Historisches Dach rekonstruiert

Rokoko-Schloss erstrahlt in neuem Glanz

von: Petra Bruch
Denkmalschutz Dachbaustoffe
Das äußerlich frisch sanierte Schloss Mosigkau, aufgenommen mit einer Drohne. Fotos: Jan Woitas/dpa

Dessau-Roßlau. – Nach ihrem Tod sollte ihr Schloss ein Stift für adlige unverheiratete Frauen werden. So wollte es Prinzessin Anna Wilhelmine von Anhalt-Dessau im 18. Jahrhundert. Jetzt wurde der Bau in neuen Glanz versetzt.

"Perle des Rokoko" und "klein Sanssousi" wird es von Bauexperten liebevoll genannt – Schloss Mosigkau, im Dessau-Wörlitzer Gartenreich, das zum UNESCO-Welterbe zählt. "Tugendhaft, gottesfürchtig und unverheiratet" mussten die Bewohnerinnen sein, wie es die Erbauerin der Anlage, Prinzessin Anna Wilhelmine von Anhalt-Dessau (1715–1780), in ihrem Testament verfügt hat. Frauen aus dem Adel, die mangels Mitgift in ihren Kreisen keinen Mann fanden, sollten in dem Schloss Aufnahme finden, sich um Arme und Kranke im Dorf kümmern, sie pflegen und bekochen. Mit weißen Handschuhen blättert Archivarin Ute Winkelmann von der Kulturstiftung DessauWörlitz im dicken Testament der Tochter des Fürsten Leopold I. von Anhalt-Dessau. "Sie war sehr demokratisch, aufklärerisch, ein mathematisches Talent, pingelig in der Buchführung und fürsorglich", sagt sie über die Adelige.

Beim Rundgang durch die historischen Räume zeigt sie dann auch persönliche Dinge der vermögenden Frau, die unverheiratet blieb. "Warum? Das ist leider nicht überliefert", sagte sie. Dokumente gingen durch Kriege auch verloren. In ihrem Testament habe die Prinzessin aber penibel das Leben nach ihrem Tod in ihrem Sommerschloss als Hochadeliges Fräuleinstift in einer Ordnung handschriftlich bestimmt – den Tagesablauf, beginnend mit Gebeten, "bis dahin, wer in welchen Räumen wohnen soll", erzählt Winkelmann vor einem großen Bild der Prinzessin. Die Geschichte nahm in dem Schloss ihren Lauf. Heute ist es ein Museum. Stürme und der Zahn der Zeit nagten an der Anlage. Orkan Kyrill, der 2007 über Europa hinwegfegte und verheerende Schäden anrichtete, machten auch vor Mosigkau nicht halt.

Zunächst notdürftig repariert, wurde die historische Dachkonstruktion samt Schornsteinen sowie Fassade und Elektroanlagen seit 2016 denkmalgerecht erneuert. Rd. 1,6 Mio. Euro wurden nach Angaben der Staatskanzlei und des Ministeriums für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt mit Hilfe des Bundes - dem Programm Investitionen für nationale Kultureinrichtungen in Ostdeutschland - investiert. Mit dem Programm "wollen wir ein möglichst breites Publikum zeitgemäß ansprechen und für unser vielfältiges und reiches Kulturerbe interessieren", erklärt Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) das Anliegen.

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Denkmalschutz Dachbaustoffe
Das während der Sanierung der kompletten Dachkonstruktion mit einem Behelfsdach versehene Schloss Mosigkau (Sachsen-Anhalt) – aufgenommen am 1. August 2017.

Seit 2004 hat der Bund den Angaben zufolge rd. 83 Mio. Euro für herausragende Kultureinrichtungen und -projekte in den neuen Ländern bereitgestellt, 2018 weitere Unterstützung für 27 Projekte geplant. Mosigkau ist nach Angaben der Kulturstiftung DessauWörlitz eine der bedeutendsten Rokoko-Anlagen in Deutschland, erste Entwürfe stammten möglicherweise von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, dem Architekten der berühmten Schlossanlage Sanssouci in Potsdam (Brandenburg).

Nach Angaben der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz kommen jährlich zwischen 7000 und 10 000 Besucher nach Mosigkau. Im Schloss sind mehr als 20 Räume mit teilweise erhaltener Originalausstattung zu besichtigen. Strahlend öffnet die Archivarin die Tür zu einem Saal mit türkisfarbener Stuckdecke und einem Bilderschatz an den Wänden.

Gemälde wie von Peter Paul Rubens (1577–1640) und Anthonis van Dyck (1599–1661) sind zu sehen. "Sie hatte Geschmack", schwärmt die Archivarin in dem Saal, in dem Konzerte mit Blick in den Garten stattfinden.

Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die sich im Dessau-Wörlitzer Gartenreich nach eigenen Angaben bereits vielfach engagiert hat, sind historischen Anlagen wie Mosigkau wichtig – um in der heutigen Zeit den Blick zu bewahren für handwerkliches und künstlerisches Schaffen, wie ein Sprecher sagt.

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