Also haben wir die Entscheidung zu einem Zeitpunkt gefällt, der für alle Beteiligten unternehmerisch sinnvoll ist“, erläutert Rummel.

„Die Corona-Krise hat unsere Branche als erste schnell und hart getroffen, so wie auch alle anderen Veranstaltungen, wo viele Menschen persönlich zusammenkommen. Wir müssen im schlimmsten Fall mit einem Totalausfall beim Umsatz im Jahr 2020 rechnen“, teilt Rummel auf Anfrage der ABZ weiter mit. „Aktuell suchen wir aber Wege, wie wir Veranstaltungen wieder sicher für alle Teilnehmer durchführen können.“

Allgemein müsste bei der aktuellen Diskussion beim Thema Veranstaltungen stärker differenziert werden, erklärt der Messe-Geschäftsführer weiter. Fachmessen im B2B Bereich hätten andere Möglichkeiten, eine Veranstaltung infektionssicher auf den Weg zu bringen, als ein Rockkonzert oder das Oktoberfest. Denkbare Sicherheitsvorkehrungen seien veränderte Aufplanungen und eine Steuerung der Besucher innerhalb der Hallen, um Abstände zu gewährleisten und die Sicherheit zu erhöhen.

Die Messe München GmbH arbeite aktuell daran, ihr digitales Angebot zu erweitern. Im Falle von Plattformen wie der IFAT mit verschiedenen Ablegern in anderen Ländern könnten so von München aus relevante Inhalte der Branche in der ganzen Welt zur Verfügung gestellt werden.

GaLaBau

Dr. Roland Fleck ist Geschäftsführer der NürnbergMesse Group.

Es gebe weiterhin viele Aussteller, die fest mit der GaLaBau planen, so die NürnbergMesse. Nur einige wenige hätten ihre Teilnahme storniert oder ihre Standfläche verkleinert.

Vereinzelt gibt es aber auch Lichtblicke. So will unter anderem die Nürnberg Messe (Stand 29. April) weiterhin am Termin für die GaLaBau vom 16. bis 19. September festhalten. Jedoch beschäftigt sich die Geschäftsführung auch präventiv mit anderen möglichen Szenarien: „Die jüngsten dynamischen Entwicklungen zeigen, wie schnell sich die Gesamtsituation ändern kann“, so Dr. Roland Fleck, Geschäftsführer der NürnbergMesse Group, gegenüber der ABZ. Es gebe weiterhin viele Aussteller, die fest mit der GaLaBau planen. Nur einige wenige hätten ihre Teilnahme storniert oder ihre Standfläche verkleinert.

Zu den bisher geplanten Sicherheitsvorkehrungen auf dem Messegelände gehört, dass stark frequentierte Bereiche wie Eingänge, Türgriffe und Rolltreppenläufe noch häufiger gereinigt werden als sonst. Auch soll es zusätzliche Desinfektionsmittelspender auf dem Gelände geben.

Welche Auswirkungen das Coronavirus auf das Geschäftsjahr 2020 der NürnbergMesse haben werde, hänge davon ab, ab wann wieder internationale Fachmessen im Messezentrum Nürnberg und an den Standorten der Tochtergesellschaften rund um den Globus durchgeführt werden könnten, so Dr. Fleck. Maßgeblich werde zudem sein, in welchem Umfang die Kunden dieses Angebot dann annehmen.

Es müssten klare Spielregeln definiert werden, unter denen ab Herbst wieder professionell Fachmessen in Bayern und in der Welt stattfinden könnten, fordert Dr. Fleck. Für die Zeit nach den Ausgangsbeschränkungen würden Messen Impulse für die Wirtschaft liefern, die dringend benötigt würden.

Das ursprüngliche Ziel, im Jahr 2020 rund 350 Millionen Euro Umsatz zu erzielen, werde die NürnbergMesse aufgrund der zahlreichen verschobenen beziehungsweise abgesagten Veranstaltungen nicht mehr erreichen. „Um die Liquidität des Unternehmens zu sichern, werden wir in allen Bereichen des Unternehmens Kosten einsparen und geplante Investitionen verschieben“, sagt Dr. Fleck. Seit April seien Mitarbeiter der NürnbergMesse in Kurzarbeit. Es sei das erst Mal in der Geschichte des Unternehmens, das dieses Instrument angewendet werde. Die NürnbergMesse stocke das Netto-Gehalt der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf 80 Prozent auf.

