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Bauaussichten 2018

Gut aufgestellt für Ressourceneffizienz und Digitalisierung

Von Dr. Bernhard Hauke, Geschäftsführer bauforumstahl, Düsseldorf

Insbesondere im zweiten Halbjahr hat sich das Jahr 2017 nach verhaltenem Start für die Stahlbaubranche sehr positiv entwickelt. Dies schlägt sich in einer sehr guten Auslastung und auch auf Jahressicht gestiegenen Mengen nieder. Für 2018 erwarten wir eine weitere leichte Steigerung der Stahlbauproduktion in Deutschland auf deutlich über 2,1 Mio. t – Spitze in Europa. Die Impulse gehen hierbei insbesondere vom Hallenbau aus und hier konkret vom Segment Handel und Lager. Weiterhin werden auch Steigerungen im Bereich leichter Stahlkonstruktionen, besonders für den boomenden Wohnungsbau, erwartet, sowie auch im Brückenbau.

Nach der aktuellen Konjunkturumfrage von bauforumstahl ist die Stimmung bei den Stahlbauern in Deutschland weiterhin sehr positiv. Die Hälfte aller an der Umfrage teilnehmenden Firmen bezeichnet die Geschäftslage insgesamt als gut. Von einem sehr hohen Niveau kommend werden die Geschäftserwartungen von 83 % der Unternehmen als gleich bleibend angesehen. Unter dem Strich also ein freundlicher Ausblick auf das Stahlbaujahr 2018.

In ihrer Green-Economy-Strategie betrachtet die Bundesregierung die Wertschöpfungsketten für die deutsche Wirtschaft ganzheitlich. Zentral sind dabei der schonende Umgang mit den endlichen Ressourcen und eine vermehrte Kreislaufführung der Werkstoffe. Stahl lässt sich im permanenten Wertstoffkreislauf vollständig recyceln – und weist auf diese Weise den Weg in die "Null-Abfall-Wirtschaft". Konkret in Zahlen bedeutet das: Der Einsatz einer Tonne Stahlschrott spart zum Beispiel bei der Rohstahlproduktion CO²-Emissionen in gleicher Höhe ein. Allein in Deutschland werden jährlich ca. 20 Mio. t Stahlschrott recycelt. Gerade dem Bausektor – mit einem Volumen auf Höhe der deutschen Staatsausgaben – kommt eine besondere Bedeutung zu. Die Lösung des Stahlbaues lässt sich dabei mit "3R" zusammenfassen: Reduce, Reuse, Recycle. Beim Reduzieren können die Planer die Baustoffe dank Stahl besonders effizient einsetzen, da Stahl über eine hohe Tragfähigkeit verfügt und schlanke Konstruktionen ermöglicht. Bei der Wiederverwendung sorgen wiederum genormte Stahlträger für eine erneute Nutzung. Sogar ganze Baukonstruktionen lassen sich abbauen – und an anderer Stelle wieder aufbauen. Beim Recyceln gelten die natürlichen metallurgischen Eigenschaften des Stahls genauso wie der modulare Aufbau von Stahlkonstruktionen mit leicht löslichen Verbindungen als wichtige Vorteile.

Hinzu kommt, dass z. B. die Sammelrate von Baustahl, also Träger und Grobbleche, bei Fertigung und Rückbau im deutschen Bauwesen 99 % beträgt. Diese Zahl teilt sich auf in 88 % hochwertiges Recycling: Einschmelzen im Elektroofen und Konverter und Verarbeitung zu neuem gleich- oder höherwertigem Stahl. Sowie 11 % Wiederverwendung: Erneute Nutzung der Bauteile in gleicher oder ähnlicher Funktion. Das Bauen mit Stahl ist deshalb ein bedeutendes Fundament für den Klimaschutz, die Schonung von Rohstoffen und bedeutet für die Umwelt einen echten Mehrwert. Aufgrund des auch nach Rückbau eines Gebäudes noch hohen Wertes von bereits genutzten Stahlprodukten und Stahlschrott hat sich in Deutschland deshalb eine Wirtschaft etabliert, die den industriellen Kreislauf der Stahlindustrie mit immer neuem einheimischem Schrott in Gang hält. Diese Kreislaufwirtschaft dient der Abfallvermeidung und ist ressourcen- und energieeffizient. Stahlschrott ist heute ein wertvoller Sekundärrohstoff, der im eigenen Land vorhanden ist.

Aber natürlich denkt die Branche noch weiter: Zusätzliche Potenziale, die es in Zukunft auszuschöpfen gilt, liegen im Bereich neuer Stahlqualitäten, -produkte und -systeme sowie der Stahlbauweise selbst. Aspekte wie die Gewichtsminimierung von Bauteilen sowie Rückbau und Erweiterbarkeit von Gebäuden werden wichtiger werden, ebenso wie der modulare Aufbau von Bauten und leicht lösbare Konstruktionsteilen. Das Bauen mit Stahl hat auch aufgrund der industriellen Vorfertigung der Bauelemente hier einen klaren Vorsprung gegenüber anderen Bauweisen. Eine große Rolle spielt hierbei das digitale Bauen: Die Digitalisierung verstärkt diese Vorteile des Stahlbaus weiter. BIM-orientierte (Building Information Modeling) Planungsprozesse sind im Stahlbau schon lange üblich und können nun endlich mit anderen Baugewerken verknüpft werden. Neue, vollautomatische Fertigungsanlagen sind bspw. ein großer Schritt in Richtung Industrie 4.0 und bedeuten enorme wirtschaftliche Vorteile. Im digitalen Bauwerksmodell wird der Wertstoff Stahl von der Planung bis zum Rückbau erfasst – beste Voraussetzungen für die Kreislaufwirtschaft.

Die Digitalisierung, im Bauwesen oft auf Building Information Modeling, fokussiert, setzt einen Wandel in Gang, der die Bauindustrie stark verändern wird. Die Richtung ist klar: mehr Digitalisierung, mehr Standardisierung, mehr Industrialisierung, engere Kooperation von Akteuren und dadurch mehr Innovationen aber auch höhere Effizienz. Ob BIM sich als Schreckgespenst oder Chance herausstellt, hängt auch von der individuellen Herangehensweise ab. Die Stahlbauer müssen überlegen, wann und wie ihr Fachwissen in den BIM-Prozess Eingang findet, so dass sie auf der einen Seite nicht austauschbare Lohnfertiger werden und auf der anderen Seite ihren Wissensvorsprung auch nutzen. Bei den oben beschriebenen technologischen und kreislaufwirtschaftlichen Voraussetzungen gibt es beste Aussichten für die Stahlbauweise für 2018 und darüber hinaus.

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