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Hafenlogistik

Arbeitsalltag stark vereinfacht

Der Sennebogen 870E bringt mit Pylon 108 t auf die Waage. Für die Verladung der Güter steht eine Vielzahl an Anbaugeräten zur Verfügung.

Germersheim (ABZ). – Das erste, was auf dem Gelände der Freyer Hafenlogistik GmbH in Germersheim auffällt: Hier ist alles etwas größer als anderswo. Auf mehr als 90 000 m² Freifläche betreibt die Firma Freyer seit 1969 in bereits vierter Generation Hafenumschlag.

Dazu gehören auch Lagerung und Transport von Massen- und Stückgütern. Die Maschinen auf dem riesigen Gelände sind nicht selten turmhoch, häufig wird in Kilotonnen gerechnet und die Kommunikation unter den Mitarbeitenden erfolgt auf dem riesigen Areal ausschließlich über Funk.

Die Anlage ist ursprünglich aus einem Kieswerk entstanden und hat sich in den vergangenen 52 Jahren hin zu einem Hafenumschlagswerk entwickelt. Nun werden pro Jahr etwa 400 000 t Material umgeschlagen. Zwischen Nord- und Südufer gelegen, befinden sich auf dem Gelände mehrere Lagerhallen mit einer Kapazität von rund 10 000 m² für Güter, die für den Umschlag trocken zwischengelagert werden müssen. Dazu zählen unter anderem Papier, Getreide und Düngemittel. Auf den Freiflächen lagern Schüttgüter wie Sand, Kies, Schrott, Granitsteine, Roheisen und Zementklinker. Für die Verladung steht ein ganzes Arsenal an unterschiedlichen Großmaschinen zur Verfügung.

Sehr häufig sei diese Menge an Leistungsstärke nötig. Etwa dann, wenn ein Koppelverband vor Anker geht, der mit Stahlschrott beladen werden soll. Die beiden Laderäume fassen zusammen etwa 7000 m³. Das Schiff zu beladen dauert selbst mit der Unterstützung mehrerer Materialumschlagmaschinen rund eineinhalb bis zwei Tage. Anders als auf festem Grund, kann man ein Schiff nicht einfach von vorn nach hinten oder umgekehrt beladen. Es ist wichtig, ein ausgeklügeltes Beladungssystem – je nach Fracht – zu befolgen, damit das Schiff stets austariert im Wasser liegt. Dazu muss es mehrmals bewegt werden und die Maschinisten, die das Beladen verantworten, müssen das Gewicht der zu beladenen Fracht beachten.

Zu den drei Materialumschlagmaschinen wurden insgesamt 14 Anbaugeräte mit entsprechenden Schnellwechseladaptern ausgestattet. Nun können die Mitarbeitenden die Anbaugeräte untereinander mit nur einem Handgriff an- und abkuppeln.

Auch hier gilt: Zeit ist Geld. Damit der Beladungsprozess so schnell wie möglich vonstatten gehen kann, steht ein Containerkran für Schwergut, ein Seilkran und ein Portalkran mit jeweils 10 t zur Verfügung, ebenso wie vier große Materialumschlagmaschinen und fünf Radlader –in der Größe von 3,5 bis 4 m³ Schaufelinhalt. Jedes Gerät hat Vor- und Nachteile, die es geschickt einzusetzen gilt. Ein Seilkran ist bei der Schiffsentladung nützlich, da die Schalen des Greifers nur durch das Eigengewicht schließen. Hydraulische Mehrschalengreifer bei Umschlagmaschinen entwickeln möglicherweise zu viel Druck, allerdings liegt die Arbeitshöhe im Seilkran auch bei etwa 20 m. Hier müssen erfahrene Maschinisten zuwerke gehen.

Moderne Materialumschlagmaschinen sind hingegen leistungsstark und können flexibel genutzt werden. Die erste Maschine war ein Liebherr 954. Im Laufe der Jahre folgten ein Sennebogen 860, ein Sennebogen 870E und zuletzt eine Fuchs-Maschine. Der Sennebogen 870E bringt mit Pylon 108 t auf die Waage. Für die Verladung der Güter steht eine Vielzahl an Anbaugeräten zur Verfügung, die regelmäßig gewechselt werden müssen – je nach Stück- oder Schüttgut. Die in der Regel vier parallel auf dem Stiel laufenden Hydraulikleitungen für die Anbaugeräte müssen dazu jedes Mal an- und abgekuppelt werden. Ein nicht zu unterschätzender Aufwand. Zwar ist die Wechselhäufigkeit der Anbaugeräte deutlich niedriger als im Bauwesen – weshalb vollhydraulische Wechsler eine deutlich längere Amortisationszeit haben – aber doch oft genug, als dass ein analoges Verbinden jeder Leitung zu viel Zeit in Anspruch nehme würde, erläutern die Verantwortlichen.

Vor sieben Jahren entschied sich die Firma Freyer daher dafür, die Pister-Multikupplung einzusetzen. Dieses System gibt es unter anderem in einer speziellen Warenumschlagsausführung, mit vier parallellaufenden Leitungen. Auch ein außenliegender Haupt- und ein innenliegender Steuerkreis sind vorhanden. 2014 wurde der Liebherr 954 umgerüstet. 2014 und 2019 folgten die Sennebogen-Maschinen. Zu den drei Materialumschlagmaschinen wurden insgesamt 14 Anbaugeräte mit entsprechenden Schnellwechseladaptern ausgestattet.

Nun können die Mitarbeitenden die Anbaugeräte untereinander mit nur einem Handgriff an- und abkuppeln. Der "Herr der Maschinen" ist Sascha Willner. Er ist seit vielen Jahren für die Firma Freyer als Bagger- und Radladerfahrer tätig. Für ihn ist der Umgang mit den riesigen Umschlagbaggern mittlerweile Normalität.

Die Geräte im Arbeitsalltag zu verbessern, gehört aber ebenso zu seinen Aufgaben, wie die Bedienung selbst. Zwar sind die Maschinen werksseitig schon recht ausgetüftelt, aber jedes Einsatzgebiet ist so spezifisch, dass die ein oder andere Modifikation vor Ort nötig ist. Die Nachrüstung mit der Pister-Multikupplung war für Willner die beste Entscheidung. "Anbaugeräte unter Druck mit nur einem Handgriff anzukuppeln ist schon eine feine Sache", sagt er. Die Leitungen werden zudem immer richtig angeschlossen. Gerade wenn es schnell gehen muss, weiß er, dass alles passt, ohne nochmal kontrollieren zu müssen. "Die Leistungsfähigkeit der Kupplung hat mich schon beeindruckt", resümiert der Fachmann. Etwa 400 l Öl pro Minute (bei geringen Staudrücken) gehen durch die DN20-Kupplung. Auch für den großen Sennebogen des Typs 870E sei das kein Problem.

ABZ-Stellenmarkt

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 13/2021.

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