Zumindest in Hinblick auf die Digitalisierung von Messen und Kongressen sieht die NürnbergMesse die Krise auch als Chance. Wichtige, bereits vor Corona eingeleitete Schritte würden nun noch entschlossener angegangen, so Dr. Fleck. Dabei gehe es darum, physisches Erlebnis und digitale Erweiterung intelligent zu verknüpfen. „Es bleibt allerdings dabei: Digitale Angebote werden auf Dauer reale Messen nicht ersetzen, sondern ergänzen“, so Dr. Fleck.

NordBau

Auch die Veranstalter der NordBau wollen vorerst am Termin im September festhalten. Ein Vorteil: Große Teile der Messe finden im Freien statt.

Britta Wirtz, Geschäftsführerin der Karlsruher Messe- und Kongress GmbH, und Oliwer Sven Dahms, Gründer der Platformers' Days.

Auch die NordBau in Neumünster, angesetzt für den Zeitraum vom 9. bis zum 13. September 2020, könnte nach aktuellem Stand (29. April) noch stattfinden. Eine konkrete Entscheidung könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gefällt werden, erklärte Messeleiter Wolfgerd Jansch im Gespräch mit der ABZ. Hierfür müsse zunächst abgewartet werden, welche Maßgaben das Land Schleswig-Holstein für Großveranstaltungen bis zum August beschließt. „Das wird auch für uns ein Stück weit die Leitlinie sein“, so Jansch. Bis dahin laufen die Planungen für die NordBau vorerst weiter.“

Sollte es keine klaren Restriktionen seitens der Landesregierung geben, wolle man an dem Termin im September festhalten. Dabei habe der Gesundheitsschutz für die Aussteller und Besucher oberste Priorität, so Jansch weiter. „Natürlich haben wir selbst schon einmal bestimmte Eckpunkte festgelegt, wie wir die NordBau mit angepassten Regeln im September stattfinden lassen könnten.“ Voraussetzung sei, dass die Infektionskurve weiter positiv verlaufe und die Disziplin bei den Menschen im Land aufrechterhalten bleibe.

Neben strengeren Hygienestandards und Maßnahmen zum Gesundheitsschutz sei auch hier vorstellbar, die Zahl der gleichzeitig eingelassenen Besucher zu begrenzen sowie die Gänge in den Hallen zu verbreitern. Ein Vorteil der NordBau sei, dass ein Großteil der Messe im Freigelände stattfindet, so Jansch. Konkrete Festlegungen sollen aber erst getroffen werden, wenn die Landesregierung hierfür die Grundlage geschaffen hat.

Auch die Aussteller und Verbände, die in die Ausgestaltung der NordBau involviert sind, hätten sich mehrheitlich für eine Durchführung der Messe ausgesprochen, erklärte Jansch. Zum einen, um die Bauwirtschaft als tragende Säule der Gesamtwirtschaft in der Krise zu stützen. Zum anderen gebe es nach wie vor wichtige Themen für die Bauwirtschaft, die nichts mit dem Virus zu tun haben. Jansch: „Dafür braucht es Plattformen wie die NordBau. Diese wollen wir unseren Ausstellern nicht entziehen.“

Platformers' Days

Hoffnung besteht weiterhin auch für die Platformers' Days, die am 18. und 19. September in Karlsruhe stattfinden sollen. Im vergangenen Jahr hatte die Karlsruher Messe die Fachmesse für mobile Hebe- und Höhenzugangstechnik übernommen. Dieses Jahr soll sie nun erstmalig am neuen Austragungsort stattfinden.

