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Herbringhauser Talsperre

Historische Staumauer eingerüstet

Teupe, Baustellen, Gerüstbau

Komplexe Gerüstkonstruktion der Firma Teupe für die Sanierung der Staumauer-Luftseite.

Wuppertal (ABZ). – Die über 100 Jahre alte Herbringhauser Talsperre dient der Trinkwasserversorgung der Stadt Wuppertal. Für den Bau der Talsperre vor über 100 Jahren (1898–1901) wurden 42 000 m³ Grauwacke-Bruchsteine verwendet. Im Jahr 2004 wurden die Staumauer und die vorgelagerte Stauwasserfläche unter Baudenkmalschutz gestellt. In diesem Jahr hat der Wupperverband die Talsperre von der WSW Energie & Wasser AG übernommen.

Bei den regelmäßigen Begehungen der Staumauer wurde festgestellt, dass das bis zu 80 cm dicke Verblendmauerwerk bedingt durch jahrzehntelange Witterungseinflüsse, Feuchtigkeit und Frost, an vielen Stellen schadhaft und eine umfassende Sanierung bzw. die Erneuerung von rund 2500 t Steinen und Mörtel unumgänglich ist. Insgesamt müssen ca. 4000 m² Mauerfläche von Hand bearbeitet bzw. rund 80 % der Grauwacke-Bruchsteine ersetzt werden. Aus wirtschaftlichen Gründen wird auf einen Austausch der alten gegen neue Bruchsteine verzichtet. Stattdessen kommt modellierter Spritzbeton zum Einsatz, auf den dann ein oberflächliches Fugenbild gesetzt wird. So bleibt der allgemeine optische Eindruck der Mauer erhalten. Abgesehen von einigen kriegsbedingten Reparaturen und regelmäßigen Wartungsarbeiten ist es die erste Komplettsanierung der Luftseite seit dem Bau der Staumauer.

Für die Sanierung der Mauervorhangschale wurde die Firma Teupe mit der Konstruktion und Montage eines komplexen Arbeitsgerüstes (insgesamt 4000 m² schräges Fassadengerüst) an der 37 m hohen Mauerluftseite beauftragt. Weiterhin stellt Teupe einen Lastturm inklusive eines Aufzuges mit einer Tragkraft von 1000 kg für den Materialtransport. Aufgrund der speziellen Sanierungstechnik der Staumauer war eine konventionelle Gerüstkonstruktion mittels abgetreppter Gerüstlagen nicht möglich, weil die Anker (Lasteinleitung alle 4 m) nach Abbruch der Mauerschale freigelegen hätten. Die Planung der Gerüstkonstruktion erfolgte schräg (analog) mit dem Verlauf der Talsperrenmauer. Hierfür ermittelte das technische Büro der Firma Teupe in komplexen Berechnungen einen Radius, mit dem die gesamte sowohl horizontal als auch vertikal konkav gekrümmte Wandfläche im jeweils erforderlichen Abstand erreicht werden konnte. Die Verankerung des Gerüstes erfolgte unmittelbar oberhalb des tragfähigen Gründungsbereiches mittels eines speziellen Ankerrohres mit Innengewinde.

Die Ankerstäbe wurden nach mehreren aussagekräftigen Auszugversuchen direkt in die Mauer mit einer Tiefe von 1 m in das Bauwerk eingebracht und konnten dadurch bis zu 5 t Zuglast aufnehmen. Bei der Herstellung der Gerüstlagen im Abstand von 2 m ergaben sich durch die Schrägstellung des Gerüstes unterschiedliche Stiellängen, die mit entsprechend angepassten Rohren ausgeglichen werden mussten. Die Stöße in Belaghöhe wurden mit einem gekrümmten Rohrverbinder realisiert, der speziell für dieses Projekt in der Teupe-Werkstatt gefertigt wurde.

Das Gerüst wurde mit einem Gerüstrohr in jedem Knotenpunkt als Abstandhalter gegen die Mauer gelegt, so dass keine weiteren Verankerungen erforderlich waren. Mittels dieser Konstruktion kann das Rohr beim Ausbruch der Steine bauseits nach innen geschoben und beim späteren Aufbau der Wand wieder mit nach außen geführt werden. Dadurch werden Kosten sowie aufwändige Umbauten und Umankerungen vermieden.

Auf der rechten Mauerseite erforderte der angeschüttete Unterboden eine andere Gründungssituation als auf der linken Seite. Hier erfolgte die Gründung des Gerüstes mit HEB-Stahlprofilträgern bis 1,30 m, die mittels Kernbohrung in die Mauer eingebracht und befestigt wurden. Diese dienten dann als Auflager für diese Bereiche. Die Instandsetzungsarbeiten laufen seit Mai 2015 und sollen voraussichtlich bis Ende 2016 abgeschlossen werden.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 29/2016.

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