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Gut geschütztes Bollwerk

Eggers sorgt für Kampfmittelfreiheit auf der Insel Helgoland

Eine spezielle Wachsschicht schützt die Baumaschinen vor der salzhaltigen Gischt.

Helgoland (ABZ). – Sie sind seit jeher den höchsten Wellen ausgesetzt: Helgolands Westmole und Westmauer. Zusammen garantieren sie den Bestand des gesamten Südhafengeländes sowie des Schutz- und Sicherheitshafens. Die Bauwerke dauerhaft zu erhalten, ist für die Bewohner der Nordseeinsel in der Deutschen Bucht von großer Bedeutung. Seit diesem Jahr wird die Westmauer im Auftrag der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) saniert, da ihre Standsicherheit eingeschränkt ist.

Dabei ist das Know-how der Eggers Kampfmittelbergung gefragt. Denn vor der Küste und auf Helgoland lagern bis heute Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg: Bomben, Minen oder Granaten. Die Experten spüren diese auf, der Kampfmittelräumdienst von Schleswig-Holstein entschärft sie und macht sie unschädlich. Was die Bauarbeiten auf der Insel stark beeinflusst, sind Witterung und der Ausbruch der Corona-Pandemie, auf welche die Verantwortlichen reagieren müssen.

Dauerhaft im Bergungseinsatz

150 Spezialisten der Eggers Kampfmittelbergung sind bundesweit in den Bereichen maritime Kampfmittelsondierung und Räumung, Rüstungs- und Kriegsaltlastenbeseitigung an Land sowie bei der Ortung von Kampfmitteln tätig.

Seit 2010 haben die Experten regelmäßig rund um Helgoland zu tun. 2019 beendeten sie ihre Baumaßnahme auf der Nordseeinsel an der Ostmole. Damals erfolgten die Arbeiten wasserseitig. 2020 musste das Team samt Baumaschinen wieder anrücken, da in erster Linie landseitig gearbeitet wird, um potenzielle Kampfmittel an der Westmauer aufzuspüren, das Wassersturzbecken rückzubauen und das Wellensturzbecken provisorisch wieder herzustellen, bis dann der Neubau erfolgt. "Dafür ist eine ganz andere Ausstattung nötig", erklärt Jan Leidorf, der verantwortliche Projekt- und Bauleiter der Eggers Kampfmittelbergung.

Ende Januar vergangenen Jahres sollten die ersten Baumaschinen auf die Insel gebracht werden, doch die Sturmsaison verzögerte den Transport, sodass sich der Baustart auf Anfang März 2020 verschoben hat. Kurz darauf mussten alle Arbeiten auf Helgoland bedingt durch den Ausbruch der Corona-Pandemie bis Juni 2020 eingestellt werden. Die Mitarbeitenden wurden angewiesen, Helgoland zu verlassen, um die Inselbewohner vor einer Virusansteckung zu schützen. Seit Juli 2020 dürfen die Arbeiten fortgeführt werden. Für die Mitarbeitenden wurden Ferienwohnungen für die Dauer der Baumaßnahme bis 2021 angemietet.

Sicherheit ist das A und O

Die oberste Priorität der Kampfmittelbergung liegt in der Sicherheit. "Daher können wir unsere Arbeiten nicht einfach durch die Montage einer größeren Schaufel beschleunigen und Zeit aufholen, die wir Corona-bedingt verloren haben", erläutert der Projektleiter. "Der Boden muss aus Sicherheitsgründen in dünnen Schichten Zentimeter für Zentimeter abgetragen werden. Es gibt physikalische Grenzen auch im Hinblick auf die Feuerwerker vor Ort, die das Fachpersonal auf der Baustelle darstellen und berechtigt sind, mit Sprengstoff umzugehen und immer den Überblick beim Umgang mit Kampfmitteln behalten müssen."