„Garantieren können wir den Termin derzeit nicht“, erklärte Britta Wirtz, Geschäftsführerin der Karlsruher Messe- und Kongress GmbH, im Gespräch mit der ABZ. „Wir glauben jedoch, dass wir sehr gut dazu in der Lage sind, eine Veranstaltung wie die Platformers' Days so umzusetzen, dass sie auch in der aktuellen Situation für alle Beteiligten sicher ist.“ Ein Vorteil der Veranstaltung ist laut Wirtz, dass auch sie zu einem großen Teil im Freien stattfinden. Darüber hinaus könne die Messegesellschaft die Besucherdichte auf dem Veranstaltungsgelände sehr genau regulieren, Abstands- und Umgangsregeln umsetzen und sei dazu in der Lage, entsprechend strenge Hygienestandards einzurichten und aufrechtzuerhalten. „Das unterscheidet uns klar beispielsweise von Fußgängerzonen oder Einkaufszentren“, so Wirtz. Die lückenlose Registrierung aller Anwesenden auf dem Messegelände würde es darüber hinaus ermöglichen, im Ernstfall eine entsprechende Personennachverfolgung anzubieten.

„Grundsätzlich glauben wir, dass wir eine solche Veranstaltung sicher und zielgerichtet durchführen können. Die Entscheidung liegt jedoch nicht bei uns“, erklärt Wirtz und verweist ebenfalls auf die noch ausstehenden Beschlüsse von Bund und Ländern hinsichtlich Großveranstaltungen, die vor und nach dem 31. August dieses Jahres stattfinden sollen.

Auch Wirtz fordert eine klare Differenzierung des Begriffs „Großveranstaltung“. Die Kriterien, was als solche gilt und was nicht, seien aktuell noch gar nicht klar. Eine föderale Ausgestaltung der entsprechenden Kriterien sieht sie skeptisch. Gemeinsam mit Verbänden und weiteren Vertretern der Messewirtschaft habe man erst kürzlich einen entsprechenden Appell an die zuständigen Bundesministerien und Länderverantwortlichen gerichtet. „Ich glaube, es wäre fair und der Veranstaltungswirtschaft angemessen, wenn hier Klarheit auch über die Landesgrenzen hinaus bestünde. Dafür werben wir derzeit.“

Auch auf Ausstellerseite stünden die Zeichen mehrheitlich für eine Durchführung der Platformers' Days. Das Team rund um Messegründer Oliwer Sven Dahms und Projektleiterin Olivia Kollmer stehe rund um die Uhr im engen Austausch mit den Unternehmen und erfahre ein hohes Maß an Solidarität. Die Gesundheit und die Eindämmung der Virusausbreitung stehe sowohl auf Seiten der Messe als auch auf Seiten der Aussteller an oberster Stelle, erklärt Wirtz. „Wir glauben aber auch, dass Messen jetzt eine erhebliche Leistung erbringen können, wenn es darum geht, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Das wird im Herbst nun besonders nötig werden.“

Ausblick

Das Geschäft der Messeveranstalter gestaltet sich aktuell enorm schwer. Vieles hängt vor allem von der Größe der jeweiligen Veranstaltung und der damit verbundenen Umsetzbarkeit geltender Einschränkungen und Sicherheitsstandards ab. Eine zentrale Rolle spielen die Aussteller und Besucher. Insbesondere aus dem Ausland dürfte der Zulauf in der näheren Zukunft wohl eher verhalten ausfallen, wenn weiterhin bestehende Reisebeschränkungen ihn nicht gar völlig abschneiden.

Fraglich bleibt auch, ab wann die Teilnahme an einer Messe für Aussteller und Besucher wieder planbar beziehungsweise denkbar ist. Nach Monaten der Kontaktbeschränkungen wird es sicherlich kein Leichtes sein, den Schalter einfach wieder umzulegen. Dass Unternehmen in dieser Hinsicht mitunter sehr vorsichtig agieren, zeigen erste Aussteller-Absagen für Fachmesse Bau, die im Januar 2021 in München stattfinden soll. Auch hier deutet sich an, dass uns das Thema Coronavirus noch deutlich länger beschäftigen könnte, als uns lieb ist.

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