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Gute Wärmespeicherkapazität

Lehmplatten erleben eine Renaissance

Beim Bau der Reinbeckhallen, einem Zentrum für zeitgenössische Kunst in Berlin-Oberschöneweide, wurde Lemix eingesetzt.

Waldsassen (ABZ). – Lehm ist einer der ältesten Baustoffe der Menschheit. Darauf weist der Baustoffhersteller Hart Keramik aus Waldsassen und Schirnding hin. Er wurde schon im alten Babylon benutzt.

Auch in Europa lernten die Menschen vor langer Zeit, mit Lehm umzugehen. Historische Funde und bauliche Relikte belegen, dass sie ihn in Bauwerken verarbeiteten und beispielsweise in Palisaden und Flechtwände einarbeiteten. Später setzten sie das Material insbesondere in Fachwerkhäusern ein.

Aber auch für moderne Anwendungen nach heutigen Maßstäben von Bauphysik und Ökologie sei der Baustoff geeignet, sagt Sven Eulenstein, Produktmanager bei der Hart Keramik AG – spätestens gelte das seit dem Jahr 2013. In diesem Jahr habe Hart Keramik die Lemix-Lehmplatte für den Trockenbau entwickelt und auf den Markt gebracht. Das Produkt werde in zweiter Generation mit industrieller Präzision gefertigt und habe dem Traditionsmaterial eine Renaissance im Holz- und Innenausbau beschert, so Eulenstein.

Baustoffe müssen heutzutage nicht nur bauphysikalischen und gestalterischen Anforderungen genügen. Auch ihre Umweltverträglichkeit, von der Produktion bis zum Rückbau, wird immer wichtiger. Aspekte dabei sind die Nutzung natürlicher Ressourcen und nachwachsender Rohstoffe, Energie sparende Herstellungsverfahren, Nachhaltigkeit und Recyclingfähigkeit. "Auf die Lehmplatte aus Oberfranken triff dies alles zu", so Eulenstein. Lemix sei Ende 2017 als bisher einzige Lehmplatte europaweit von "natureplus" zertifiziert worden, einer Vereinigung von Bauexperten, Umwelt- und Verbraucherschützern und Wissenschaftlern, die nachhaltiges Bauen und Wohnen fördern wollen.

Die Ressourcen der Lehmplatte kommen aus der Natur. Die Rohstoffe Lehm und Ton sind nahezu unbegrenzt vorhanden. Die Platten werden sehr energieeffizient produziert. Denn anders als Ziegel müssen Lehmplatten nicht gebrannt werden, sie werden lediglich getrocknet. Die Hart Keramik AG nutzt dafür überschüssige Abwärme aus der Eigenstromerzeugung oder anderen Herstellungsprozessen im Schirndinger Werk.

In der Platte sind natürliche Zusatzstoffe wie unbehandelte Holzfasern sowie stabilisierende wasserlösliche Zusatzmittel bis zu einem Masseprozent, beispielsweise Speisestärke, enthalten. Im Kern oder an der Oberfläche wird eine Bewehrung mit Stäben, Matten, Gittern oder Jutegewebe verwendet. Auch am Ende seiner Nutzung ist der Baustoff umweltfreundlich: Alte Lehmplatten können vollständig recycelt werden.

Die Lehmbauplatte sei darüber hinaus gesund, so der Lemix-Hersteller. Lemix wirke antibakteriell, Schimmelsporen hätten selbst im Badezimmer keine Chance. Lehm habe zudem eine hohe Wärmespeicherkapazität, hervorragende Schallschutzwerte und sei wasserdampfdurchlässig.

Lehm wirke außerdem bauphysikalisch in allen Jahreszeiten wie eine natürliche Klimaanlage. Er gehört zu den "schweren" Baustoffen. Da er "hygroskopisch" ist, also Feuchtigkeit anzieht, kann er Wärme gut speichern. Nützlich ist das beispielsweise für den Holzbau. Weil die Leichtbauweise häufig nur eine geringe Speichermasse bietet, gibt es dort immer wieder Probleme mit Hitze oder Kälte. Hier kann Lemix mit seiner sehr hohen Wärmespeicherkapazität ein gutes Raumklima schaffen und dabei helfen, die Luftfeuchtigkeit gut zu regulieren.

ABZ-Stellenmarkt

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 33/2020.

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