Die Arbeiten, die auf der Insel durchgeführt werden müssen, umfassen den Abbruch, schweren Erdbau mit und ohne Verbau, den Betrieb eines Sieb- und Brechplatzes für die Aufbereitung und Herstellung von Baumaterialien. Das Räumfeld, das bearbeitet wird, ist 250 m lang und 25 m breit. Dadurch sind die Aktionsradien, auf denen die eingesetzten Baumaschinen rangieren dürfen, stark limitiert. Betonbauwerke schränken die Fläche weiter ein.

Angesichts der Menge an eingesetzter Technik ist daher eine gute Einsatzplanung vonnöten, damit alles ineinandergreifen kann und es nicht zu einer gegenseitigen Behinderung oder gar zu Unfällen kommt, wenn die Bagger ihre Ausleger schwenken. Da die Ausführenden neben einer sehr hohen Störwertdichte – bedingt durch reliktische Bauwerke und Abwurfmunition – auch von kleinteiliger Munition und Kampfmittelresten ausgehen, erfolgt eine Kampfmittelvolumenräumung in Kombination mit einer Bohrlochsondierung. Bei Letzterer bohren die Mitarbeitenden mit einem Bohrgerät aus dem Spezialtiefbau 6 m tief in den Untergrund. Große Störkörper werden einzeln entnommen. Anschließend wird das zu bearbeitende Material in einer Siebanlage von den verbliebenen Kleinteilen befreit. Die Bergung aller Eisen- und Nichteisenstörkörper erfolgt unter Aufsicht fachkundiger Feuerwerker. Geborgene Munition wird an den zuständigen Kampfmittelräumdienst von Schleswig-Holstein übergeben. Bis heute haben die Experten zwei Sprengbomben in 1,5 bis 2 m Tiefe gefunden, die entschärft werden mussten.

Witterungsbedingte Verzögerungen

Nicht nur Corona-Beschränkungen bremsten die Arbeiten bislang aus, sondern auch die Witterung. Insbesondere Sturm und der daraus resultierende stärkere Wellengang beeinflussten den Bauablauf. Ab 2,5 m Wellenhöhe, Hochwasser und West- bis Südwestwind besteht die Gefahr, dass das Wasser über die Mauer tritt und auf Mitarbeiter und Geräte trifft. Um die Baumaschinen vor salzigem Nordseewasser zu schützen, wurden sie vor dem Einsatz auf Helgoland gründlich gereinigt und eingewachst.

Das Räumfeld ist 250 m lang und 25 m breit.

"Wir dürfen die Funktion der Westmauer unter keinen Umständen beeinträchtigen; sie ist ein Bollwerk gegen hohe Wellen", erklärt Leidorf. "Um das Bollwerk zu sichern, fräsen wir die Betonplatten heraus, die dem Wasser die Fließrichtung vorgeben. Treten Stürme auf, müssen wir die Platten umgehend einbringen, nachdem wir auf dem verdichteten Boden ein Flies eingebracht haben", führt der Spezialist aus. "Dann werden die Fugen noch mit Beton verklammert, damit es auf keinen Fall zu einer Bodenauswaschung kommen kann und das Bauwerk geschwächt oder geschädigt wird."

Auch wenn die Eggers-Gruppe eigene Schiffe sowie schwimmendes Gerät besitzt, so sind diese Sondierungs- und Räumungsaufgaben vorbehalten und dienen nicht dem Transport von schwerem Equipment wie etwa eines Cat-Kettenbaggers 330 oder Seecontainern.

Transportschiffe gechartert

Daher charterten die Verantwortlichen Schiffe von Drittanbietern um das schwere Gerät zu befördern. Eingesetzt werden unter anderem Radlader wie ein Cat 908M, 950GC und 966M. Sie übernehmen die Transportlogistik und befördern den Bodenaushub. 15 000 m³ Boden müssen die Maschinen bewegen.

"Im Zuge der Kampfmittelbergung machen wir nicht den Aushub von großen Volumina, sondern immer nur von kleineren Bereichen", erklärt der Bauleiter. Neben einem Seilbagger nutzen die Ausführenden bei den anfallenden Arbeiten einen Cat 314E LCR, zwei Cat 320E L, einen Cat 326F LN sowie einen Cat 330 der neuen Generation. Im Boden, der ausgebaut wird, vermuten die Projektverantwortlichen im Bereich von 0 bis 3 m Munition und Abwurfmunition. Das beinhaltet großen Bomben ebenso wie kleinteilige Kampfmittel, etwa 2 cm große Panzergranaten. Mithilfe des 2 m³ großen Mine Busters – einem Spezialsieblöffel – sieben die Mitarbeiter den Boden durch. Durch die speziell auf die Kampfmittelsondierung angepasste Bauweise richtet selbst das Umsetzen von 200 g TNT keinen Schaden am Gerät an, versichert der Hersteller.

Gepanzerte Maschinen

Bei der Kampfmittelbergung hat die Sicherheit des Personals stets höchste Priorität. "Bei unseren Arbeiten gelten immer die höchstmöglichen Schutzmaßnahmen in Bezug auf das Personal, aber auch auf die Umgebung. Deshalb wird grundsätzlich mit erheblichem Splitterschutz für die Umgebung gearbeitet", erläutert Leidorf. Im Fall der eingesetzten Kettenbagger bedeutet es auch, dass Frontscheibe und Unterboden gepanzert sind. Doch das ist nicht die einzige Besonderheit: Der Cat-Kettenbagger des Typs 326F LN nutzt ein Schneidrad für die 30 cm dicken Betonplatten. Es wurde extra für die Arbeiten auf Helgoland angeschafft. Der Hersteller hat es individuell für den rauen Einsatz vor Ort angepasst. Die Mitarbeiter haben das Rad mit speziellen Zähnen ausgestattet, die bei Verschleiß ausgetauscht werden können.

Im Zuge weiterer Sicherheitsmaßnahmen setzen die Kampfmittelexperten auf spezielle Messverfahren, um auch im direkten Einflussbereich des vorhandenen Flutschutzes aussagekräftige Ergebnisse zu erreichen. Hierfür mussten im ersten Schritt Betonplatten gefräst und Winkelstützwände abgebrochen werden. Der dabei anfallende Aufbruch wird für die provisorische Wiederherstellung im Anschluss wiederverwendet.

Strikte Vorgaben

Doch es ist nicht so einfach, Fundamente oder Felsen aus einer Tiefe von 3 bis 4 m herauszuholen – denn die Mitarbeitenden dürfen keine Abbruchhämmer einsetzen, weil die Westmauer nicht genügend Standsicherheit bietet. "Es wäre fatal, wenn wir hier noch Vibration in den Untergrund bringen", weiß der Bauleiter. Deswegen werden Fundamente oder Felsen von der Baumaschine angehoben und über eine flache Rampe herausgezogen. An einem separaten Brechplatz werden sie dann zerkleinert.

Darüber hinaus besteht die Vorgabe, dass die Baugrube – aus Gründen der Standsicherheit entlang der Mauer – nur 5 m breit aufgemacht werden darf. Daraus ergibt sich eine Länge von 10 m. Deswegen können die Ausführenden keine Walzen nutzen, stattdessen arbeiten sie mit Anbauverdichtern. Hierzu werden engmaschige Verdichtungskontrollen durchgeführt, um zu dokumentieren, dass der Bauuntergrund tragfähig ist.

Komme der Helgoländer Boden mit Wasser in Kontakt, verhalte er sich wie Treibsand. "Dann ist der Untergrund mit Baumaschinen kaum befahrbar", erklärt der Experte. Um diesem Umstand entgegenzuwirken, musste der Oberboden abgeschoben, Geogitter aufgebracht und Flächen aufgefüllt werden, um sie befahrbar zu machen. In Summe wurden 30 Arbeitstage in die vorbereitenden Maßnahmen gesteckt, um eine stabile Grundlage für die Sanierung der Westmauer zu gewährleisten.

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